Rachemordprozess: Zweifel am ominösen Dritten

Göttingen/Reiffenhausen. Im Prozess um die Ermordung eines 27-jährigen Mannes aus Reiffenhausen hat sich das Landgericht Göttingen am Dienstag erneut mit einem ominösen Dritten beschäftigt.

Der 29-jährige Angeklagte hatte am jüngsten Verhandlungstag in einer von seinem Verteidiger verlesenen Einlassung bestritten, den Mord begangen zu haben. Stattdessen stecke ein Mann namens Artur dahinter. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sich der Angeklagte diesen vermeintlichen Dritten nur ausgedacht hat. Möglicherweise hat ihn erst die Polizei darauf gebracht. Ein als Zeuge geladener Polizist berichtete am Dienstag, dass er den Angeklagten bei der ersten Vernehmung nach dessen Festnahme nach einem Mann namens Artur gefragt habe. Der 29-Jährige habe damals gesagt: „Ich kennen keinen Artur.“

Tatsächlich hatte sich der Ermittler nach einem ganz anderen Namen erkundigen sollen. Eine Kollegin, die mit der Auswertung von Handy- und Computerdaten des 29-Jährigen befasst war, hatte ihn gebeten, den Tatverdächtigen nach einer bestimmten Person zu fragen, die zu dessen Telefonkontakten gehörte. Der Polizist verstand allerdings den Vornamen falsch. „Wahrscheinlich hat sie mir den Namen in mein Tinnitus-Ohr gesagt“, erklärte der Ermittler das Missverständnis. Statt nach der Frau, um die es tatsächlich ging, fragte er nach einem Mann mit dem Vornamen Artur. „Ich habe den Namen Artur ins Spiel gebracht“, sagte der Polizist.

Vorwurf

Später tischte der Angeklagte dann plötzlich eine Geschichte von einem Anrufer namens Artur auf. Dieser habe ihn beauftragt, den Bruder seiner damaligen Freundin zu einem Treffpunkt zu locken. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dass er selbst Anfang Februar den 27-Jährigen mit einer fingierten Flirt-SMS in die Feldmark gelockt und dort erschossen habe.

Er habe sich dafür rächen wollen, dass der Bruder ihn mehrerer Diebstähle überführt hatte und er deswegen nach zehn Monaten aus dem Haus hatte ausziehen müssen, in dem seine Freundin mit ihren Eltern und ihrem Bruder lebte. Der Prozess wird Mitte Januar fortgesetzt.

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