Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung

Radfahrerin überrollt: Bewährungsstrafe für 47-jährige Autofahrerin

Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort wurde die Autofahrerin verurteilt.
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Der Eingang zum Landgericht Göttingen: Dort wurde die Autofahrerin verurteilt. (Symbolbild)

Im Prozess um den Tod einer Radfahrerin aus Bad Lauterberg hat das Landgericht Göttingen am Montag eine 47-jährige Autofahrerin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt.

Göttingen/Bad Lauterberg – Nach Ansicht des Gerichts hat sich die Angeklagte der fahrlässigen Tötung schuldig gemacht. Da aufgrund der Umstände zunächst auch ein Tötungsdelikt im Raum gestanden hatte, war der Fall vor der Schwurgerichtskammer gelandet. Der Vorwurf des Totschlags habe sich nicht bestätigt, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Vielmehr habe die Beweisaufnahme ergeben, dass der Vorfall als Unfall und nicht als vorsätzliche Tat einzustufen sei.

Die 47-Jährige war ursprünglich wegen Totschlags angeklagt gewesen. Die Staatsanwaltschaft hatte ihr vorgeworfen, „sehenden Auges“ eine 58-jährige Nachbarin mit dem Auto erfasst und danach mehrfach überrollt zu haben. Die Nachbarin war bei dem Unfall so schwer verletzt worden, dass sie zu einem Pflegefall wurde und zwei Jahre später an den Folgen verstarb. Der folgenschwere Unfall hatte sich im Januar 2018 ereignet. Ein Jahr zuvor hatte es zwischen den beiden Frauen einen heftigen Streit um die Reinigung des Treppenhauses gegeben. Der Streit sei aber beigelegt gewesen, so dass sich daraus kein Tatvorsatz der Angeklagten ableiten lasse, sagte der Vorsitzende Richter. Allerdings sei ihr Verhalten bei dem Unfall teilweise nicht nachvollziehbar gewesen.

Tobias Jakubetz, Vorsitzender Richter

Die 47-Jährige war zu Beginn des Prozesses, der Anfang November startete, der Verhandlung ferngeblieben. Daraufhin hatte das Gericht gegen sie einen Haftbefehl erlassen. Die Angeklagte hatte dann die folgenden sechs Wochen in Hauptverhandlungshaft gesessen.

Der Vorsitzende Richter verwies bei der Urteilverkündung darauf, dass sich das Verfahren rechtsstaatswidrig verzögert habe. Die Angeklagte müsse deshalb nicht für die Kosten aufkommen, die durch die Beschlagnahme ihres Pkw entstanden seien. Aufgrund der langen Verfahrensdauer habe man auch davon abgesehen, ihr die Fahrerlaubnis zu entziehen. Die Angeklagte bekam noch im Gerichtssaal ihren Führerschein zurück.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung hatte dagegen auf eine niedrigere Bewährungsstrafe plädiert.

Foto: Bernd Schlegel

Von Heidi Niemann

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