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Radikalisierung: Sorge um Corona-Rebellen bei Göttinger Bildungszentrum

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Von: Michael Caspar

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Demo von Maßnahmen-Gegner Anfang Januar auf dem Göttinger WIlhelmsplatz: Die Corona-Rebellen würden zunehmend radikaler, so Damian Ott.
Demo von Maßnahmen-Gegner Anfang Januar auf dem Göttinger WIlhelmsplatz: Die Corona-Rebellen würden zunehmend radikaler, so Damian Ott. (Archivfoto) © Michael Caspar

Die zunehmende Radikalisierung der Corona-Rebellen in Südniedersachsen erfüllt Damian Ott vom Antifaschistischen Bildungszentrum und Archiv Göttingen mit Sorge.

Göttingen – „In Bovenden und Bad Sachsa hat es die ersten Hausdurchsuchungen bei Personen gegeben, die im Internet zum Mord an Politikern und Ärzten aufgerufen haben sollen“, berichtet Ott. Bei den südniedersächsischen „Spaziergängen“ gegen die Coronaschutzmaßnahmen gäben Rechtsextreme jedoch – anders als etwa in Braunschweig, Cottbus oder Rostock – nicht den Ton an.

„Die Menschen, die in Göttingen und Hann. Münden, Northeim oder Osterode auf die Straße gehen, wirken bürgerlich“, berichtet Otts Kollege, der Journalist Nico Kuhn, der regelmäßig bei solchen Veranstaltungen fotografiert. Viele Teilnehmende betrachteten sich als Teil des linksalternativen Milieus. Sie sympathisierten mit der Friedens- und der Klimaschutzbewegung.

„Über Termine informieren sie sich im Telegramkanal Freie Niedersachen, der 22 000 Abonnenten zählt“, sagt Ott. Es sei nicht klar, wer hinter dem Kanal stehe. Der Kanal Freie Sachsen würde von bekannten Rechtsextremen organisiert.

„Die AfD versucht, Einfluss auf die Spaziergänger zu bekommen“, beobachtet Ott. So habe der AfD-Kreisverband Eichsfeld Rechtshilfetipps veröffentlicht. Darin wird den „Spaziergängern“ geraten, ihre Veranstaltungen nicht anzumelden und den Personalausweis zuhause zu lassen, um der Polizei die Arbeit zu erschweren. In Bad Lauterberg organisiere die Partei „Die Basis“, die Bezüge zu den Querdenkern habe, Kundgebungen. Die Göttinger Kreisvorsitzende, Margaretha Main, spreche mit Blick auf die Teilnehmenden von einer „Volksgemeinschaft“, die weder links noch rechts sei. „Die Spaziergänger tauschen sich in Internetforen aus, wo es immer wieder Bezüge auf Verschwörungserzählungen gibt“, sagt Ott. Oft sei von einer kleinen „Elite“, „den Juden“, die Rede. Sie nutze angeblich die Pandemie, um Grundrechte aufzuheben und so eine Diktatur, die „Neue Weltordnung“, zu errichten. Die „Elite“ plane den Großen Reset, die Machtübernahme. Auch von einem bevorstehenden „Völkermord“ sei die Rede.

Dass es unter Corona-Rebellen Mediziner, wie die Duderstädter Ärztin Dr. Carola Javid-Kistel gibt, wundert Ott nicht. Eine Minderheit der Schulmediziner sei offenbar gegen Verschwörungserzählungen nicht immun. Den Vorwurf, dass mögliche Impfrisiken verschwiegen würden, sei „haltlos“. Das zeige etwa die breite Diskussion um den Einsatz von Astra-Zeneca.

Unter den südniedersächsischen Gegnern der Schutzmaßnahmen gibt es zudem Juristen. „Der Göttinger Anwalt Reiner Fuellmich versucht, auf Bundesebene eine Sammelklage auf den Weg zu bringen“, weiß Ott. Füllmich gehöre zudem einem „Corona-Ausschuss“ an, der regelmäßig per Livestream die aktuelle Lage aus seiner Sicht kommentiere. Damian Ott referiert am Dienstag, 25. Januar um 17.30 Uhr beim Verdi-Bildungswerk in Göttingen über das Thema. Anmeldung per E-Mail an goettingen@bw-verdi.de oder unter Tel. 0551/47188. (Michael Caspar)

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