Uni-Stadt bei Radtrassen Vorreiter

Radkongress in Göttingen: Kommunen wollen schnell mehr Geld für Radwege

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Breit, sicher, gut gekennzeichnet: Ein Teil des E-Radschnellweges in Göttingen. Eine Zahlstation an der Robert-Koch-Straße erfasst die Zahl der vorbeifahrenden Radfahrer vom und zum Nordcampus der Universität. An der Strecke liegt auch die Uni-Klinik. Das Projekt wird auch wissenschaftlich begleitet. Der E-Radschnellweg ist bei Radfahrern beliebt.

Göttingen. Deutschlands Kommunen müssen laut Städte- und Gemeindebund (DStGB) mehr für den Fahrradverkehr tun, das könnte die Verkehrswende voranbringen

„Die Debatte um Diesel-Fahrverbote zeigt, dass Städte und Gemeinden und ihr Umland dringend auf eine umweltfreundliche Mobilität angewiesen sind“, sagte Vizepräsident Roland Schäfer am Mittwoch in Göttingen beim bundesweiten Kommunalradkongress.

An der Fachtagung, die zum dritten Mal vom DStGB ausgerichtet wurde, nahmen etwa 160 Verkehrsexperten und Kommunalpolitiker teil.

Wegen der Dringlichkeit des Problems unterstütze der DStGB die Forderung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) nach mehr Geld für den Radverkehr. „Wenn wir wirklich eine Umsteuerung bei der Mobilität wollen, dann sind 2,4 Milliarden Euro für den Radverkehr pro Jahr nicht viel Geld“, sagte Schäfer. Zudem müsse das Geld schnell bereitgestellt werden.

Er betonte, dass es momentan nicht nur um Fahrverbote für Diesel-Autos gehen dürfe, sondern auch darum „gute Alternativen zum Auto zu schaffen“. Der Schlüssel dazu sei die konsequente Förderung des Radverkehrs, so Schäfer. Er sprach auch die Nutzung der Digitalisierung an, sie könne helfen, verschiedene Verkehrsmittel intelligent zu verbinden und so ein „überzeugendes und komfortables Mobilitätsangebot schaffen“.

Der ADFC hatte zuvor die Forderung bekräftigt, dass aus öffentlichen Mitteln mindestens 30 Euro pro Einwohner und Jahr zur Förderung des Fahrradverkehrs aufgewendet werden sollen. „Viele Kommunen geben dafür nur zwei bis frei Euro aus“, kritisierte der nordrhein-westfälische ADFC-Vorsitzende Thomas Semmelmann.

Dabei nähmen die von Autos verursachten Probleme zu, sagte Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler (SPD). Immer mehr Menschen pendelten von außerhalb zur Arbeit in die Zentren. „Deshalb ist es für die Städte überlebenswichtig, sich aktiv für den Radverkehr einzusetzen“, sagte Rolf-Georg Köhler. Eine Möglichkeit seien Radschnellwege.

Diesbezüglich fährt seine Stadt vorneweg in Deutschland: Göttingen hat mit seinem E-Radschnellweg ein bundesweites Pilotprojekt gebaut und in Betrieb.

Dafür wurden in der Uni-Stadt Fahrspuren von Straßen abgeknabbert und Flächen für Radfahrer deutlich verbreitert, sodass ein Begegnungsverkehr möglich ist. Auch haben dort die Radfahrer Vorrang – extra Ampeln geben früher grünes Licht als für Autos und Fußgänger.

Der E-Radschnellweg war ursprünglich knapp fünf Kilometer lang, reichte vom Bahnhof bis zum Uni-Nordcampus. Die auch mit breiten blauen Streifen und Piktogrammen gekennzeichnete Trasse kommt an. Allerdings haben Autofahrer und Fußgänger manchmal Probleme mit dem Vorrang für die Radler. Zwei Zählstationen aber künden von der Beliebtheit in der fahrradfreundlichen Stadt: Die Lichtschranken registrierten 2016 auf dem Göttinger E-Radschnellweg mehr als eine Million vorbeifahrende Radler. Der Bau des ersten Abschnittes kostete rund 1,65 Millionen Euro. 600 000 Euro steuerte die Stadt Göttingen bei.

In Rad-Schnellwegen sieht auch der DStGB eine Lösung. „Dabei hinkt Deutschland aber hinterher“, sagte Sprecherin Stephanie Krone – im Gegensatz zu Göttingen.

Eine gute Möglichkeit, die Verkehrswende in den Innenstädten zu unterstützen, sieht der Städte- und Gemeindebund auch im Einsatz von Lastenfahrrädern. Damit wäre ein umweltfreundlicher Transport von Menschen und Gütern möglich, sagte Vizepräsident Schäfer, der Bürgermeister von Bergkamen ist. (mit dpa)

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