Ausnahme vom Einzelhandelskonzept

Ratsbeschluss: Großes City-Sortiment beim künftigen Göttinger Möbelriesen

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Hier soll der Groß-Möbelmarkt ansiedeln: Das Gelände an der Anschlussstelle Göttingen der Autobahn 7 in der Nähe des Kauf-Parks (rechts oben) wird derzeit noch landwirtschaftlich genutzt. 

Göttingen. Der geplante Möbelmarkt am Göttinger Kauf-Park an der Autobahn 7 darf auf einer Fläche von 2500 Quadratmeter ein innenstadtrelevantes Sortiment anbieten. Das beschloss die Ratsmehrheit von SPD und Bündnis 90/Die Grünen.

CDU, FDP, Linke und die Piraten/Partei-Ratsgruppe hatten sich dagegen ausgesprochen. Der Entscheidung war eine längere Diskussion vorausgegangen, bei der noch einmal alle Argumente auf den Tisch kamen.

Durch die Entscheidung darf ein künftiger Groß-Möbelmarkt auf einer Fläche eines Drittels eines Fußballfeldes Porzellan, Haushaltswaren, Bestecke, Haushaltskleingeräte und Deko-Artikel verkaufen. Ohne die Sondergenehmigung des Rates wären nach dem aktuellen Einzelhandelskonzept nur 800 Quadratmeter für diesen Bereich erlaubt gewesen.

Insgesamt darf der Möbelmarkt, dabei ist unter anderem XXXL-Lutz im Gespräch, 25 000 Quadratmeter (dreieindrittel Fußballfelder) groß sein. Ursprünglich waren 33 000 Quadratmeter (fast viereinhalb Fußballfelder) vorgesehen.

SPD-Fraktionschef Tom Wedrins verteidigte die Entscheidung: Der neue Möbelmarkt habe etwas mit der Stadtentwicklung zu tun. Dabei konzentriere man sich auf den Sonderstandort Göttingen-West. Das Land lasse bewusst Ausnahmen bei der Größe der innenstadtrelevanten Flächen zu. „Wir sind nicht die einzigen, die Ausnahmen machen möchten.“ Aus Sicht der SPD ist die Verträglichkeit der Neuansiedlung mit Blick auf die innenstadtrelevanten Sortimente ausreichend geprüft. Wedrins berichtete mit Blick auf den Möbelmarkt von vielen Gesprächen mit Göttinger Bürgern: „So etwas fehlt uns. Wann können wir es endlich haben?“, sei ihm gesagt worden.

Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (CDU) kritisierte die Ungleichbehandlung verschiedener Akteure im Markt durch die Ausnahme beim Innenstadt-Sortiment für den neuen Möbelmarkt. „Damit legt man die Axt am Einzelhandelskonzept an“, sagt das Ratsmitglied. Gleichzeitig begrüßte er grundsätzlich die Ansiedlung eines Groß-Möbelmarktes.

Probleme mit der Gleichbehandlung sieht auch Felicitas Oldenburg (FDP). Das Einzelhandelskonzept sei erstellt worden, um für einen fairen Wettbewerb und einen Ausgleich zwischen den Standorten Innenstadt, Lutteranger und Kauf-Park zu sorgen. Kritik an der Position von SPD und Grünen kam auch von der Piraten/Partei-Ratsgruppe sowie den Linken.

Gegen die Größe für das City-Sortiment waren mehrere regionale Möbelhändler auf die Barrikaden gegangen. Axel Schwill, Chef der Bono-Gruppe, kündigte unmittelbar nach der Entscheidung des Rates an, dass er jetzt eine Klage prüfen lassen werde.

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