Einrichtungen in Universitäten

Räume der Stille nicht nur für Religionsgemeinschaften da

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Die Stille erleben: Räume wie dieser im „Blauen Turm“ am Zentralcampus der Universität Göttingen sollen für alle Studierenden und deren Gäste da sein. Sie sind nicht nur für spezielle Religionsgruppen gedacht, erklärte das Land gestern.

Göttingen. Mit einer gemeinsamen Empfehlung wollen die Hochschulen in Niedersachsen und das Wissenschaftsministerium Konflikte um die Nutzung von Räumen der Stille vermeiden.

Sie seien keine spezifisch religiösen Orte, stünden aber auch Angehörigen aller weltanschaulichen und religiösen Gemeinschaften offen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Die Hochschulen entscheiden eigenständig über die Einrichtung eines solchen Raumes, ein Anspruch auf die Bereitstellung besteht nicht.

Schließungen von Räumen der Stille in NRW

In der Vergangenheit waren vor allem an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen Räume der Stille geschlossen worden, nachdem Muslime sie für eigene Zwecke umfunktioniert hatten.

Niedersachsens Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne) sagte gestern: „Räume der Stille sind wichtige Orte der Entspannung und des Rückzugs. Die Neutralitätspflicht der Hochschulen macht es allerdings erforderlich, dass es Regeln für ihre Nutzung gibt.“ Die Empfehlung stelle sicher, dass die Räume allen Studierenden und Gästen offen stehen. Gegenseitige Rücksichtnahme, Offenheit, Respekt und Toleranz sowie Gleichberechtigung seien Voraussetzung eines gelingenden Miteinander. 

Keine Probleme in Räumen der Stille in Göttingen

In Niedersachsen gibt es auch an den Unis in Göttingen, Hannover und Oldenburg solche Rückzugsorte. In Göttingen hat die Georg-August-Universität am Zentralcampus im Erdgeschoss des „Blauen Turms“ Ende 2015 einen interkonfessionellen Raum der Stille eingerichtet. Beteiligt waren die fünf großen Konfessionen. Er kann von Studenten, Beschäftigten und Gästen genutzt werden, die Ruhe und Entspannung suchen, sich versammeln wollen und still beten möchten. Der Raum ist werktags von 9 bis 21.30 Uhr geöffnet und frei zugänglich.

Angeboten werden auch „Denk- und Kopfpausen“ mit Yoga in der Mittagszeit. Zudem können Veranstaltungen per E-Mail-Formular angemeldet werden, auch von nicht-religiösen Gruppen. Der Raum wird als sehr gelungen für den individuellen Rückzugs aus der Alltagshektik der Uni betrachtet, schildert Uni-Pressesprecher Romas Bielke. Zudem schätzten ihn alle religiösen Gruppen wegen der nicht-religiösen Ausgestaltung.

Beirat der Uni Göttignen kümmert sich

Bei Unstimmigkeiten während der Nutzung, so über die Definition von Stille, dann führt der Beirat Begleitgespräche, um eine konfliktfreie Nutzung zu gewährleisten. Der Beirat hat bis zu zwölf stimmberechtigte Mitglieder, darunter jeweils wenigstens ein Mitglied der Hochschullehrer-, der Mitarbeiter, der MTV- und der Studierendengruppe sowie wenigstens vier Mitglieder religiöser oder weltanschaulicher Vereinigungen.

Der Beirat hat ein Konzept entwickelt, wie Veranstaltungen um den Raum herum und im Raum gestaltet werden können, um den interreligiösen Diskurs zu stärken. Dazu sind Veranstaltungen geplant wie ein wissenschaftliches Symposium zum Begriff der „Stille“ in unterschiedlichen Kulturen. Darüber hinaus wollen die Beirat-Mitglieder mit den unterschiedlichen Nutzerinnen und Nutzern des Raumes der Stille ins Gespräch kommen, um Verständnis für unterschiedliche Kulturen und ihre religiösen Praktiken zu fördern. „Einen Raum der Stille muss man begleiten, man kann ihn nicht einfach nur bauen und zur Verfügung stellen. Er ist ein wichtiger Baustein in einer Diversitätsstrategie, die man aktiv gestalten muss“, sagt Romas Bielke.

Raum der Stille im Libeskind-Bau Lüneburg eröffnet

Vor Kurzem wurde im Libeskind-Bau der Leuphana-Uni in Lüneburg ein Raum der Stille eröffnet, der zum Austausch der Religionen anregen soll. An der Finanzierung hatten sich die Evangelische und Katholische Kirche sowie die Jüdische Gemeinde beteiligt. „Es ist keine Kapelle“, sagt Uni-Sprecher Henning Zühlsdorf.

Mit ihrem Raum der Stille möchte die Leibniz Uni Hannover „eine Gleichbehandlung der Bedürfnisse aller“ verwirklichen, sagte Sprecherin Mechtild von Münchhausen. Bislang sei es gut gelungen, die Interessen unter einen Hut zu bringen.

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