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Razzia in Göttinger Ortsteil: Ermittler spürten Zigaretten-Hehler-Bande auf

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Von: Heidi Niemann

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Gefälschte und geschmuggelte Zigaretten: Immer wieder gibt es spektakuläre Funde.
Gefälschte und geschmuggelte Zigaretten: Immer wieder gibt es spektakuläre Funde. (Symbolbild) © Holger Hollemann/dpa

Um Millionen gefälschte Zigaretten geht es in einem Prozess in Göttingen. Drei Männer stehen deshalb in Göttingen vor Gericht.

Göttingen – Eine Halle mit abgeklebten Fenstern und zahlreichen Euro-Paletten mit meterhoch gestapelten Kartons: Diese Szenerie bot sich mehr als 70 Beamten im Juli dieses Jahres bei einer Durchsuchung im Göttinger Stadtteil Holtensen. Die Razzia richtete sich gegen eine international operierende Bande, die sich auf die Herstellung und dem Vertrieb von gefälschten Zigaretten spezialisiert hat.

Insgesamt zwölf Millionen unversteuerte Zigaretten stellten die Fahnder damals sicher. Außerdem nahmen sie drei Männer im Alter von 27, 33 und 41 Jahren fest, diese kamen in Untersuchungshaft.

Jetzt haben sich die in unterschiedlichen Gefängnissen Inhaftierten vor dem Landgericht Göttingen wiedergesehen: Die drei aus Moldawien stammenden Männer müssen sich dort in einem Prozess wegen gewerbsmäßiger Steuerhehlerei und Verstoßes gegen das Markengesetz verantworten. Laut Anklage entsprechen die gefälschten Zigaretten einem Steuerschaden von mehr als zwei Millionen Euro.

Die drei Männer waren ins Visier der Ermittler geraten, nachdem die Göttinger Polizei im Mai 2022 bei einer Verkehrskontrolle 5700 Stangen unversteuerte Zigaretten entdeckt hatte. Der 33-jährige Fahrer des Transporters wurde im Oktober vom Amtsgericht Göttingen wegen gewerbsmäßiger Steuerhehlerei zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Nach Angaben eines Justizsprechers hat der Angeklagte gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Die drei jetzigen Angeklagten stammen eigenen Angaben zufolge alle aus dem gleichen Ort in Moldawien. Laut Ermittler hatten sie nicht nur die Lagerhalle nahe der A 7 angemietet, sondern auch zwei Zimmer in einem daneben liegenden Wohngebäude. Diese hätten sie als Unterkunft genutzt, sagte ein als Zeuge geladener Beamter vor dem Landgericht. In der Lagerhalle hätten sich 59 999 Stangen Zigaretten befunden, die keine Steuerbanderole hatten.

Alle Angeklagten hätten zwei Handys gehabt, sagte der Ermittler. Jeweils eines davon sei mit einer Verschlüsselungssoftware ausgestattet gewesen. Neben gewerbsmäßiger Steuerhehlerei wirft die Staatsanwaltschaft den Angeklagten auch einen Verstoß gegen das Markengesetz vor, da die Zigaretten mit einem nachgebildeten Logo der Firma Marlboro versehen waren.

Wie aber lässt sich die Echtheit von Zigaretten feststellen? Dazu hörte das Gericht einen per Video zugeschalteten Leiter einer Expertengruppe aus Tschechien, die sich auf forensische Untersuchungen von illegal produzierten Zigaretten spezialisiert hat. Auch die in Göttingen sichergestellten Zigaretten wurden von ihnen unter die Lupe genommen. Alle untersuchten Muster seien Fälschungen sagte der Experte. Dies zeige sich auch daran, dass bei der Herstellung eine andere Drucktechnik verwendet wurde. Außerdem sei auf allen Packungen der gleiche Echtheitscode aufgedruckt gewesen, dies verstoße gegen EU-Vorschriften. Die Zigaretten seien zudem nicht perforiert gewesen. Dadurch würden beim Rauchen die zulässigen Grenzwerte für die Inhaltsstoffe Teer und Nikotin überschritten.

Die Experten aus Tschechien verglichen auch die in Göttingen entdeckten Fälschungen mit anderen Zigarettenfunden auf demEU-Gebiet. Dabei stießen sie auf einige Übereinstimmungen – so bei einer Packmaschine. Diese Maschine ist offenbar immer noch in Betrieb: Erst Ende November sei in Rumänien ein mit gefälschten Zigaretten gefüllter Lastwagen aufgegriffen worden, die offenkundig ebenfalls aus derselben Quelle stammten wie der Göttinger Fund. Wo die Zigarette produziert werden, haben die Ermittler allerdings noch nicht herausbekommen. Der Prozess wird im Januar fortgesetzt.  pid

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