Reform bringt deutsche Uni-Kliniken und Krankenhäuser in Bedrängnis

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Riesenkomplex: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) muss sich wie andere Uni-Kliniken strecken, um nicht wieder in rote Zahlen zu rutschen. Weniger Entlastung als erwartet kommt aus dem Krankenhausreformpaket 2016.

Göttingen. Der Entwurf zur Krankenhausreform 2016 ist keine Therapie für kriselnde Krankenhäuser und Kliniken.

Zu diesem Ergebnis kommen der Vorstandssprecher der Universitätsmedizin Göttingen und die Leiter des Evangelischen Krankenhauses Göttingen-Weende. UMG-Vorstand Prof. Dr. Heyo Kroemer, der auch Präsident des Medizinischen Fakultätentages (MFT) ist, erwartet finanzielle Einschnitte für die Universitätskliniken. So drohten allein durch den Wegfall des Versorgungszuschlags den Uni-Kliniken ein Einnahme-Verlust von 75 Millionen Euro. Die genauen finanziellen Auswirkungen für die UMG seien aber derzeit „nur schwer abzuschätzen“.

Klar ist: Auch für Mehrleistungen erhalten die Uni-Kliniken in den nächsten fünf Jahren weniger Geld. So fordere die Politik, dass Uni-Kliniken Zentren wie zur Notfall- und Spezialversorgung bilden. „Das aber macht Mehrleistungen notwendig, die durch den neuen Gesetzesvorschlag finanziell sanktioniert werden – das passt nicht und ist nicht nachvollziehbar“, so Kroemer,

Uni-Kliniken brauchen Geld: Prof. Dr. Heyo Kroemer.

Gescheitert ist auch der Vorstoß der Verbände der Uni-Kliniken, einen Sondertopf vom Bund für die Grundfinanzierung zu bekommen. „Wir hätten uns gewünscht, dass die Kernaufgaben der Uni-Kliniken finanziell exakter abgebildet werden, so die Notfallversorgung, die Extremkostenfälle und die hochspezialisierten Zentren“, verdeutlicht Kroemer, der in einem HNA-Interview gesagt hatte: „Wir müssen als Maximalversorger vieles anbieten, was gar nicht kostendeckend laufen kann.“

So schreiben die meisten Uni-Kliniken trotz strikter Sparkurse tiefrote Zahlen, wie die Medizinische Hochschule Hannover (MHH), die 2013 ein Defizit von 30 Millionen Euro machte. Auch die UMG-Vorstände, die das Geschäftsjahr 2013 noch mit einer schwarzen Null abschließen konnten, haben sich schon auf neue Sparpakete eingestellt.

Bezogen auf die Gesamtsituation findet Kroemer klare Worte: „Die deutsche Hochschulmedizin braucht eine Verbesserung ihrer finanziellen Notlage jetzt und nicht erst in fünf Jahren.“ Immerhin werde darüber gesprochen.

„Weender“ bleibt unangetastet: Prof. Dr. Michael Karaus.

Gar als „Mogelpaket“ sehen die medizinischen und kaufmännischen Geschäftsführer des Weender Krankenhauses, Prof. Dr. Michael Karaus und Frank Czeczelski, das Reformpaket. „Unsere Erwartungen waren positiv, wir sind nicht zufrieden“, so Czeczelski. Die Krankenhausfinanzierung sei nun zu Ungunsten der Leistungserbringer und leider ganz im Sinne der Kostenträger angegangen worden.

Unter dem Strich werde sich die Politik des geplanten Bettenabbaus fortsetzen. Die politische Planung gehe dahin, Einrichtungen zu schließen, Betten zu reduzieren und Versorgungsaufträge zurückzunehmen. Das „Weender“ berühre das aber nicht: „Wir stellen uns aber der Verantwortung und werden sie nicht durch die weiter bestehende Unterfinanzierung in Frage stellen“, sagt Michael Karaus.

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