Göttingen: Kasseler kam, um krebskranken Kindern Mut zu machen

Regenbogenfahrer hält in Göttingen an

Stehen vor dem Mutperlen-Denkmal beim Elternhaus Göttingen: (Von links) Zweiter Vorsitzender Otfried Gericke, Regenbogenfahrer Nick Schäfer und Psychologe Moritz Brummer.
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Stehen vor dem Mutperlen-Denkmal beim Elternhaus Göttingen: (Von links) Zweiter Vorsitzender Otfried Gericke, Regenbogenfahrer Nick Schäfer und Psychologe Moritz Brummer.

Von Kassel bis Göttingen hat er in die Pedale getreten. Gegen Mittag ist er beim Göttinger Elternhaus für das krebskranke Kind. „Die Fahrt war gut“, sagt Regenbogenfahrer Nick Schäfer.

Göttingen/Kassel – „Den Göttinger Berg muss man mal mitgenommen haben“, sagt er. Der 22-Jährige will mit seinem Besuch krebskranken Kindern auf der Kinderkrebsstation der Universitätsmedizin Göttingen Mut machen.

„Als Kind nimmt man Krebs ganz anders wahr“, sagt Schäfer: „Dann denkt man nicht daran, dass es wieder besser wird.“ Schäfer bekam seine Diagnose kurz nach seinem dritten Geburtstag – Neuoplastom: ein bösartiger Tumor, der das Nervensystem befällt. „Meinen vierten Geburtstag habe ich im Krankenhaus gefeiert“, sagt er. Seine Eltern seien abwechselnd bei ihm gewesen. „Auch meine Großeltern waren damals wichtig für mich, da sich meine Eltern noch um meine Schwester kümmern mussten.“

Seit 2004 lebt er ohne Rückfälle ein normales Leben – fast. „Ich muss ein Hörgerät tragen“, sagt er: „Mein Gehör ist bei einer Therapie geschädigt worden.“ Trotzdem besuchte er eine normale Schule, ist nur ein Jahr später eingeschult worden. „Ich bin ganz gut durchgekommen“, sagt er und lacht. Zurzeit macht er eine Ausbildung zum Zerspanungstechniker.

Den Kindern auf der Kinderkrebsstation will er zeigen, dass es ein Leben nach der Krankheit gibt. „Ich bin für sie der Beweis, dass man ein normales Leben leben kann, wenn man das durchgestanden hat“, sagt der 22-Jährige. Außerdem hat er einen Beutel mit Regenbogenarmbändern, einem USB-Stick mit einer Videobotschaft und Mutperlen für die Kinder dabei. Letztere sammeln die Kinder an Bändern. Für jeden Schritt auf dem Weg zur Gesundheit fädeln sie eine weitere Mutperle auf ihr Band.

Auch in Kassel versucht er, krebskranken Kindern zu helfen. „Im Februar hatte ich gerade eine Gruppe gegründet, zu der Betroffene hätten hingehen können – doch dann kam Corona.“ Stattdessen fährt er zurzeit zum ersten Mal ganze Etappen für die Regenbogenfahrer. „2016 bin ich nur eine Teilestrecke mitgefahren“, sagt Schäfer. Von Kassel aus besucht er verschiedene Stationen, zum Beispiel in Hameln. Sein Ziel: Minden. Zudem hat er eine Etappe von Eisenach nach Jena hinter sich.

Die Regenbogenfahrer fahren seit 28 Jahren als Gruppe durch Deutschland und besuchen Kinderkrebsstationen. Wegen der Corona-Pandemie sind sie in diesem Jahr einzeln unterwegs. „Es ist schade, dass wir nicht zusammen fahren können, aber so erreichen wir 50 von 54 möglichen Kliniken in Deutschland“, sagt er. Das seien mehr als je zuvor. (Fabian Becker)

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