Region noch nicht reif für E-Busse: Infrastruktur fehlt

In Braunschwerg fährt ein E-Bus: Der Bus der Braunschweiger Verkehrs AG wurde im März 20ß14 in Dienst gestellt. Foto: dpa

Göttingen. Die Zukunft von Stadtbussen in Göttingen und der Region ist elektrisch. Das wurde beim Mobilitätstalk mit den Göttinger Verkehrsbetrieben im Sitzungssaal des Neuen Rathauses deutlich.

Zurzeit aber seien Göttingen und die Region Südniedersachsen mit dem E-Bus noch überfordert, wegen der aufzubauenden Infrastruktur. Das jedenfalls meint der niedersächsische Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen, Dr. Holger Kloth.

Mobilitätstalk: Referent Dr. Holger Kloth.

So müssten wegen der verwendeten Hochspannung ein anderes Werkstatt- und Ladesystem aufgebautwerden. „Die technische Entwicklung fängt gerade erst an.“ Außerdem seien E-Busse noch doppelt so teuer wie herkömmliche. Er erwartet, dass das Thema zwischen 2018 und 2020 reif sei.

Auch der fahrerlose Verkehr könnte eventuell schon diskutiert werden. Sein Rat: Inzwischen auf Göttingen und die Region zugeschnittene Konzepte entwickeln.

Der Geschäftsführer der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen, Raimund Nowak, forderte ebenfalls, Konzepte für Mobilität in Ballungsräumen und auf dem Land zu entwickeln Stichworte dafür seien nicht nur Elektrobusse sondern auch elektrischer Lieferverkehr, freies Parken für Elektroautos, autonomes Fahren, Elektrofahrräder und Radautobahnen sowie das Zusammenwirken alles Verkehrssysteme.

Mobilitätstalk: Referent Andreas Heuke.

Andreas Heuke vom Bushersteller Volvo erklärte, sein Unternehmen werde den ersten vollelektrischen Bus 2017 in Serie gehen lassen. Alternativen seien Hybridbusse und Plug-In-Hybridbusse. Volvo habe sich bei den vollelektrischen Bussen für die Schnellladung innerhalb von sechs Minuten entschieden. Eine Ladung reiche dabei für 20 bis 30 Kilometer. Das reiche für die Bedienung einer Linie.

Die Rechtsanwältin Andrea Obergöker verdeutlichte die rechtlichen Rahmenbedingungen und wies auch auf Fördermöglichkeiten für die E-Mobilität hin.

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass die Strategie weg vom Öl und hin zum E-Antrieb die Luftbelastung verringern und die Lärmbelastung senken werde. Der Geschäftsführer der Metropolregion Nowak griff dafür auf einen bildlichen Vergleich zurück: „E-Autos fahren ist wie Fleisch aus artgerechter Tierhaltung essen.“ (zhp)

Hintergrund: Elektrobusse in anderen niedersächsischen Städten 

Elektrobusse sind bereits in einigen niedersächsischen Städten unterwegs: In der Landeshauptstadt Hannover testet die Üstra den Einsatz von Elektrobussen. Dort stellte die Firma Solaris aus Posen (Polen) schon 2012 einen Testbus zur Verfügung. Der Zwölf-Meter-Bus würde etwa 750.000. Euro kosten. Seit 2015 werden bereits 36 Hybridbusse eingesetzt. Die Üstra setzt aber klar auf E-Busse: 2016 sollen die ersten drei Elektrobusse auf der Ringlinie 100/200 fahren. Die Busse kosten 600.000 Euro, etwa doppelt so viel wie ein Hybrid-Bus. Schneller ist Braunschweig: Die Verkehrs-GmbH hat bereits 2013 zwölf E-Busse bei Solaris bestellt. Seit Dezember 2014 sind Elektro-Gelenkbusse im Einsatz. (tko)

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