Forscher nahmen Deutschland unter die Lupe

Region-Ranking: Miese Noten für den Landkreis Göttingen

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Das Göttinger Kreishaus: Bei einem Ranking hat der Landkreis aktuell schlechte Noten bekommen.

Landkreis Göttingen. Die Fusion hat den neuen Großkreis Göttingen im Region-Ranking der Zeitschrift „Focus“ nicht nach vorne gebracht. Im Gegenteil: Er schneidet klar schlechter ab als in der Tabelle des Jahres 2015. 

Der Kreis Göttingen rangiert auf Platz 281 von 402 Kreisen. Rang 247 war es vor drei Jahren. Erstellt hat die „Bundesliga der Regionen“ der Kölner Regionalforscher Wolfgang Steinle. Er und sein Team beurteilten die Kreise nach fünf Kategorien: Wachstum und Jobs, Firmengründungen, Produktivität und Standortkosten, Einkommen und Attraktivität sowie Lebensqualität. Besser weg kommt der Landkreis Göttingen eher bei den weichen Faktoren: Platz 184 springt bei der Lebensqualität heraus, bei Einkommen und Attraktivität rangiert die Region auf Rang 172.

Aber: Obwohl Landrat und Wirtschaftsförderer immer wieder die Innovations- und Anziehungskraft Südniedersachsens öffentlich propagieren, sieht es laut dem Steinle-Team schlecht aus in den Bereichen Wachstum und Jobs (Platz 327) sowie Produktivität und Standortkosten (309).

Auch bei den Firmengründungen hinkt die Region – trotz der Forschungsstadt Göttingen – weit hinter Boomregionen wie Rosenheim, Bamberg und dem Gesamtsieger Landkreis München her.

Vertreter von Stadt und Landkreis wollten das Ranking-Ergebnis ungeprüft nicht voreilig kommentrieren, hieß es auf Anfrage. Schlecht positioniert sind auch die Nachbarkreise Northeim (364), Holzminden (290), Hildesheim (298), Hameln-Pyrmont (353) und in Hessen der Werra-Meißner-Kreis (360). Kassel rangiert auf Platz 137 und der Landkreis Kassel auf 193. Stark ist Kassel bei Firmengründungen (27).

Die am besten bewerteten Regionen kommen aus Bayern und Baden-Württemberg. Generell ist das Süd-Nord- und West-Ost-Gefälle groß.

Region-Ranking: Das sind die Kriterien

Fünf Kategorien haben Wolfgang Steinle und Kollegen für die "Bundesliga der Regionen" bewertet:

Wachstum und Jobs: Zentrale Kennzahlen sind Arbeitsplatzangebot und prosperierende Wirtschaft. Gemessen werden Bruttoinlandsprodukt/Einwohner und Arbeitslosigkeit – als aktuelle Werte und in der Entwicklung über Jahre.

Firmengründungen: Gewerbean- und abmeldungen werden registriert, ebenso Verfügbarkeit von schnellem Internet jenseits von 50 Mbit/s. Die Kategorie steht für die wirtschaftliche Aufbruchstimmung in der Region.

Produktivität und Standortkosten: Sagt etwas aus über die Wertschöpfung von Angestellten durch ihre Arbeit für die Region. Auch die Steuerbelastung der Betriebe fließt in die Bewertung ein.

Einkommen und Attraktivität: Höhe der Arbeitsentgelte und Haushaltseinkommen sowie Zu- und Wegzüge werden registriert. Lebensqualität: Einflussgrößen sind auch Sicherheit (Kriminalitätsraten), Nachwuchs, Gleichbehandlung bei Löhnen von Frauen und Männern, Altersarmutsrisiko und Umweltqualität (Trinkwasser).

Vergleich von Ranglisten: Fusion hat Plätze gekostet

2016 veröffentlichte das „Handelsblatt“ ebenfalls eine Bewertung der 402 deutschen Landkreise – also vor der Fusion der Kreise Göttingen und Osterode. Das verdeutlicht, warum der Großkreis Göttingen im aktuellen Focus-Ranking der Regionen im Vergleich zum vorherigen aus 2015 deutlich abgesackt ist.

Denn der Landkreis Osterode wurde in der letzten verfügbaren Beurteilung von den Prognos-Experten als die Nummer 366 von 402 eingeschätzt. Der „alte“ Landkreis Göttingen kam demgegenüber im „Zukunftsatlas“ auf einen starken Platz 79. 

Ganz bitter fiel das Urteil von Prognos für den Kreis Osterode bei der Demografie (Platz 386) und Innovation (396) aus. Bester Wert: in der Kategorie Wohlstand (200). Für den alten Landkreis Göttingen standen demgegenüber prima Werte beim Arbeitsmarkt (36), Dynamik (37) und Stärken (108). Schlechter sah es bei Wohlstand (209) und Innovation (172) aus. 

Laut Prognos landete der Landkreis Northeim 2016 auf Platz 292 und der Werra-Meißner-Kreis auf 280. Zum Vergleich „Focus“ setzt sie 2018 auf die Ränge 364 (Northeim) und 360 (Werra-Meißner-Kreis). Kassel lag bei Prognos 2016 mit dem Landkreis auf Platz 111 und der Stadt auf 145. Wobei die Stadt 

Kassel fast durchweg besser in einzelnen Kategorien bewertet wurde. Drastische Ausnahme: Wohlstand (369), wo der Kreis Kassel auf 142 kam und viele Pluspunkte verbuchte.

Zum Vergleich die Kassel-Werte beim Focus-Ranking 2018: Landkreis: 193, Stadt 137. Das sind die besten Werte der Region Nordhessen/Südniedersachsen.

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