Kreistag Hameln beschließt Projekt

Reichserntedankfeste der Nazis: Festplatz am Bückeberg wird Doku-Stätte

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Reichserntedankfest am Bückeberg bei Emmerthal im Kreis Hameln-Pyrmont: Dort ließ Hitler von 1933 bis 1937 auf einem von Albert Speer gestalteten Gelände das zentrale Fest feiern. Bald soll es zum Dokumentations- und Lernort werden.

Hameln. Der Kreistag in Hameln hat grünes Licht für den Bau einer Dokumentationsstätte am Bückeberg gegeben - dort ließ Hitler fünf Mal das Reichserntedankfest feiern.

Zum Reichserntedankfest zogen die Massen zum Bückeberg, am Hang flatterten Hakenkreuzflaggen an 1000 Masten im Wind. Wenn Hitler und andere NS-Größen wie Goebbels kamen, streckten sich ihnen hundertausende Arme zum Gruß entgegen. Heute grasen auf dem Gelände, das Hitler-Architekt Albert Speer gestaltet hatte, Kühe. Doch bald soll das es zur Dokumentationsstätte werden.

NS-Aufmarsch bei Hameln

Das Für und Wider sorgte nicht nur rund um den Bückeberg bei Hagenohsen für Diskussionen. Kaum eine Entscheidung des Kreistages Hameln-Pyrmont hat zuletzt für heftigere Diskussionen gesorgt. Denn der Boden am Bückeberg ist verseucht: Dort ließ Hitler von 1933 bis 1937 das Reichserntedankfest auch mit einer Waffenschau feiern. 

Bomber zertörten ein Schaudorf. 1937 sollen 1,2 Millionen Menschen dort gewesen sein, angekarrt in 215 Sonderzügen – eine der größten Massenveranstaltungen der Nazis. Allein die Tribüne fasste 3000 „Ehrengäste“. Hameln wurde so zum „Nürnberg des Nordens“.

Streit um Doku-Stätte am Bückeberg

Seit einem Jahr wird um die Doku-Stätte gestritten, die Gemeinde Emmerthal ist dagegen, mehr als 2000 Bürger und Anwohner unterschrieben ihr Nein. Wut kochte hoch. Der Kirchenkreis stellte einen Riss zwischen Befürwortern und Gegnern fest, der durch die Gemeinden gehe.

Die Mehrheit von SPD, Grünen, Linke und FDP im Kreistag jedenfalls brachte gestern das Projekt auf den Weg,Dabei ging es auch um die Finanzierung einer Gesellschaft, die das Konzept umsetzen soll.

Zuletzt hatte Landrat Tjark Bartels für die Sache geworben, die Wichtigkeit der Doku-Stätte betont. Seine Begründung ähnelte jener, die vom Verband Niedersächsischer Geschichtslehrer kam: Der betonte, dass „die Reichserntedankfeste damals für die manipulative Wirkung der NS-Ideologie auf viele Deutsche“ standen. Die Feste huldigten der bäuerlichen Idylle, sprachen also viele Menschen an.

Transportiert wurde aber vor allem das totalitäre Gesellschaftsideal der Nazis. Die Wortwahl zum Ort des Geschehens sprach für sich: Es sei „ureigenster deutscher Boden, germanisches Kerngebiet am deutschen Fluss Weser“.

Zeitzeugin erinnert sich an Reichserntedankfeste der Nazis

Ingrid Kopietz, geb. Schmidt, war ein Kind, als 1937 „unglaubliche Menschenmassen“ auch durch Hagenohsen am Südrand des 160 Meter hohen Hügels dorthin zogen, wo die NS-Größen „von einer Tribüne aus zu den Massen sprachen“. Die Rentnerin erinnert sich zwar intensiv, aber nicht gerne an die Jahre vor und während des Krieges mit den Bombennächten, die Angst und Tod nach Hameln brachten.

„Für junge Leute könnte es wichtig sein, an das Geschehen am Bückeberg erinnert zu werden“, sagt die 84-Jährige, die persönlich damit aber abgeschlossen hat – trotz der vielen Bilder im Kopf.

Fläche am Nordhang soll Doku-Stätte werden

Die 23 Fußballfelder große Fläche am Nordhang soll Dokumentationstätte- und Lehrort werden. 450.000 Euro sind veranschlagt für Wege, Sitzbänke und Inseln mit Info-Tafeln. Die Stiftung niedersächsicher Gedenkstätten will Geld geben, auch der Kreis, der auf Hilfe vom Bund hofft.

Wenn alles glatt geht, könne bald begonnen werden, sagt der Initiator, Projektleiter und Historiker Bernhard Gelderblom.

Manche aber wünschen sich, dass die Kühe dort weiter grasen. Und schon gar nicht, dass dort Neo-Nazis auftauchen, um ihren zweifelhaften Idealen zu huldigen.

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