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Göttinger Preisträger und Autor Beyer liest aus „71/72 - Saison der Träumer“

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Von: Melanie Zimmermann

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Historisches Foto von Franz Beckenbauer (links) und Günter Netzer nach dem Endspiel der 72er-Europameisterschaft.
Neue Fußballer-Generation, neuer Fußball: Franz Beckenbauer (links) und Günter Netzer zählten zur legendären 72er-Europameister-Elf. Hier nach dem Endspiel. © dpa/nh

Der renommierte Sportbuch-Autor Bernd-M. Beyer liest am Donnerstag, 2. Juni, im Literaturhaus. Es ist eine der seltenen Lesungen in seiner Heimatstadt.

Göttingen – Er zählt zu den renommierten Sportbuch- und Fußball-Autoren in Deutschland, hat zwei Mal das „Fußallbuch des Jahres“ geschrieben – und ist ein Göttinger. Lesungen mit Bernd-M. Beyer in seiner Heimatstadt aber sind rar. Am Donnerstag nun kommt Beyer in das noch taufrische Literaturhaus.

Im Gepäck hat Beyer dann sein prämiertes Buch „71/72 – Saison der Träumer“, in dem es um weit mehr als nur Fußball geht, sondern um ein bewegendes Jahr in der deutschen Nachkriegsgeschichte zwischen Hausbesetzung, Brandt-Misstrauensvotum, RAF, Vietnam und Bundesliga-Skandal.

Porträt des Göttinger Autors Bernd-M. Beyer.
„71/72 – Saison der Träumer“: Bernd-M. Beyer liest im Literaturhaus. © Privat/nh

Viele Autoren haben – zum Teil auch krampfhaft – versucht, die Verbindung zwischen Fußball, Musik und Politik herzustellen. Bernd-M. Beyer ist dieser Versuchung nicht erlegen. Er skizziert die aus seiner Sicht wichtigen wie in dieser Häufung einzigartigen Ereignisse der Jahre 1971 und 1972.

„Saison der Träumer“: Beyer schildert wichtige Ereignisse anhand Bundesliga-Saison

Beyer, der sagt, in dieser Zeit politisch sozialisiert worden zu sein, wählt für die chronologische Ordnung den Verlauf einer Bundesliga-Saison – mit 34 Spieltagen.

Den roten Faden bilden die von ihm gewählten Protagonisten: Der Fußballer Stan Libuda (Schalke 04) und der Musiker Rio Reiser (Ton, Steine, Scherben) – die sich ähnlicher waren, als viele vermuteten. Sie waren gleichwohl genial in ihrem spezifischen Können wie verletzlich als Menschen.

Libuda verwickelt in den Bundesliga-Skandal kam danach nicht mehr richtig auf die Beine und durchs Leben, starb früh. Rio Reiser beging Suizid.

Beyer erzählt von der Aufmüpfigkeit der Zeit, die auch Fußball-Persönlichkeiten wie Günter Netzer und vielmehr Paul Breitner verkörperten. „Die Fußballer redeten noch frei von der Leber weg“, so Beyer. In der Gesellschaft war damals viel Hass unterwegs. Auch, weil sich Ex-Nazis noch auf Funktionsposten im Fußball und als Juristen in Gerichten tummelten.

Die Fußballer redeten noch frei von der Leber weg.

Bernd-M. Beyer, Autor

Mit großartigem Fußball aber begeisterte 1972 auch die wohl spielerisch beste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten, wurde Europameister. Ein sportliches, fröhliches Fest und offenes Land sollten die Olympischen Spiele 1972 sein. Das fürchterliche Attentat auf israelische Sportler sorgte für eine Schockstarre – weltweit.

Die „Saison 71/72“ nach Spieltagen war damals im September schon beendet. Die herben Gegensätze in den hochintensiven Jahren aber hielten an. Bernd-M. Beyer wird darüber sprechen, im Literarischen Zentrum – mit Moderator Thomas Kopietz. (mzi)

Bernd-M. Beyer liest aus „71/72 – Saison der Träumer“, Literaturhaus, Donnerstag, 2. Juni, 20 Uhr. Karten: Vorverkauf 9 Euro/ermäßigt 5 Euro, Abendkasse 10 Euro/6 Euro.

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