Bauarbeiten am Dragoneranger

Renaturierung im Göttinger Norden: Zurück zur natürlichen Leine

Erdbewegungen: Steine und Erde werden massenweise bewegt, um die Leine nahe des Autobahnzubringers zu einem natürlichen Flusslauf werden zu lassen. Die Renaturierung läuft bis Dezember und kostet eine Million Euro.  
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Erdbewegungen: Steine und Erde werden massenweise bewegt, um die Leine nahe des Autobahnzubringers zu einem natürlichen Flusslauf werden zu lassen. Die Renaturierung läuft bis Dezember und kostet eine Million Euro.  

Seit Anfang vergangener Woche wird im Norden Göttingens die Leine renaturiert. Die Kosten für das aufwändige Projekt am Dragoneranger betragen eine Million Euro.

Göttingen – Zwischen den Brücken des Autobahnzubringers und der Eisenbahnstrecke nach Lenglern ist die Leine auf einer Länge von zwei Kilometern nicht mehr als ein monotoner Wasserabfluss-Kanal.

Bislang hatte hier der Hochwasserschutz absolute Priorität und die Gewässerbiologie das Nachsehen. Die Uferböschungen, an denen nur wenige große Bäume stehen, fallen steil ins Wasser ab. Verstecke für Fische gibt es nicht. Das führte dazu, dass von den 19 Fischarten, die hier lebten, nur noch fünf übriggeblieben sind.

Die Leine sei an dieser Stelle in den 1960er und 70er Jahren durch Umbauten in ihrer ökologischen Funktionsfähigkeit „stark beeinträchtigt worden“, sagt Jens Schatz, Geschäftsführer Leineverband. Der ist Eigentümer großer Flächen in dem Bereich und hat Pläne. So sollen sich nach Eingriffen standortgerechte Vegetationsstrukturen entwickeln können.

Das Entfernen der vorhandenen Steinbefestigungen am Ufer soll die Leine aus ihrem starren und kanalartigen Bett befreien. Durch den Einbau von Strömungslenkern aus Totholz wird eine eigendynamische Bewegung möglich, sodass neue Lebensräume auf natürliche Weise entstehen-

„Ziel ist die Reaktivierung von Auebereichen sowie die Verbesserung der Gewässerstruktur, damit sich wieder Tiere und Pflanzen ansiedeln können, die in und am Gewässer leben“, sagt Projektkoordinatorin Friderike Kutz vom Leineverband. Dazu werde das Profil des Flusslaufs erweitert und dafür 11 000 Tonnen Steine und 29 000 Tonnen Erdmaterial entfernt. „Das entspricht etwa 2000 Lastwagen-Ladungen.“

Ins Boot geholt hat man sich die Stadt Göttingen als Eigentümerin der übrigen Leineufer-Flächen am Dragoneranger. „Als Leineverband gibt es für uns eigentlich gar keinen Grund, so eine Renaturierung vorzunehmen“, betont Schatz. Allerdings sei man sich sehr bewusst, dass dadurch das Erleben der Natur gestärkt und so eine bessere Erholungswirkung für den Menschen erzielt wird. Zudem sei über mehr Retentions- und Überschwemmungsflächen mit einem verbesserten Hochwasserrückhalt zu rechnen.

Freude auf die „neue“ Leine: Am Flusslauf in der Nähe des Autobahnzubringers zur A7 im Bereich Dragoneranger hat die Renaturierung begonnen. Zu sehen sind von links: Leineverband-Geschäftsführer Jens Schatz, Bernhard Rulan (Planer) und Projektleiterin Friederike Kutz.

Das Land und die EU tragen über Förderprogramme etwa 80 Prozent der Baukosten – rund 800 000 Euro. Die übrigen 200 000 Euro zahlt die Stadt. „Als der Leineverband vor zwei Jahren mit der Idee auf uns zukam, waren wir begeistert“, sagt Gudrun Friedrich-Braun, Leiterin des Fachdienstes Stadtgrün und Umwelt. So trage man so zur Umsetzung der Ziele der EG-Wasserrahmenrichtlinie bei. Auch werde das Naherholungsgebiet deutlich aufgewertet.

Menschen, die das Gebiet zum Wandern oder Radfahren nutzen, brauchen sich keine Gedanken zu machen. „Sowohl der Fernradweg als auch die Fußgängerbrücke bleiben jederzeit geöffnet“, sagt Sebastian Schatz. Nur das gegenüber des Radweges liegende Ufergelände sei bis zum Ende der Arbeiten gesperrt – bis voraussichtlich Mitte Dezember. (Per Schröter)

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