Corona-Krise

Göttinger Kinder-Medizinerin über Impfungen: „Erwachsene müssen endlich was tun“

Kinder-Intensivstation: Die Lage in der Uni-Klinik Göttingen ist angespannt, aber die Versorgung gesichert.
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Kinder-Intensivstation: Die Lage in der Uni-Klinik Göttingen ist angespannt, aber die Versorgung gesichert.

Eine Kinder-Medizinerin schildert die aktuelle Situation auf der Intensivstation der Uni-Klinik Göttingen und äußert sich zu einer allgemeinen Corona-Impfpflicht.

Göttingen – Sie ist eine der renommierten Kinder- und Jugendmedizinerinnen im Land und sitzt im Präsidium in der angesehenen Akademie der Wissenschaften Leopoldina: Die Göttinger Uni-Medizin-Professorin und -Direktorin Jutta Gärtner ist erleichtert, „dass die Politik „nach unserer Kritik und auf die Forderungen schnell und inhaltlich reagiert hat. Das ist ja nicht selbstverständlich, ist aber sehr erfreulich.“

Zwölf Leopoldina-Wissenschaftler hatten mit einer Stellungnahme, die einem Aufschrei gleichkam und vor dem Hintergrund einer „erneuten, verschärften Eskalation der Covid-19-Krise“ massive Kritik auch an der Politik geäußert: So sei zu „befürchten, dass Teile der Politik und Öffentlichkeit die Dramatik der Situation nicht in vollem Ausmaß erfassen“, hieß es. Man habe sich auch an die täglichen Statistiken und Prognosen samt Todesfallzahlen gewöhnt.

Medizinerin aus Göttingen lehnt Corona-Impfpflicht für Kinder und Jugendliche ab

Nun aber hat die Politik in Bund und Ländern rasch die empfohlenen Maßnahmen „zwar nicht komplett, aber doch in vielen Punkten umgesetzt“, sagt Gärtner, vor allem bezüglich Impfen und Kontaktbeschränkungen.

Letztere seien das Mittel der Wahl, um schnelle Infektionsreduzierungen hinzubekommen. Laut Gärtner helfe das Erhöhen der Impfquote mittelfristig, vor allem aber perspektivisch. „Wir müssen schnell impfen. Wir müssen mehr Menschen zum Impfen bekommen, jenseits der 85 Prozent.“ Sie fordert deshalb eine Impfpflicht – „nicht aber für Kinder und Jugendliche“.

Warum? „Weil jetzt die Erwachsenen an der Reihe sind, mit einer hohen Impfquote dafür zu sorgen, dass es weniger Infektionen und damit Erkrankungen gibt“. Denn für Gärtner sind es die Erwachsenen, die die Hauptschuld daran tragen, dass sich Kinder und Jugendliche in Kitas und Schulen infizieren. „Nicht die jungen Menschen sind die Pandemietreiber. Deshalb müssen die Erwachsenen endlich etwas tun.“

Die Kinder-Medizinerin Prof. Dr. Jutta Gärtner aus Göttingen.

Medizinerin warnt: Corona-Lage auf Kinder-Intensivstation in Göttingen angespannt

Auswirkungen hat das Infektionsgeschehen auch auf das Geschehen in den Kliniken, so der Universitätsmedizin Göttingen, wo sich die Situation stetig verschärft – nicht nur auf den Corona-Stationen und um die Intensivbetten. „In der Kindermedizin ist die Situation bei uns seit Wochen angespannt“, schildert die Direktorin. Zum Glück sind es nur wenige junge Covid-Patienten, die dazu beitragen – die zwei Corona-Betten seien ausreichend –, sondern die Pandemieauswirkungen insgesamt, wie der Personalmangel aufgrund von Quarantänemaßnahmen, auch für Schul- und Kita-Kinder.

„Unsere Mitarbeiter müssen dann ihre Kinder zu Hause betreuen, fehlen in der Klinik.“ Auch setzt das grippale RS-Virus der Klinik zu, in die momentan viele Patienten von niedergelassenen Ärzten (wir berichteten) eingewiesen werden. „Auch diese Kinder haben starke Atemschwierigkeiten und brauchen unsere Unterstützung“, so Gärtner. „Wie gesagt: Die Belastung auch in unserer Klinik ist – wie in der gesamten UMG – hoch. Wir leiden unter der Pandemie.“

Deshalb steht Jutta Gärtner wie die anderen elf Leopoldinamitglieder, darunter auch Christian Drosten, Ex-UMG-Vorstand und Charité-Chef Heyo Kroemer sowie UMG-Kollegin Claudia Wiesemann, hinter Beschränkungen bei Kontakten und Anlässen wie Großveranstaltungen. „Wir müssen diesen Weg gehen“, betont Gärtner. Unterschätzt habe man in Wissenschaftskreisen die vierte Welle und Entwicklung der Pandemie jedenfalls nicht. (Thomas Kopietz)

Eine aktuelle Studie zeigt, wie gut die Corona-Impfstoffe bei Kindern und Jugendlichen wirken. Eine Zulassung für die Corona-Impfung für Kinder ab fünf Jahren könnte noch vor Weihnachten kommen.

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