Jährlich sollen Rat vier Baugebiete vorgeschlagen werden

Revolutionäres Konzept: SPD will Wohnungsbau in Göttingen beschleunigen

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Beispiel für schnelles, effizientes Bauen in Stadtnähe: Wohnanlage für Geflüchtete an der Europaallee am Holtenser Berg.

Göttingen. In Göttingen werden bis 2025 mehrere tausend Wohnungen fehlen. Ein „Bündnis für Wohnen“ soll helfen, das dringlichste Problem der Stadt in den Griff zu bekommen.

Ziel ist, Wohnraum zu schaffen. Die Idee kommt aus dem SPD-Haus.

Der Polier in der Baukolonne der SPD soll Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler sein – ein bauerfahrender Mann, der lange Geschäftführer der Städtischen Wohnungsbau GmbH war. Aber auch die Bürger sollen gedanklich dabei sein, schon früh, also vor den öffentlichen Beteiligungsverfahren, über konkrete Projekte und Vorhaben informiert werden.

Warum Bündnis Wohnen

Bis 2021 sollen, ja müssen laut SPD 200 Wohnungen gebaut werden. Dafür reichen bislang weder die Planung, noch unterstützende Mittel aus, auch, weil der Stadt durch das Entschuldungsprogramm die Hände gebunden sind. Auch öffentliche Förderungen von Land und Bund genügen nicht, um ehrgeizige Wohnungsbauziele zu erreichen. Aufgrund des Wohnungsproblems darf es laut SPD keinesfalls zu Umschichtungen und Kürzungen in anderen Etats kommen. Deshalb müsse man gegensteuern.

Breit aufgestelltes Team

Die Baumannschaft will die SPD breit aufstellen: Ständig mit zupacken sollen auch Vertreter der Städtischen Wohnungsbau, der Göttinger Wohnungsgenossenschaft (WG), der Volkheimstätte, des Mieterbundes Göttingen, von Haus und Grund sowie aus dem Sozial- und Baudezernat der Stadt. Zudem soll es offen sein für Unternehmen der Wohnungswirtschaft sowie für „institutionelle Anleger“, wie es in einem Papier von SPD-Stadtratsfraktion und SPD Stadtverband heißt, das von Tom Wedrins und Christoph Lehmann gezeichnet ist.

Experten dazu holen

Zu Beratungen sollen auch Vertreter von Handwerk und Bauindustrie, Architekten und Fachingenieure, Bankinstituten und der Politik hinzugezogen werden.

Doch wie soll es vorangehen? Auch dafür zeigt das SPD-Papier eine Strategie auf.

Planung

Zunächst sollen „verschüttete Planungskapazitäten“ ausgegraben werden – auch mit Hilfe eines ständig aktualisierten Baulückenkatasters. Das soll helfen An-, Aufbauten und Umnutzungen von Gebäuden zu schaffen. Kernpunkt ist, dass dem Rat jeweils im September acht Baugebiete benannt werden, für die dringlich Baurecht her soll. Jeweils im November soll über diese Liste in Fraktionen und im Rat abgestimmt werden. Ein ehrgeizig-strammer Zeitplan. Formuliertes Ziel ist demnach: jährlich mindestens vier Baugebiete – nicht Einzelgrundstücke – auszumachen und dem Rat vorzulegen.

Sozialer Wohnungsbau

Der soziale Wohnungsbau soll gefördert werden durch die Vergabe von Erbbaurecht und den Verkauf von Stadtgrundstücken zum günstigen Pachtzins oder Teilverzicht des Kaufpreises. Der Bauherr muss dann mindestens die Hälfte der Wohnungen in einem Objekt als Sozialwohnungen anbieten.

Schnellere Prozesse

Das Planen und Bauen soll schneller gehen. Für die SPD muss ein neues, klares Regelwerk her, das die Planungsprozesse vereinfacht und somit beschleunigt. Bei Grundstücksverkäufen könnte so das Instrument Konzeptausschreibung genutzt werden. Dabei sieht die SPD auch das Baudezernat in der Pflicht: Es müsse jede Bauanfrage innerhalb von vier Wochen beantworten und dafür entsprechend ausgestattet werden.

Weniger Kosten

Bauen muss billiger werden, meint die SPD. Aufgabe des Bündis sei deshalb, „bestehende Spielräume zu nutzen“, um das möglich zu machen. So könnte Baugrund „intensiver ausgenutzt werden“, sprich verdichteter gebaut werden – aber nur mit Rücksicht auf bestehende Wohnviertel und -gebiete.

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