Logistisch schwierig

Riesiges Skelett: Uni Göttingen hat wegen Umbau Problem mit dem Wal

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Bevor er die Wirbel aus dem Wal-Skelett herauslösen kann, muss Präparator Carsten Wortmann zunächst die Bandscheiben aus Schaumstoff und Modelliermasse entfernen.

Göttingen. Wie zieht man mit einem 17 Meter langen Wal-Skelett um? Vor dieser Herausforderung stehen die Mitarbeiter des Zoologischen Museums in Göttingen.

Das Wal-Skelett ist die größte Attraktion der Zoologischen Sammlungen der Universität Göttingen. Es stammt von einem Pottwal, der im Januar 1998 vor der Nordsee-Halbinsel Nordstrand verendet war. Die Göttinger Wissenschaftler hatten damals den größten der insgesamt drei gestrandeten Pottwal-Bullen zerlegt und rund 40 Tonnen Fleisch und Speck vom Skelett abgetrennt.

Anschließend präparierten sie die mehr als 150 Knochen mit großem Aufwand und in setzten sie in mühsamer Puzzle-Arbeit zusammen. Jetzt müssen sie alles wieder auseinanderbauen: Die Universität baut das Gebäude um. Der Wal und etwa 100.000 weitere präparierte Tiere müssen ausgelagert werden.

Die Universität will in dem Institutsgebäude der Zoologie einen zentralen Ausstellungsort für seine zahlreichen akademischen Sammlungen schaffen. Parallel dazu sollen auch die Ausstellungs- und Depoträume der zoologischen Sammlung saniert und ausgebaut werden.

Stützgestell für Skelett des Wals

Mit dem Abbau des Wal-Skeletts sind Kustos Gert Tröster und Präparator Carsten Wortmann beschäftigt. Sie haben damit begonnen, die mehr als 40 aufgefädelten Wirbel von dem Gestell abzulösen. Danach kommen die 13 Rippenpaare dran. Damit beim Zerlegen des Skeletts nicht alles zusammenkracht, mussten sie vorher ein Stützgestell installieren.

Wie kriegen wir den hier raus? Kustos Dr. Gert Tröster unter dem rund fünf Meter langen und 1200 Kilo schweren Schädel.

Das größte logistische Problem wird der rund 1200 Kilogramm schwere Schädel sein. „Der muss wieder durch die Wand“, sagt Präparator Wortmann. Auch der Unterkiefer lässt sich nicht mal eben einfach in einen Umzugskarton packen – er ist viel zu lang und viel zu schwer: „Ich hebe den nicht hoch“, lacht Wortmann. In drei Wochen wollen die Experten den Wal auseinandergebaut haben. Dann muss wieder ein Kran ran.

Die Sammlungen des Zoologischen Museums der Universität Göttingen gehen auf das 1773 gegründete Akademische Museum zurück. Es war damals europaweit die erste Einrichtung dieser Art. Mehr als 140.000 Objekte, darunter zahlreiche Raritäten, befinden sich in der Sammlung.

Die Universität will die zeitweilige Auslagerung der Exponate nutzen, um möglichst viele Objekte zu digitalisieren. Nach dem Umbau soll das Zoologische Museum sowohl biologisches Wissen vermitteln als auch moderne Biodiversitätsforschung ermöglichen.

Panne beim Transport von der Nordseeküste nach Göttingen

Als die Wissenschaftler das Wal-Skelett im Januar 1998 von der schleswig-holsteinischen Nordseeküste nach Göttingen transportierten, gab es eine Panne: Weil die 4,30 Meter breite Fluke – die Schwanzflosse des Wals – zu weit aus dem Container herausragte, wurde im Elbtunnel die Höhenkontrolle ausgelöst, sodass der Verkehr für eine Weile lahmgelegt war. 

In Göttingen wurden die Knochen dann in Wässerungscontainer umgebettet und monatelang gewaschen, gekocht und entfettet. „Insgesamt haben wir damals 750 Kilo Waschpulver verbraucht,“ erzählt der Kustos der Sammlung, Dr. Gert Tröster. 

Die meisten Probleme bereitete der Schädel: Da der fünf Meter lange tonnenschwere Schädel nicht durch das Treppenhaus passte, musste eine 15 Quadratmeter große Öffnung in die Außenmauer des Gebäudes gebrochen werden, um den Koloss mit einem Autokran in den zweiten Stock hieven zu können.

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