Roadmap einer Straßendirne: Rotlicht auf der Leinwand

Filmemacherin: Petra Dombrowski arbeitet mit „Roadmap einer Göttinger Straßendirne“ die Geschichte ihrer Urgroßmutter auf. Foto: Schlegel

Göttingen. Ein Stück ihrer Familiengeschichte arbeitet Petra Dombrowski mit ihrem Film „Roadmap einer Göttinger Straßendirne“ auf. Am 12. Juli ist Premiere.

Vor sechs Jahren hat Petra Dombrowski (51) von einem Familiengeheimnis erfahren. Ihre Urgroßmutter Minna L. hat um die Jahrhundertwende als „eingeschriebene Prostituierte“, damals „Kontrolldirne“ genannt, in Göttingen gearbeitet. Seitdem forscht die Kreative in der eigenen Familiengeschichte.

Nach wenigen Tagen bekam sie im Juli 2009 einen Brief aus Göttingen. Darin war zu lesen, dass die Urgroßmutter Dirne war. „Ich war überrascht, aber nicht entsetzt“, sagt die Filmautorin. Schließlich fasste sie den Entschluss, alles über die Urgroßmutter zu erfahren. Schon einen Monat später recherchierte Dombrowski im Göttinger Stadtarchiv. „Zunächst war fraglich, ob ich etwas finden würde.“

Aber es gab einen glücklichen Zufall: In einem Buch über die sittenpolizeilichen Untersuchungen, die Anfang des 20. Jahrhunderts jede Woche in einem Hospital am Waageplatz stattfanden, tauchte die Urgroßmutter tatsächlich auf. „Das hat meine Schnüffelnase aktiviert.“

Genanalysen

Durch Genanalysen und durch den Abgleich von Meldekarten und Kirchenbüchern konnte die gelernte Designerin die eigene Familiengeschichte weiter erhellen. So hat sie ihren Urgroßvater gefunden, der in Göttingen als Selbstständiger gearbeitet hat. Er hatte mit der Straßendirne Minna L., deren Geschichte im Film erzählt wird, ein uneheliches Kind - Dombrowskis Großmutter Emmi.

„Die Geschichte meiner Urgroßmutter ist so einzigartig, dass sich die Verfilmung lohnt“, sagt die Filmemacherin. Fast ein Jahr arbeitete die Autorin, die am Ammersee in Bayern wohnt, an der Realisierung des Projektes. Dabei griff sie lediglich auf einen handelsüblichen Apple-Computer, der ordentlich aufgerüstet wurde, sowie Profi-Programme zurück. Außerdem kam eine professionelle Spiegelreflexkamera mit entsprechenden Objektiven zum Einsatz. „So lassen sich heutzutage mit überschaubaren finanziellen Mitteln professionelle Kinofilme produzieren. Daran war vor Jahren nicht zu denken“, sagt die Künstlerin. Unterstützung bei dem Projekt gab es zudem vom Fachdienst Kultur der Stadt Göttingen, von der Kultur- und Denkmalstiftung der Stadt Northeim sowie vom Geschichtsverein Göttingen.

Ein Teil der Recherchen sind auch in eine besondere Stadtführung eingeflossen, die ebenfalls den Titel „Roadmap einer Straßendirne“ trägt. „Die Stadtführung möchte ich demnächst wieder anbieten. Ich glaube, dass das nach der Filmpremiere von großem Interesse sein könnte.“ Weitere Infos gibt es auf Facebook.

http://zu.hna.de/minna15

Filmpremiere am 12. Juli im Göttinger Kino Lumière

Der Film „Raodmap einer Straßendirne“ hat am Sonntag, 12. Juli, im Göttinger Lumière Premiere. Beginn ist um 20 Uhr.

Eine weitere Vorstellung gibt es am Dienstag, 14. Juli, um 18 Uhr in dem Kino. Zu einem späteren Zeitpunkt soll der Streifen auf DVD erscheinen.

Der Film hat eine Länge von etwa 60 Minuten und arbeitet mit Rückblicken mit animierten Illustrationen sowie Interviews. Petra Dombrowski führt durch den gesamten Film und nimmt den Zuschauer auf eine Zeitreise durch das Göttinger Rotlichtmilieu zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Im Film sind mehrere Schauspieler des Theaters im OP zu sehen. Kerstin Börst, Monika Giro, Lena Aust, Maren Sartorius, Sebastian Braatz, Heiko Teigelkötter, Andreas Müller, Anneli Westphal, Hermann Miotke, Christia Becker, Gudrun Stutz, spielen unter anderem die Prostituierte Minna L. und ihr Umfeld. „Sie haben mich fantastisch unterstützt.“ Als Kameraleute fungierten Jürgen Jenauer sowie Thomas Klawunn. Als Off-Sprecher ist zudem Jan Reinartz zu hören, der Kommissar H. spricht. Mit dabei ist zudem die Laienspielgruppe Hevensen mit Maria und Wilfried Töpperwein, Heike Weiß und Hermann Miotke, der auch die Requisiten stellte.

Karten für die Vorstellungen können unter Tel 0551/484523 reserviert werden. (bsc)

www.lumiere.de

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