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Rosdorf: Erinnerungsweg für den 1991 von Nazis ermordeten Alexander Selchow

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Von: Kim Henneking

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Gedenktafel: Sie wurde von Karsten Knigge angebracht.
Gedenktafel: Sie wurde von Karsten Knigge angebracht. © Kim Henneking

Alexander Selchow wird 1991 in Rosdorf bei Göttingen von Nazis ermordet. Nun erinnern Gedenktafeln im Ort an ihn und seine Geschichte.

Rosdorf – Ein Erinnerungsweg für den Rosdorfer Alexander Selchow ist mit etwa 80 Teilnehmern eröffnet worden. An zehn Standorten im Ort erinnern nun Gedenktafeln an den 1991 ermordeten jungen Mann.

Per QR-Code können Besucher vor Ort Videos aufrufen, in denen Familie und Freunde an ihn erinnern. So soll der Mensch und die Gewalttat nicht in Vergessenheit geraten.

In Rosdorf erinnern Gedenktafeln an den 1991 ermordeten Alexander Selchow

Ein Jahr lang hat eine Gruppe aus Rosdorfer Politikern und Bürgern die Geschehnisse rund um Alexander Selchows Tod in der Silvesternacht 1990/1991 aufgearbeitet. Damals war der 21-jährige Antifaschist auf seinem Heimweg von zwei Rechtsextremen mit einem Messer angegriffen worden und starb an seinen Verletzungen im Krankenhaus.

„Wir möchten rechte Gewalt sichtbar machen“, erklärte Projektleiter Karsten Knigge bei der Einweihungsfeier im Familienzentrum. Das Projekt sei ein Versuch, neonazistische Morde als Teil einer Erinnerungskultur zu denken. Es sei wichtig, jede Form von Gewalt zu benennen und sich dagegen auszusprechen, sagte Benjamin Menge, Mitglied der Arbeitsgruppe.

Die beiden Landtagsabgeordneten Pippa Schneider (Bündnis 90/Die Grünen) und Christian Frölich (CDU) mit Gedenktafeln in ihren Händen.
Die beiden Landtagsabgeordneten Pippa Schneider (Bündnis 90/Die Grünen) und Christian Frölich (CDU) wollen sich auf Landesebene für die Anerkennung des Mords als politisch motivierte Tat einsetzen. © Kim Henneking

Nach 30 Jahren können sich nur noch die Rosdorfer an Alexander Selchow erinnern, die ihn selbst gekannt haben. Damit auch die nächste Generation die Gewalttat nicht vergisst, wurden Abiturienten in das Projekt einbezogen.

Die jungen Menschen, die heute etwa im selben Alter sind wie Alexander Selchow damals war, zeigten sich emotional von den Zeitzeugen-Interviews berührt. „Wie viel Gewalt die Norm war, hat mich geschockt“, sagte eine Teilnehmerin. Eine andere sagte, sie habe mit den Zeugen geweint.

Die daraus entstanden Videos sind fünf bis 30 Minuten lang und können per Smartphone an den Gedenktafeln im Ort angesehen werden. Sie befinden sich am Grab von Alexander Selchow, am Tatort in der Friedensstraße, an der Bushaltestelle Spickenweg, am ehemaligen Jugendtreff Rischenweg, an der Rückseite des Rewe-Marktes, am Gemeindezentrum, am Jugendzentrum Am Plan, am Kriegerdenkmal, am ehemaligen jüdischen Friedhof und der Grillhütte am Wartberg. Die Videos sind auch unter alexander-selchow.de abrufbar.

Landtagsabgeordnete nehmen Unterschriftenlisten entgegen

Während der Einweihungsveranstaltung wurden auch erste Unterschriftenlisten der Rosdorfer Erklärung an die beiden Landtagsabgeordneten Pippa Schneider (Die Grünen) und Christian Frölich (CDU) überreicht. Damit fordern die Projektbeteiligten, den Mord als politisches Verbrechen anzuerkennen. Bisher gilt er als Beziehungstat.

Christian Frölich hatte die Silvesternacht 1990/91 selbst in Rosdorf gefeiert und war geschockt, am nächsten Morgen von dem Mord zu erfahren, wie er berichtete. „Dann verschwand dieses Verbrechen in der Rosdorfer Geschichte. Deswegen finde ich es so toll, dass sich eine Gruppe gefunden hat, die es aufarbeitet.“

Pippa Schneider ergänzte: „Die aktuellen Drohbriefe von NSU 2.0 an die Ditib-Gemeinde und die jüdische Gemeinde Göttingen zeigen, wie wichtig dieses Engagement ist.“ Die neugewählten Landtagsabgeordneten wollen sich nun für die Erklärung in Hannover einsetzen. Und: Die Erklärung kann weiterhin unterschrieben werden.

Weitere Informationen unter alexander-selchow.de

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