In 400 Millionen Kilometern Entfernung

Rosetta-Party im Max-Planck-Institut: Philae ist gelandet

Göttingen. Der Adler ist gelandet, meldeten die Apollo-11-Astronauten 1969 nach der ersten Mondlandung. „Philae ist auf der Oberfläche des Kometen“ lautete die nüchterne Vollzugsmeldung von Verantwortlichen der Rosetta-Mission im Darmstädter ESA-Kommandozentrum.

Um 17.04 Uhr traf dort am Mittwoch das Funksignal der Landefähre Philae vom Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko aus einer Entfernung von mehr als 400 Millionen Kilometer und genau 28 Minuten nach dem „Touchdown“ und dem blitzschnellen Ausfahren der Harpunen-Beine ein.

Im Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) hatten zuvor 1000 Zuschauer gebannt auf die Großleinwände und in die Gesichter der Missions-Verantwortlichen geblickt. So lange, bis dort – endlich – ein Lächeln zu sehen waren: Jubel in Darmstadt und Göttingen.

Zuvor herrschte lange Ungewissheit: „Es wird weltweit gelauscht“, sagte Dr. Harald Steininger vom MPS. Rund um den Erdball, ob in den USA, in Australien und Spanien hatten Antennen versucht, die Rosetta-Signale zu erhaschen. Davon hing letztlich Gedeih und Verderb der wissenschaftlichen Mission ab.

Aktualisiert um 19.16 Uhr

Noch am Mittag hatte die ESA die Chancen auf eine erfolgreiche Landung mit 50:50 benannt. Optimismus geht anders. Um 17.04 Uhr, sieben Stunden nach dem Abkoppeln vom Orbiter, aber waren alle Zweifel zerstreut. „Das ist ein großer Moment für die Wissenschaft“, sagte Harald Steininger. Und das, obwohl längst nicht klar war, ob es Messergebnisse geben wird.

Hunderte verfolgten Landung gebannt

1000 Zuschauer verfolgten Rosetta-Mission im Max-Planck-Institut

Das kühlschrankgroße Labor soll unverzüglich mit der Arbeit beginnen, denn die Versuche und Analysen von Staub, Gestein und Gasen müssen schnell vonstatten gehen. „Die Batterien reichen für drei Tage, bis dahin müssen alle Daten gesammelt und zum Orbiter Rosetta gesendet worden sein“, sagt Steininger, der an einer der bedeutensten Aktionen beteiligt ist: Das von ihm mit betreute Gerät „Cosac“ sucht nach organischen Molekülen auf dem Weltall-Fossil „Tschury“. Die Moleküle sollen später Rückschlüsse auf die Entstehung unseres Sonnensystems erlauben.

Wo genau der Landeplatz von Philae auf dem Kopf des entenähnlichen Kometen-Körpers liegt, ist noch nicht bekannt, wie MPS-Sprecherin Birgit Krumheuer sagt.

Im ESA-Kontrollzentrum jedenfalls war der Jubel riesig und es kam sogar Euphorie unter den kühlen Wissenschaftlern auf: Manche, wie ESA-Generaldirektor Jean-Jaques Dordain, verglichen die Bedeutung mit der Apollo-11-Mond-Mission. Aber: Rosetta könnte weitaus mehr harte Daten als Apollo liefern und helfen, den Ursprung unseres Sonnensystems zu ergründen. (tko)

www.mps.mpg.de

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