Tränen, Umarmungen und immer wieder "Danke": Göttinger Lebensretter besucht Unfallopfer

Lebensretter trifft Gerette: Marc Sieck (Mitte) aus Adelebsen hat am späten Samstagabend Anna-Lena Heinrich an der A 7 bei Göttingen-Nord aus ihrem brennenden Auto gerettet. Jetzt besuchte er sie mit seiner Verlobten Yvonne Blänkner (links) in der Universitätsmedizin Göttingen. Rechts im Bild: Mutter Nicola Bremer. Foto: Kopietz

Göttingen. Am Samstag hatte Marc Sieck aus Adelebsen die Moringerin Anna-Lena Heinrich aus ihrem brennenden Auto gezogen. Heute trafen sich Lebensretter und Gerettete.

Zunächst fehlen die Worte: Umarmungen, Tränen, als die 23-jährige Anna-Lena aus ihrem Bett im Uni-Klinikum aufsteht und Marc Sieck in die Arme nimmt. „Danke“, sagt sie leise. Mehr geht in diesem Moment nicht. Anna-Lenas Mutter Nicola Bremer ist überwältigt, sie umarmt Sieck lange. „Danke, Sie haben meiner Tochter ein zweites Leben geschenkt – ich bin unendlich dankbar.“ Nach einer Weile sagt sie: „Darf ich Sie noch einmal umarmen?“ Sie darf und entschuldigt sich, dass ihr die Worte für ein Dankeschön fehlen. Marc Sieck und seine Verlobte Yvonne Blänkner haben Tränen in den Augen. „Ein Danke, das ist genug.“

Die beiden freuen sich einfach nur, „dass es Dir gut geht und Du bald wieder fit bist“, wie Yvonne sagt, für die die Begegnung ein „sehr emotionales Erlebnis“ ist. Bis zur Gesundung werden noch Wochen vergehen, denn die Prellungen, die Anna-Lena erlitten hat, sind schmerzhaft. „Ich brauche ein wenig Zeit.“

Arbeiten wird die Bäckerin 2016 nicht mehr. Dann bleibt ihr zunächst auch die Fahrt vom Wohnort Moringen vorbei an der Unfallstelle nahe der A-7-Abfahrt Göttingen-Nord nach Rosdorf erspart.

Das Fahren werde ihr nicht so leicht fallen, sagt die junge Frau nachdenklich. „Wir werden sie anfänglich begleiten“, ergänzt ihre Mutter Nicola Bremer. „Ich hatte ihr mit auf den Weg gegeben: Pass auf Dich auf!“, sagt Bremer nachdenklich. Anna-Lena hatte aufgepasst. Ihr nun völlig zerstörter Chevrolet-Kleinwagen wurde von einem roten Polo plötzlich geschnitten.Anna-Lena wich aus, ihr Wagen kam ins Schleudern, landete auf einem Feld, fing dort Feuer. „Ich habe noch jede Sekunde im Gedächtnis“, sagt sie im Krankenbett liegend. „Auch, dass Du mich angeschrien hast“, schmunzelt sie in Richtung des Retters, der sie mit Anna-Lenas Taschenmesser aus dem Gurt geschnitten hatte.

„Sie hat alles richtig gemacht“, schildert Sieck. Eine Aussage, die wichtig für das Unfallopfer ist. Eine Schuldfrage muss sie sich nun nicht mehr stellen. Der Unfallverursacher aber hat sich nicht gemeldet, nachdem er weitergefahren war. „Er hat alles sehen können.“ Und das macht Marc Sieck wütend, aber auch die Eltern von Anna-Lena. „Es wäre wichtig, wenn er gefasst würde“, sagt Martin Bremer, der als Berufskraftfahrer arbeitet und „täglich erlebt, welcher Unsinn auf der Straße veranstaltet wird“. Das schlechte Beispiel des Unfallflüchtigen dürfe keine Schule machen, sagt Bremer. „Das mutige Verhalten von Herrn Sieck, der selbstlos funktioniert hat, aber sollten sich alle zum Vorbild nehmen“, ergänzt seine Frau. Sie freut sich unbändig darüber, dass Marc ihre Tochter aus dem brennenden Auto befreit hat: „Wir können Weihnachten richtig feiern.“ Die Verbindung zu Marc Sieck und Yvonne Blänkner wird bleiben: Zusammen mit den Großeltern wollen sie mit der Retter-Familie essen gehen. Und noch einmal Danke sagen. Denn wie Nicole Bremer sagt: „Ein Danke ist nicht genug.“

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