Rundgang: Der „Willi“ und die Alte Mensa

Göttingen. Mit der Sanierung der „Alten Mensa" ist in Göttingen ein neues Tagungshaus am historischen Wilhelmsplatz entstanden. Wir stellen es bei einem Rundgang vor.

Hunderte Gäste haben das neue Tagungs- und Veranstaltungshaus „Alte Mensa“ bei der Einweihungsfeier gesehen. Viel hat sich dort getan, nach Ende des Mensabetriebs am 13. November 2009 und der Übernahme durch die Uni, die durch ein Tauschgeschäft mit dem Studentenwerk möglich wurde.

Die Uni erhielt das repräsentative aber marode Gebäude am Wilhelmsplatz, Standort von der Universitätsaula und Sitz von Verwaltung samt Präsidium.

Das Studentenwerk bekam im Gegenzug ein Grundstück für den Bau eines Studentenwohnheims. Ein guter Tausch sei das gewesen, sagte Studentenwerk-Geschäftsführer Prof. Jörg Magull kürzlich bei der Einweihungsfeier.

Das dachten auch die Verantwortlichen der Universität, wie Gebäudemanagement-Leiter Rainer Bolli während der Einweihungsfeier schmunzelnd sagte. Doch die Stimmung der am Bau Beteiligten schwankte von euphorisch bis deprimiert. So war ein Fachwerkgebäudeteil mehr oder weniger zerbröselt, nicht mehr zu retten, wie Projektleiter Robert Förster berichtet. „Erstaunlich, dass es überhaupt noch gestanden hat.“ In Absprache mit dem Denkmalschutz konnte der Gebäudeteil abgerissen werden.

Jetzt steht dort ein Neubau im Altbau - mit architektonisch klarer Linie, grenzend an das Treppenhaus und den einst alt-schäbigen Kino-Saal, jetzt schick-restauriert samt freigelegter Stuckdecke und mit neuem Namen: Adam-von-Trott-Saal.

Die Treppe hinunter bietet schöne Kontraste mit Metallverzierungen im Geländer, neuen, schlichten Leuchten und den Fußböden. Moderner ist es auch im Erdgeschoss geworden, wo früher in acht Jahrzehnten hunderttausende von Essen ausgegeben wurden: Ab 1922 in den schlimmen Jahren nach dem 1. Weltkrieg und später dem 2. Weltkrieg bis zum jenem 13. November 2009.

Ein beliebter, ja von vielen Göttingern geliebter Ort war die Taberna, links vom Eingang, wo es abends für eine illustre Schar von Speisenden - vom Professor bis zum Obdachlosen - eine schlichte Currywurst oder den Klassiker Wiener Schnitzel mit Pommes für kleines Geld gab.

Heute ist die Taberna nicht wieder zu erkennen: Ein moderner Raum mit Multi-Media-Ausstattung für kleine Tagungsgruppen. Platz ist in den Seminarräumen im Erdgeschoss - „Hannah Vogt“ und „Emmy Noether“ plus „Adam-von-Trott-Saal“ von 20 bis 250 Personen. Zur Probe wird dort bald der Senat der altehrwürdigen Georgia-Augusta tagen.

Die Uni hat zudem wichtige Aufgaben in der neuen Alten Mensa gebündelt: Über der Taberna, in den hellen Büros, zum Teil mit Natursteinwänden, sitzen Mitarbeiter der Bereiche Alumni (Ehemaligenbetreuung) und Fundraising (Spendensammlung). Sie alle blicken auf den geschichtsträchtigen „Willi“. Neues Uni-Management trifft auf Historie - und ermöglicht im alten Gemäuer neue Ansichten: so den Durchblick via Loch in der Decke vom ersten Stock auf den historischen Steinboden im Erdgeschoss.

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