Edelgemüse aus der Region

Saisonarbeiter sind angekommen: Das Stechen des Spargels läuft

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Spargelernte auf dem Werderhof in Göttingen: Der Betrieb kann auch in diesem Jahr auf die osteuropäischen Saisonarbeiter zählen.

Göttingen – Gute Nachrichten für alle Spargel-Liebhaber: Jetzt, wo überall im Land die Ernte so richtig beginnt – auch bei uns in Südniedersachsen –, sind die ersten Erntehelfer aus Osteuropa eingetroffen.

Sie verfügen über die notwendige Expertise und Erfahrung beim Stechen der langen weißen oder auch grünen Stangen. Dass in der Corona-Krise jedoch genug von ihnen herkommen, um den angebauten Spargel komplett abzuernten, ist für viele Landwirte fraglich.

Werderhof in Göttingen

Spargel direkt aus der Region gibt es seit dieser Woche auf dem Werderhof in Göttingen. Inhaberin Cornelia Rabe sieht sich für die beginnende Ernte gut gerüstet. Vier Mitarbeiter – zwei aus Polen, zwei aus Rumänien – waren bereits am Mittwoch auf ihren Feldern im Einsatz. Drei weitere folgen. „Ab Donnerstagmorgen haben wir dann sieben Spargelstecher. Außerdem haben wir noch zwei Göttinger eingestellt, die beim Sortieren helfen“, sagt Rabe, die optimistisch ist, die gesamte Spargel-Ernte einfahren zu können, auch weil sie noch Bewerber hat, auf die sie bei Bedarf zurückgreifen kann.

Anders sieht das auf dem Hof von Fritz Borgmeyer in Dissen bei Osnabrück aus. Bei ihm trafen nur elf der 18 erhofften Erntehelfer aus Rumänien ein. „Viele waren verängstigt und haben dann noch kurzfristig abgesagt“, sagt der Landwirt. „Wir werden einen Teil der Ernte liegen lassen müssen.“

Arbeit in Quarantäne

Borgmeyer bringt seine Saisonarbeiter in diesem Jahr in Einzelzimmern auf dem Hof unter. Trotzdem gibt es Kritik an den Einreisereglungen für Erntehelfer aus Osteuropa. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) habe erhebliche Gesundheitsrisiken für die Arbeitskräfte in Kauf genommen. Es sei sehr wahrscheinlich, dass unter den Einreisenden früher oder später auch Infizierte sein würden oder dass sich die Menschen vor Ort ansteckten, warnt der Agrarexperte der Grünen im Bundestag, Friedrich Ostendorff.

Niedersachsens Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) verweist auf die speziellen Fertigkeiten der ausländischen Fachkräfte. Zwar hätten sich viele einheimische Helfer bei den Höfen gemeldet, aber es mache einen Unterschied, wenn Menschen mit Berufserfahrung die Arbeit übernehmen würden. Auf den Höfen müssen die Helfer aus dem Ausland in eine Art Quarantäne, arbeiten dürfen sie während dieser Zeit allerdings schon, so Otte-Kinast.

Nach Angaben des Geschäftsführers der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen, Fred Eickhorst, sind aktuell etwa 50 bis 60 Prozent der meist aus Rumänien kommenden Erntehelfer in den Betrieben. Wegen der Corona-Krise war die Einreise von Saisonarbeitern zunächst untersagt, nun dürfen im April und Mai jeweils 40 000 einreisen. Die Landwirte müssen ihren Bedarf in einem Portal anmelden und Flugreise sowie Transfer zum Betrieb bezahlen.

Auch der Einsatz von Studenten oder Beschäftigten aus der Gastronomie, die im Moment unter Kurzarbeit leiden, habe zugenommen, sagte Eickhorst. „Auf den Feldern kann man sie aber kaum einsetzen, wenn, dann eher im Verkauf oder zum Transport.“ Das Spargelstechen sei eine harte Arbeit, die viel Erfahrung erfordere. Auf einigen Betrieben würden auch Köche mit Erfolg in der Spargelernte eingesetzt. „Die sind harte Arbeit und lange Arbeitsschichten gewohnt“, sagte Eickhorst.

Keine Gastronomie

Cornelia Rabe vom Göttinger Werderhof jedenfalls wäre es lieber, die Köche würden ihren Dienst in den Restaurant-Küchen verrichten. Mit der Gastronomie fällt nämlich ihr wichtigster Spargel-Abnehmer in diesem Jahr weg. Dafür laufe der Verkauf im Hofladen „im Moment sehr gut“. Vielen Menschen bietet die Abgeschiedenheit des Hofes einen Vorteil gegenüber Wochen- oder Supermärkten, in denen man Rabes Spargel teilweise ebenfalls erstehen kann.

In der nächsten Woche will sie dann auch ihre Straßenverkaufsstände öffnen. Cornelia Rabe hofft auf möglichst viele Spargel-Liebhaber, die die Stangen selbst zubereiten, wenn der Weg ins Restaurant schon verschlossen bleiben muss.  mit dpa

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