Salafistische Szene: Polizei war illegalen Waffenkäufen auf der Spur

Göttingen. Illegalen Waffenkäufen war die Polizei am vergangenen Freitag bei der vorübergehende Festnahme von 20 und 26 Jahre alten Männern in Göttingen auf der Spur.

Laut Polizei handelt es sich um Mitglieder der örtlichen salafistischen Szene.

In der vergangenen Woche hatte sich laut Polizei ein konkreter Hinweis auf den geplanten Erwerb illegaler Waffen ergeben. Vor diesem Hintergrund reagierte die Polizeiinspektion Göttingen in Abstimmung mit dem Landeskriminalamt Niedersachsen am Freitag sofort mit dem Sondereinsatz – wir berichteten.

Spezialkräfte trafen die beiden 20 und 26 Jahre alten Männer am späten Freitagnachmittag in einer Wohnung im Göttinger Stadtteil Geismar an und nahmen sie vorübergehend fest. Der 20-Jährige mit deutscher Staatsbürgerschaft ist nach Aussagen der Beamten bereits wegen „seiner salafistischen Bestrebungen staatsschutzpolizeilich in Erscheinung“ getreten. Der 26-Jährige ist Algerier und war in der Vergangenheit „allgemeinpolizeilich“ aufgefallen.

Bei den vom Amtsgericht Göttingen angeordneten Durchsuchungen der Wohnungen beschlagnahmte die Polizei diverse mobile Datenträger und einen Computer. In einem der Autos stießen die Ermittler unter anderem auf eine Gaspistole und einen Schlagstock. Auch diese Gegenstände wurden beschlagnahmt.

Die Auswertung der Datenträger läuft und dürfte laut Polizei noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Die Ermittler sprachen intensiv mit den beiden Männer. Die Polizei spricht in solchen Fällen von einer „Gefährderansprache“. Im Anschluss an die Polizeiaktion wurde das Duo wieder auf freien Fuß gesetzt.

Der salafistischen Szene in Stadt und Landkreis Göttingen gehören laut Polizei etwa 50 Personen an. Die Göttinger Ermittler beobachten die Gruppe und ihr gesamtes Umfeld bereits seit Jahren intensiv.

Die weiteren Ermittlungen in dem Verfahren dauern an. „Die Polizeiinspektion Göttingen hat mit ihren Maßnahmen in diesem komplexen Vorgang professionell und konsequent gehandelt. Die Tatverdächtigen gehören der salafistischen Szene an“, machte Göttingens Polizeipräsident Uwe Lührig deutlich. Allein dies verdeutliche, dass sich die Polizei diesen gesellschaftlichen Herausforderungen auch in der Region stellen müsse. „Wir bekämpfen derartiges Verhalten weiterhin mit Nachdruck“, sagte Lührig. 

Hintergrund: Salafismus gilt als ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams

Der Salafismus gilt laut Online-Lexikon Wikipedia als eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islams, die eine geistige Rückbesinnung auf die „Altvorderen“ (arabisch Salaf: Vorgänger) anstrebt.

Es soll in Deutschland mehrere tausend Anhänger geben. Die Versuche einiger Salafistengruppen, durch Propaganda und Missionierung politischen und gesellschaftlichen Einfluss für ihre extremistische Ideologie zu gewinnen und die Verbindungen einzelner Salafisten zu islamistischen Terrororganisationen sorgten immer wieder für öffentliche Kontroversen.

In Niedersachsen wurde Anfang 2015 eine Präventionsstelle gegen Salafismus eingerichtet. Das Angebot wird nicht nur von Angehörigen, sondern auch von Schulen gut angenommen. (bsc)

Kontakt: beRATen, Beratungsstelle zur Prävention neo-salafistischer Radikalisierung, Herschelstraße 32, 30159 Hannover, Tel. 0511/70052040, info@beraten-niedersachsen.de

www.beraten-niedersachsen.de

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