Gebäudesanierung - Exponate werden verpackt

Ethnologische Sammlung der Uni Göttingen wandert ins Depot

Verpackt die Speere von Südsee-Kriegern in der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen sicher: Thomas Fricke.
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Ethnologische Sammlung der Uni Göttingen: Thomas Fricke verpackt die Speere von Südsee-Kriegern sicher.

Die Ethnologische Sammlung der Uni Göttingen verpackt ihren Fundus - das Gebäude am Theaterplatz wrid saniert.

Göttingen - Federschmuck der Amazonas-Indianer, die Rüstung eines japanischen Samurai-Kriegers und ein zweieinhalb Zentner schwerer Buddhakopf aus Stein: Fünf Mitarbeiter des Kunstlogistikers Hasenkamp verpacken derzeit die 2000 zerbrechlichsten, wertvollsten und unhandlichsten Objekte der Ethnologischen Sammlung Göttingen. Bis Mitte des Jahres soll das Gebäude am Theaterplatz 15 leer sein. Im Herbst beginnt dann dessen 5,4 Millionen Euro teure Sanierung.

Vorsichtig legt Hasenkamp-Projektleiter Daniel Koch die einzelnen Teile der Samurai-Rüstung aufeinander, stützt sie mit Pappe ab, verwendet Luftspolsterfolie.

Sein Kollege Torsten Fricke verpackt unterdessen meterlange Speere von Südsee-Kriegern in einer Kiste. Jede Waffe wird eigens in einem Gestell aufgehängt und fixiert. Besonders vorsichtig gehen die Hasenkamp-Mitarbeiter mit dem zerbrechlichen Federschmuck der Amazonas-Indianer um. Er wird in doppelwandigen Klimakisten verstaut, die ihn vor schnellen Temperaturwechseln schützen.

Und der steinerne Buddhakopf aus China rutscht langsam auf einer teflonbeschichteten Folie in eine Transportkiste. Ein Hubwagen verfrachtet sie dann in einen Lkw. Einmal in der Woche werden die verpackten Stücke zu einem Depot gebracht, dessen Standort Kustos Dr. Michael Kraus aus Sicherheitsgründen nicht verrät. Dorthin kommen auch die 16.000 Objekte die der Wissenschaftler gemeinsam mit seiner Kollegin Nicole Zornhagen und anderen Helfern seit der vorübergehenden Schließung der Sammlung im Mai 2018 verpackt hat. An die 900.000 Euro kostet das Einlagern der Bestände.

Die Sanierung des Altbaus, der Mitte der 1930er-Jahre entstanden ist, wird bis 2023 dauern. Die Arbeiten sind dringend notwendig. Die Archivbestände, 17 000 Objekte, lagerten in Räumen, durch die oft nicht isolierte Heizungsrohre führten. So ließen sich Temperatur und Feuchtigkeit unmöglich konstant halten. Erschwerend kam hinzu, das bei Sturm an der Westseite des Gebäudes Feuchtigkeit eindrang. Das Land bewilligte 2017 das notwendigen Geld. Die Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU) und der zwischenzeitlich gestorbene Thomas Oppermann (SPD) sorgten dafür, dass der Bund 2019 eine Million Euro für die Neukonzipierung der Dauerausstellung zur Verfügung stellte. „Wir werden die Objekte künftig nicht mehr nach Regionen, sondern nach Themen und Fragestellungen präsentieren“, kündigt der Kustos an.

In die neue Dauerausstellung fließen auch die Ergebnisse eines zweijährigen Forschungsprojekts ein, das im April anläuft. Es soll die Herkunft von Objekten klären, die während der deutschen Kolonialzeit in die Sammlung gelangten. „Wir wollen auch Kollegen aus den betreffenden Ländern hinzuziehen“, sagt Kraus. Er hofft auf eine Wiedereröffnung des Museums 2024. (Michael Caspar)

Die Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen

Die Anfänge reichen in die Zeit der Spätaufklärung zurückreichen zählt zu den bedeutendsten Lehr- und Forschungssammlungen im deutschsprachigen Raum. 500 der 18 000 Objekte stammen aus Beständen, die der englische Kapitän James Cook und ihn begleitende Forscher, wie das Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften, Georg Forster, auf drei Südseereisen (1768 bis 1780) zusammentrugen. 180 Objekte vor allem aus Sibirien, darunter ein Schamanengewand, schenkte der russische Generalstabsarz Georg Thomas Baron von Asch seiner ehemaligen Universität. 1928 begann in Göttingen der ethnologische Lehrbetrieb. 1934 entstand dort der deutschlandweit dritte Lehrstuhl für Völkerkunde. Heute sind am Institut vier Ethnologie-Professoren tätig. uni-goettingen.de/de/28899.html (MIchael Caspar)

Dr. Michael Kraus, Kustos der Ethnolgischen Sammlung der Universität Göttingen packt Stücke ein.

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