Stadtverwaltung und Theater stellen sechs Varianten zur Diskussion

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen wird teuerstes Projekt seit langem

Das Deutsche Theater (DT) in Göttingen
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Letzte Grundsanierung und Erweiterung vor 35 Jahren: Das Deutsche Theater (DT) in Göttingen mit seinem denkmalgeschützten Hauptgebäude aus 1890 muss dringend repariert und ergänzt werden. Der Bagger vor dem Haus steht symbolisch für die bald anstehenden jahrelangen Arbeiten.

Das Deutsche Theater in Göttingen ist in die Jahre gekommen. Jetzt muss dringend investiert werden.

  • Der Zahn der Zeit hat am Deutschen Theater in Göttingen genagt.
  • Es muss dringend investiert werden.
  • Für das Projekt sind sechs Varianten im Gespräch. Jetzt beginnt die Diskussion

Göttingen – Bürgerinnen und Bürger machten den Bau des Deutschen Theaters (DT) am Göttinger Stadtwall 1890 möglich. Seitdem gehört es unweigerlich zum Stadtbild und zur Stadtkultur, wuchs über die Jahrzehnte zu einem Stadttheater mit weit über die Region hinausreichendem Ansehen. Aber: Die Gebäude sind nach dem Um- und Anbau nach Plänen des Göttinger Architekten Jochen Brandi Mitte der 80er in die Jahre gekommen. Davor war das DT 1937 saniert worden.

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Es wird teuer

„Der Sanierungsstau ist nun riesig, die Arbeitsbedingungen oft nicht mehr tragbar“, schildert Geschäftsführerin Sandra Hinz. Theater und Stadt haben nun Sanierungspläne und -berechnungen vorgelegt. „Es wird teuer werden“, sagt Intendant Erich Sidler. Das weiß auch die Stadtverwaltung. Sie veranschlagt allein für die Sanierung des Hauses, das jährlich von mehr als 100 000 Gästen besucht wird, mit 55 Millionen Euro.

Die hat nun mit dem DT fünf Varianten vorgelegt – basierend auf einer Sanierung des historischen Kulturdenkmals in Kombination mit einem Umbau, einer Erweiterung sowie Generalüberholung der Haus- und Theatertechnik. Ein Ziel wäre auch ein – wichtiger – Neubau als Ersatz für die (kleine) Bühne DT 2.

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Variante 1

Sie würde nur die Sanierung umfassen, die eine dringend notwendige Erweiterung der Arbeitsräume, aber auch Bühnenmöglichkeiten nicht bieten würde. Alte Missstände, teilweise unzureichende Arbeitsbedingungen – zum Beispiel in Mini-Büros – blieben bestehen. Folge wäre laut Intendanz auch die Reduzierung des Theaterbetriebes. Vorteile dieser wären die geringsten Kosten.

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Variante 2

Sie beinhaltet die Sanierung des Kulturkenkmals, zudem würde das Werkstattgebäude, ein Holzbau auf dem Hof, zu einer neuen Spielstätte. Nachteil: Die Werkstatt müsste dann ausgelagert werden – was aber anderorts nicht unüblich ist. Vorteil: Es entstünde eine neue zweite Bühne als Neubau. Mögliche Kombination mit einer Außenbühne. Für Sidler ist es „die beste Lösung für den Standort“. Kosten: gesamt 63 Millionen Euro (davon 55 Millionen Euro Sanierung).

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Variante 3

Sie wäre der Erhalt des Kulturdenkmals und Neubau eines Mehrzweckgebäudes auf der Tiefgarage. Vorteil: Direkte Erweiterung am Hauptgebäude, Standort bliebe erhalten, Abläufe ebenfalls. Nachteil: Tiefgaragenüberbau sehr teuer und nur eingeschossig möglich – wegen Tragfähigkeit. Kosten: gesamt 93,5 Millionen Euro (davon 55 Millionen für die Sanierung).

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Variante 4

Das wäre der Erhalt des Kulturdenkmals und Neubau Mehrzweckgebäude auf der Wallseite. Vorteil: Direkter Anbau an Hauptgebäude, Erhalt des Standortes, Integration der Abläufe. Nachteil: Starker Eingriff in bestehendes Ensemble und in das Wall-Denkmal, teuer. Kosten: 95 Millionen Euro (davon 55 Millionen Euro Sanierung).

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Variante 5

Diese Variante sieht einen kompletten Neubau des Theaters an einem anderen Ort vor. Die Kosten dafür sind hoch: 185 Millionen, davon etwa 55 Millionen Euro für die Sanierung des alten Gebäudekomplexes.

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Variante 6

Sie sieht eine Aufteilung des Theaters vor - unterteilt in in eine Altbausanierung plus Neubau benötigter Zusatzflächen an einem anderen Ort. Kosten: 99 Millionen Euro, davon 55 Millionen Euro für die Sanierung des alten Gebäudekomplexes.

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Projekt ist alternativlos

Diese Varianten gehen in die politische Beratung. Die Stadt spricht sich aktuell dafür aus, Werkstätten zur Bühne umzubauen und die Werkstätten auszulagern. Dinah Epperlein aus der Stadtverwaltung betont, dass die Kosten eine „erste grobe Schätzung“ seien und, dass die Sanierung im und am Gebäude alternativlos ist. Dort werde seit Jahren geflickt und ausgebessert.

Bestimmte Betriebsgenehmigungen seien zwar noch vorhanden, aber die Auflagen und Mahnungen von Prüfern würden immer deutlicher. „Die letzte große Sanierung ist 35 Jahre her – eine lange Zeit.“

Davon künden Risse in den Wänden, Wasserschäden, Mini-Büros von fünf Quadratmetern Größe, Heizungs- und Lüftungsprobleme und dringend erneuerbare technische Anlagen. „Wir müssen überall ran“, stellt Epperlein von der Stadtverwaltung klar.

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Appell für Erhalt von Intendant Sidler

Für Intendant Erich Sidler geht es auch darum das für die Stadt und die Kultur, aber auch für das demokratische System, so wichtige Theater als Treffpunkt zu erhalten, ja zukunftsfähig zu machen. Der Bedarf ist da, was auch die enorm erfolgreiche Theaterpädagogik zeige.

Die Ära Sidler steht auch für die Öffnung des Deutschen Theaters in Richtung Publikum, Besucher: „Es ist eine Begegnungsstätte.“ Sein Appell für den Erhalt ist ein flammender: „Das DT hat eine enorme Bedeutung für die Stadt und darüber hinaus, wir müssen es erhalten und ein Theater für morgen schaffen.“ Eine Verlegung kommt für den Intendanten überhaupt nicht in Frage: „Die Lage am Wall ist eine Perle in dieser Stadt.“

Sanierung des Deutschen Theaters in Göttingen: Wunsch nach fairer Debatte

Erich Sidler und Sandra Hinz wünschen sich nun eine faire Debatte in den politischen Gremien. Intensiv dürfe sie aber ruhig sein.

Von Thomas Kopietz

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