INTERVIEW Dr. Joachim Kreuzburg

Sartorius-Chef zum möglichen Aufstieg in den Leitindex - „Wir sind nicht vom Dax abhängig“

Porträt von Sartorius-Chef Dr. Joachim Kreuzburg
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Sartorius-Chef Dr. Joachim Kreuzburg im Interview.

Steigt Sartorius in die 1. Bundesliga der Unternehmen auf? Die Entscheidung fällt Freitagabend, 3. September.

Göttingen – Vorstandsvorsitzender Dr. Joachim Kreuzburg kann die Frage für sein Unternehmen Sartorius im Exklusiv-Interview mit unserer Zeitung – noch – nicht beantworten. Wir sprachen mit ihm aber auch über den Erfolg des Life-Science-Konzerns und der Aktie.

Herr Kreuzburg, die Sartorius-Vorzugsaktie fliegt förmlich. Was sagen Sie Anlegern, die früh verkauft oder es gar ganz verpasst haben, zu kaufen?
Zum Glück fragen sie mich das nicht. Und – wie Sie wissen – sage ich dazu ohnehin nichts. Über die Kursentwicklung sind wir natürlich erfreut. Aber sie ist längst nicht das Wichtigste für uns.
Was ist denn wichtiger?
Die Zufriedenheit unserer Kunden und die Zufriedenheit unserer Mitarbeiter. Das ist das Wichtigste. Aber die Aktionäre sind natürlich nicht unbedeutend.
Was würde der Aufstieg in den Dax bedeuten?
Es ist noch nicht durchgesickert, ob wir in den Dax kommen, und es wird auch bis späten Freitagabend nichts durchsickern. Die Aufnahme in den Dax hätte aber keinen Einfluss auf die Zufriedenheit der Kunden und hätte auch keine Auswirkung auf die Situation der Mitarbeiter. Vielleicht empfinden diese dann noch mehr Stolz und Identifikation.
Verschafft eine Dax-Aufnahme unternehmerische Vorteile?
Unternehmerische Vorteile entstehen dadurch direkt nicht. Wir würden ein wenig bekannter, bekämen mehr Aufmerksamkeit auch in überregionalen Medien. Es hätte auch keine Auswirkungen auf die seit Jahren laufende zielstrebige Unternehmensstrategie. Da gibt es keine Abhängigkeit vom Dax oder M-Dax. Ein Verbleiben dort hätte ebenfalls keine negativen Auswirkungen.
Ein schlechtes Gefühl wäre es aber auch nicht, oder?
Nein, wir würden uns natürlich nicht schlechter fühlen. Aber unser erster Fokus sind und bleiben Kundenorientierung und Innovation, zudem bleiben wir einfach gerne auf dem Teppich.
Warum sollte Sartorius eigentlich nicht aufsteigen, gibt es dafür Gründe?
Die Dax-Regeln sind, dass nur eine Aktiengattung herangezogen wird für eine Bewertung. Die tatsächlichen Werte der Marktkapitalisierung, die für den Rang ausschlaggebend sind, liegen bei den Unternehmen ab Platz 25 sehr dicht zusammen.
Da bei uns bei der Feststellung der Dax-Zugehörigkeit nur rund ein Drittel der gesamten Marktkapitalisierung von Sartorius berücksichtigt wird, könnte eine negative Marktstimmung bei uns schneller als bei anderen Unternehmen zu einem schlechteren Rang führen, auch wenn das Unternehmen weiter gut läuft.
Sartorius hat durch die Corona-Krise große Aufmerksamkeit bekommen, weil das Unternehmen fast alle Entwickler und Hersteller von MRNA-Impfstoffen beliefert.
Das ist richtig und hat natürlich in einer eigentlichen Krisenzeit einen zusätzlichen Schub gegeben, gut 20 Prozentpunkte unseres Umsatzplus von rund 60 Prozent im ersten Halbjahr 2021 waren coronabedingt. Aber generell hat die Biopharma-Branche in den vergangenen Jahren eine starke Entwicklung hingelegt. Die MRNA-Impfstoffe sind natürlich weltweit im Fokus, das betrifft nicht nur Hersteller wie BionTech, sondern auch das gesamte Zulieferernetzwerk.
Wir werden noch viele weitere Impfstoffe und Therapeutika auf Basis von Biotechnologien erleben. Deshalb haben wir eine langfristig positive Perspektive. Aber es hat noch nie in der Geschichte von Wirkstoffentwicklungen eine Phase ohne Rückschläge, ohne Enttäuschungen gegeben. Insgesamt sind die Erwartungen im Moment sehr hoch. Wir bleiben also Realisten.
Sartorius gilt als ein global operierender und doch regionaler Konzern  ...
Die Präsenz vor Ort in Göttingen ist sehr wichtig. Wir erweitern hier gerade unsere Produktionskapazitäten deutlich. Aber gleichzeitig wissen wir, dass man seine Kunden in China und den USA nicht nur aus Deutschland versorgen kann. Ohne starke Teams in Ländern, wo die Kunden sind, hätten wir keine Chance im Wettbewerb. Wir wissen seit der Corona-Krise aber auch, wie viel Kraft in solchen Orten, wie unserem Sartorius-Campus in Göttingen steckt.

Der Sartorius-Konzern

Sartorius ist ein Biopharmaspezialist und Laborausrüster mit mehr als 10 600 Beschäftigten. Im vergangenen Jahr war der Konzernumsatz um knapp 28 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro und der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um fast 40 Prozent auf 692 Millionen Euro gestiegen.

Zur Person

Dr. Joachim Kreuzburg (Jahrgang 1965) kam 1999 zu Sartorius, gehört seit 2002 dessen Vorstands an und ist seit 2005 Vorstandsvorsitzender der Sartorius AG. Er studierte in Hannover Maschinenbau und promovierte in Wirtschaftswissenschaften. Kreuzburg stammt aus Höxter. Seine Hobbys sind Laufen, Bergwandern und Musik. 

(Thomas Kopietz)

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