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Göttinger Dax-Konzern Sartorius steht auf drei starken Beinen und denkt nachhaltig

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Von: Thomas Kopietz

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Hochreine Filterproduktion im Life-Science-Konzert Sartorius.  Der Göttinger Dax-Konzern hat 2021 mehr als 400 Millionen Euro in neue Produktionsstätten investiert – auch in Göttingen.
Hochreine Filterproduktion: Der Göttinger Dax-Konzern Sartorius hat 2021 mehr als 400 Millionen Euro in neue Produktionsstätten investiert – auch in Göttingen. © Sartorius

Am Freitag hat die Sartorius AG aus Göttingen ihre Hauptversammlung abgehalten - virtuell. 

Göttingen – Vor der Lokhalle wehten am Freitag keine gelben Fahnen. Die Sartorius AG hielt die Hauptversammlung wie 2020 und 2021 erneut nicht dort in Präsenz ab. Um sich ein lebendiges Bild von Produkten dem Führungsteam des Life-Science-Konzern zu machen, blieb nur der heimische Bildschirm. Dort verfolgten sie den Rückblick des Vorstandsvorsitzenden Dr. Joachim Kreuzburg auf das – herausragend starke – Geschäftsjahr 2021 und die Perspektive des Dax-Konzerns bis 2025.

Die 2021er-Zahlen sprechen für sich. Sartorius als Ausstatter von Impfstoff- und Medikamenteproduzenten blieb auch nach 2020 ein Gewinner der Corona-Pandemie: ein Umsatzsprung um 49,3 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro, ein Wachstum der Auftragseingänge um satte 52,3 Prozent. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg um 69,7 Prozent auf knapp 1,18 Milliarden Euro. Zugleich baute der Konzern die Belegschaft weiter auf: „Wir verzeichnen einen sprunghaften Anstieg der Mitarbeiterzahlen“, sagte Kreuzburg.

Die Ursachen für den Erfolg wiederholen sich: Der Life-Science-Konzern ist passend ausgerichtet. Sartorius ist in einer Welt und auf einem „sehr dynamischen“ Markt Lebenswissenschaften unterwegs, der vorerst weiter Wachstum garantiert. „Die Bevölkerung weltweit wächst, besonders die Zahl der älteren Menschen über 60 Jahre und damit der Bedarf an Medikamenten, gerade Biopharmazeutika.“ Die Zahl der Menschen über 60 werde sich in den nächsten drei Jahrzehnten verdoppeln. Zudem wachse der Anteil jener Biopharmazeutika, aktuell liege er bei 37 Prozent.

Weiter kräftiges Wachstum bei Göttinger Unternehmen

Kreuzburg bezifferte die Wachstumsquote im Biopharmamarkt auf jährlich zehn Prozent – bis 2026. Dann werde zwar der positive wirtschaftliche Effekt der Corona-Pandemie nicht mehr spürbar sein. Aber die in zunehmender Geschwindigkeit entwickelten neuen Therapien, auch auf mRNA-Technologien und Gen-Verfahren basierend, liefern starkes Potenzial für die Sartorius AG, die Firmen dabei unterstützt, Medikamente schneller und günstiger herzustellen.

Aktienkursverlauf Sartorius AG von März 2021 bis März 2022
Aktienkurs der Sartorius AG von März 2021 bis März 2022 © HNA-Grafik

Doch es gibt Risiken, die diese rosigen Aussichten trüben könnten. Da sind zum einen die Lieferketten, deren Labilität sich in den Lockdowns offenbart hat. Da sind auch die von der unsicheren weltpolitischen Lage mitgetriebenen Inflationstendenzen, die sich auch bereits auf den Aktienkurs auswirkten. Das Wort Krieg nahm Kreuzburg als Risikofaktor nicht in dem Mund.

Sartorius mit starker Aktie

Der Vorstandschef ging auch kurz auf das ein, was viele Anteilseigner besonders interessiert: die Aktie und deren Kursverlauf im vergangenen Jahr. 2021 habe sie erneut gegenüber Dax und europäischer Börse eine „hohe Performance“ gezeigt. Der Dax habe ein Plus von gut 15 Prozent verzeichnet, die Sartorius-Papiere dagegen um 45 Prozent. „Aber“, so sagte Kreuzburg auch, erlebe man seit Jahresbeginn eine „sehr volatile Entwicklung“ - und Inflationstendenzen träfen Wachstumstitel - und dazu zählt Sartorius als eine der Top-Aktien der vergangenen fünf Jahre - besonders stark.

Derweil bauen die Göttinger weiter auf ihre drei fast gleich starken Weltmarktregionen, den Europa-Raum, Asien/Pazifik und Amerika. Kreuzburg sagte es nicht, aber diese drei kräftigen Standbeine verhindern mittelfristig einen wackeligen Gang. Gegenüber den Aktionären betonte Kreuzburg, dass man Nachhaltigkeitsziele und CO2-Einsparungen erreichen will. Dafür setze man viel Geld ein, versuche aber, auch Zulieferer und Kunden mit einzubeziehen.

Ziel: 2025 rund fünf Milliarden Euro Umsatz bei Göttinger Dax-Konzern

2022 soll der Umsatz um 15 Prozent steigen. 2025 peilt Sartorius die Fünf-Milliarden-Umsatz-Marke an. Aktuell beschäftigt man 14 000 Mitarbeiter, die meisten sind zwischen 30 und 40 Jahre. „Wir werden insgesamt jünger, auch wenn es uns individuell nicht gelingt“, scherzte Kreuzburg. Die Aktionäre beschlossen eine Dividende von 1,26 Euro je Vorzugs- und 1,25 Euro je Stammaktie. Damit schüttet Sartorius 85,9 Millionen Euro aus. Die Dividenden lagen 2021 bei 0,70 und 0,71 Euro je Stamm- und Vorzugsaktie.

Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG, Göttingen - im Porträt
Dr. Joachim Kreuzburg, Vorstandsvorsitzender Sartorius AG, Göttingen © Sartorius

Veränderungen gab es im Aufsichtsrat des Dax-Unternehmens: Nachdem Prof. Thomas Scheper für eine weitere Amtszeit nicht zur Verfügung stand, wählte die Versammlung den Digitalexperten Frank Riemensperger als Vertreter der Anteilseigner. Der Diplom-Informatiker war lange in Führungspositionen beim Beratungsunternehmen Accenture tätig. Bestätigt für weitere fünf Jahre im Aufsichtsrat wurden Prof. David Raymond Ebsworth, Dr. Daniela Favoccia, Dr. Lothar Kappich, Ilke Hildegard Panzer und Prof. Klaus Rüdiger Trützschler.

Sartorius in Göttingen: Mehr Frauen auf Management-Ebene

Übrigens: Im Managementbereich will Sartorius weiblicher werden. „Im oberen Management beträgt der Frauenanteil aktuell 31 Prozent, geplant waren 30 Prozent“, sagte Kreuzburg. Das sei ein „relativ hoher Anteil von Frauen in Führungspositionen“, aber man sei zuversichtlich, noch bessere Werte erreichen zu können. „Wir streben das an.“

Angestrebt wird von Sartorius auch ein internes Wachstum über Zukäufe. Die werde es auch weiterhin geben, aber nicht zunächst, um damit den Umsatz zu steigern, sondern das gesamtunternehmerische Know-how. So wolle man sich weiter auf klar definierten Feldern und Zielen verstärken, dazu zähle die Bioanalytik. Zuletzt kaufte Sartorius etwa die Chromatographie-Sparte von Novasep aus Frankreich.

Investiert wird derweil weiter besonders in Produktionskapazitäten, in allen drei Märkten, auch in Europa, wo Sartorius in Göttingen eine riesige Produktionsstätte auf dem weiter wachsenden Firmencampus baut, wie am A-7-Abzweig Göttingen Nord eindrucksvoll zu sehen ist. (Thomas Kopietz)

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