Sartorius Quartier: Offene Worte und viel Lob bei Bürger-Info

Gute Perspektive: Das Stamm-Firmengelände von Sartorius in der Göttinger Nordstadt. Der Standort soll bis 2020 geräumt werden. Der Umzug an den Sartorius-Campus im Industriegebiet beginnt Ende 2016. Ein neues Lebensquartier soll entstehen. Foto: Kopietz

Göttingen. Die Sartorius AG, die Stadt sowie weitere Partner und Investoren sollen den Firmen-Stammsitz zu einem lebendigen Wohn- und Arbeitsquartier machen.

Das verdeutlichten Sartorius-Vorstandsvorsitzender Dr. Joachim Kreuzburg und Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler bei einer ersten Bürger-Info zur Umgestaltung des Sartorius-Quartiers in der Nordstadt. Kreuzburg betont, dass Sartorius viel daran liegt, was um die Keimzelle, die historischen Backsteingebäude im Zentrum des 20000-Quadratmeter Geländes zwischen Weender Landstraße/Annastraße und Arndtstraße, entstehen soll.

Gespannt sind auch viele Anwohner: 150 kommen zu der Bürger-Info, die Kreuzburg initiiert und die Stadt in Person von Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler mit ins Boot geholt hat. „Ich möchte hören, was die Menschen denken, welche Ängste sie haben.

Und die gibt es durchau: Eine Anwohnerin fürchtet den Abriss von Genossenschaftswohnungen für einen öffentlichen Platz. Ein Eigentümer mahnt, nicht noch mehr Studentenwohnblocks zu bauen: „Wir werden umzingelt.“ Andere fordern mehr Grün im Viertel oder eine Verkehrsberuhigung der vierspurigen und Lärm produzierenden Verkehrsader Weender Landstraße.

Und sie erhalten Antworten: Stadtbaurat Thomas Dienberg lässt anklingen, dass eine Verkehrsberuhigung denkbar sei. Köhler kündigt sogar an: „Was absolut nicht gewünscht ist, wird nicht umgesetzt.“

Der Erfüllung des Wunsches nach vielen neuen bezahlbaren Wohnungen auf dem Gelände geben auch die Vertreter der drei Wohnungsbaugesellschaften durchaus Chancen auf Realisierung: Die Genossenschaften zeigen Interesse an einer Kooperation. Aber: Rolf-Georg Köhler und Joachim Kreuzburg sind gegen eine Mono-Wohnkultur, wollen teilweise Wohnraum auf dem Gelände schaffen, aber nicht nur für Studierende.

Neben Zweifeln, Kritik und Anregungen gibt es aber auch – ungewohnterweise bei Bürger-Infos in Göttingen – viel Lob. „Es ist eine tolle Sache, dass man hier diesen Weg geht und früh informiert“, sagt ein Anwohner, dessen Familie seit 1903 an der Weender Landstraße ein Haus besitzt. Der Eigentümer sagt auch: „Das Sartorius-Areal hat Potenzial. Da muss man nicht wegziehen.“

„Es ist toll, dass man uns mit einbezieht und das ganz anders macht als beim IWF-Gelände am Nonnenstieg. Das ist ein großer Gewinn“, lobt gar ein kritischer Göttinger.

Klare Worte gibt es von Joachim Kreuzburg auch auf kritische Einwände. Ein Zuhörer zweifelt daran, dass ein börsenorientiertes Unternehmenfinanziell nicht das meiste aus dem Grundstück herausholen will. „Ihre Zweifel sind erlaubt, lassen Sie uns in zwei Jahren wieder darüber reden“, entgegnet Kreuzburg.

Von Thomas Kopietz

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