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Godehardbrücke ist mehr als zwei Monate dicht: Anwohner sind sauer

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Von: Stefan Rampfel

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Gesperrte Godehardbrücke: Edgar Schu, Fraktionsvorsitzender der Göttinger Linken und Vorsitzender des Unterausschusses Sanierung Weststadt, fordert eine schnelle Öffnung der Brücke oder eine Behelfsbrücke über die Leine.
Gesperrte Godehardbrücke: Edgar Schu, Fraktionsvorsitzender der Göttinger Linken und Vorsitzender des Unterausschusses Sanierung Weststadt, fordert eine schnelle Öffnung der Brücke oder eine Behelfsbrücke über die Leine. © Stefan Rampfel

Seit mehr als zwei Monaten sind die Godehardstraße und die Godehardbrücke in Göttingen gesperrt. Das sorgt für reichlich Unmut bei Anwohnern.

Göttingen – Die Anwohner im Westen Göttingens sind sauer und wütend. Grund dafür ist die seit inzwischen über zwei Monaten andauernde Vollsperrung der Godehardbrücke, die große Teile der Weststadt mit der Innenstadt und dem Bahnhof verbindet. Auch die mangelnde Informationspolitik der Stadtverwaltung wird kritisiert.

„Dieses Nadelöhr muss schnellstmöglich wieder geöffnet werden, zumindest für Fußgänger und Radfahrer“, fordert Edgar Schu, Fraktionsvorsitzender der Göttinger Linken und Vorsitzender des Unterausschusses Sanierung Weststadt. „Die Menschen müssen Umwege von rund zwei Kilometern in Kauf nehmen, egal ob sie die Umleitung über den Hagenweg oder die Otto-Frey-Brücke nehmen.“ Sollte eine schnelle Öffnung der Brücke nicht möglich sein, so solle eine Behelfsbrücke über die Leine errichtet werden, fordert Schu.

Der eingesetzte Sicherheitsdienst, der das Betretungsverbot der Brücke kontrolliert, berichtet bereits von mehreren Menschen, die die Bauzäune überwunden haben, um die Brücke zu überqueren.

Die Godehardstraße wurde Mitte Juli aufgrund der Bombensprengungen zwischen Leineufer und Sparkassen-Arena gesperrt. Im Anschluss folgten weitere Sondierungsarbeiten auf dem Areal am Schützenplatz. Außerdem zeigte sich, so die Stadtverwaltung, dass die Godehardstraße deutlich erschwerte Bodenverhältnisse aufweist, die eine umfangreiche Fahrbahnabtragung notwendig machten. Nicht zuletzt erfolgen im Anschluss an die Sondierungen noch Arbeiten zum Anschluss des Kulturzentrums an das Fernwärmenetz. All dies sei kein Grund für eine so lange Sperrung der Brücke, zumindest nicht für Fußgänger und Radfahrer, sagt Edgar Schu. Er hat von Bürgern gehört, die bereits mit Gummistiefeln durch die Leine gegangen sein sollen.

Haltestelle Asternweg: An dieser Stelle halten seit mehr zwei Monaten keine Busse mehr.
Haltestelle Asternweg: An dieser Stelle halten seit mehr zwei Monaten keine Busse mehr. © Stefan Rampfel

Dominik Kimyon, Pressesprecher der Stadt Göttingen, sagt: „Eine Freigabe des Gehweges kann derzeit nicht erfolgen, da dieser im 50-Meter-Sicherheitsradius von einem Sondierungspunkt liegt. Die Vorgabe des Sicherheitsradius wird vom Kampfmittelbeseitigungsdienest vorgegeben.“ Er verspricht, dass die Sperrung schnellstmöglich aufgehoben werde, sobald sie nicht mehr erforderlich ist. Nach jetzigem Stand ist ein Ende der Bauarbeiten für den 28. Oktober geplant.

Als Grund für die Sperrung der Godehardbrücke sagt Kimyon: „ Die Baustelle wurde aufgrund der Verlegung der Fernwärmeleitung und Stromleitungen eingerichtet. Die Sondierungen werden aufgrund der Maßnahme durchgeführt.“ Der Errichtung einer Behelfsbrücke erteilt Kimyon eine Absage: Aufwand und Kosten würden den Nutzen bei Weitem übersteigen. Anwohner Sven Bossmann sagt dazu: „THW oder Bundeswehr wären auf kurzem Dienstwege hier bestimmt bereit, Hilfe zu leisten.“

Als unflexibel und maximal bürgerunfreundlich bezeichnet auch Anwohner Sven Bossmann die Maßnahme. Er versteht, dass während der Sondierungen nach Bombenblindgängern kein Durchgang über die Brücke möglich ist. Eine Sondierungsbohrung dauere aber bei Weitem nicht zwei Monate, sondern wenige Stunden oder Tage, sagt Anwohner Bossmann. (Stefan Rampfel)

Stadtbusse fahren nicht durch Pfalz-Grona-Breite: 700 Meter Fußweg zur Haltestelle

Es gibt ein weiteres großes Ärgernis durch die Sperrung der Godehardbrücke: Die Linien 11 und 12 der Göttinger Verkehrsbetriebe fahren seit mehr als acht Wochen nicht mehr durch die Pfalz-Grona-Breite fahren, eine zentrale Straße durch die Weststadt. Anwohner müssen bis zur Ersatzhaltestelle der Stadtbusse an der Königsallee teilweise knapp 700 Meter Fußweg in Kauf nehmen.

Einen wirklichen Grund gebe es dafür im Moment nicht, sagt Anwohner Sven Bossmann. „Ein Grund für die Umleitung wird sein, dass die offizielle Fahrradumleitung des gesperrten Leineradweges über die Pfalz-Grona-Breite geführt wird. Das führt zwangsläufig zu längeren Fahrtzeiten auf dieser Strecke, die wir aktuell aufgrund der großräumigen Umleitung nur schlecht kompensieren könnten“, sagt Stephanie Gallinat-Mecke, Sprecherin der Göttinger Verkehrsbetriebe. Schlecht: Selbst die Hinweisschilder an den betroffenen Bushaltestellen sind seit zehn Tagen nicht mehr aktuell. Dort heißt es, dass die Haltestellen in der Pfalz-Grona-Breite bis zum 9. September nicht bedient werden. In anderen Städten gibt für Haltestellen-Sperrungen professionelle Überzieher für die Schilder, die kenntlich machen, dass dort keine Busse fahren. ysr

Schreiben an die Stadt: Hilflosigkeit und Verärgerung

Göttingen – Aus einem der dieser Zeitung vorliegenden Schreiben der Weststadtkonferenz an die Stadt Göttingen geht hervor, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers hilflos und verärgert sind, weil viel zu wenig zum Sinn und Zweck der Maßnahmen kommuniziert wird.

Anstatt an den Bauzäunen Poster aufzuhängen, die mit Texten transparent machen, warum welche Sperrungen wie lange bestehen bleiben sollen und was dort gebaut wird, nutzen lediglich die verschiedenen Firmen die Gelegenheit, ihre Firma darzustellen. Verständnis bei den Anwohnern erreichte man so nicht. Die Informationen zu den Baustellen und Umleitungen müssten sich Bürger aus dem Internet zusammensuchen, Übersetzungen in verschiedenen Sprachen fehlten.

Die Göttinger Weststadtkonferenz bittet und fordert: „Geben Sie die Godehardbrücke für den Fuß- und Radverkehr frei, damit Menschen, die kein Auto haben, zur Schule, in die Innenstadt oder zum Bahnhof kommen, ohne wahnsinnige Umwege oder stundenlanges Busfahren in die Stadt auf sich nehmen zu müssen.“ Und: Eine komplette Sperrung sollte nur erfolgen, wenn es wirklich nötig ist.

Die im Jahr 1995 ins Leben gerufene Weststadtkonferenz ist ein Zusammenschluss von sozialen Einrichtungen, Vereinen, Initiativen und engagierten Bewohnerinnen und Bewohnern aus der Göttinger Weststadt.

Am morgigen Montag, 19. September, soll im städtischen Ausschuss für Feuerwehr, Ordnung und allgemeine Verwaltungsangelegenheiten über das Thema Kampfmittelverdacht und auch die Sperrung der Godehardbrücke beraten und diskutiert werden. Weitere Informationen gibt es hier. ysr/bsc

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