Schädlingsbekämpfung im Wald

Göttinger Wissenschaftler lockt Fressfeinde des Borkenkäfers mit Duftstoffen an

Ein Herr jüngeren bis mittleren Alters steht in einem Wald vor einem umgefallenen Baum.
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Setzt auf biologische Schädlingsbekämpfung: Dr. Karthi Balakrishnan untersucht Fichten, die der Borkenkäfer angegriffen hat.

Mit biologischen Botenstoffen will der Göttinger Forstwissenschaftler Dr. Karthi Balakrishnan den Borkenkäfer bekämpfen. Er lockt einen seiner Fressfeinde an.

Göttingen – Dr. Karthi Balakrishnan sucht nach Stoffen, die einen Fressfeind des Fichtenwaldschädlings anlocken, den Ameisenbuntkäfer.

Rasant vermehrt hat sich der fünf Millimeter kleine Borkenkäfer in den vergangenen drei Jahren. Sturmschäden und das heiße, trockene Wetter begünstigten seine Ausbreitung. In Südniedersachsen und anderen Teilen Deutschlands hat das Insekt, dessen Larven Gänge unter der Borke bohrt, fast die gesamten Fichtenwaldbestände vernichtet.

Ameisenbuntkäfer ähnelt der Waldameise

Lediglich junge Bäume hat der Käfer verschont. Der aus dem indischen Tamil Nadu gebürtige Balakrishnan, der seinen Master an der Universität Kopenhagen gemacht hat und seit 2010 in Deutschland forscht, setzt auf biologische Schädlingsbekämpfung.

Der 36-Jährige ist Experte auf dem Gebiet der Neurophysiologie von Insekten. Er sucht mit einer speziellen Technik, der nur von wenigen beherrschten Elektroantennographie, nach Botenstoffen. Dabei wird die Reaktion eines Insekts auf Duftstoffe durch Ableitung der elektrischen Signale an den Antennen des Tieres erfasst.

Balakrishnan sucht nach Substanzen, die den Ameisenbuntkäfer anlocken. Dieses Raubinsekt ähnelt in Färbung, Gestalt und Beweglichkeit der Waldameise.

Eier-Ablegen von April bis Juni – Verpuppen im Herbst

Wenn an warmen Frühlingstagen die Borkenkäfer ausschwärmen und sich auf Fichten niederlassen, packt sie der Buntkäfer blitzschnell. Mit seinen Kauladen, den sogenannten Mandibeln, entfernt das Raubinsekt gewandt Schild und Deckflügel des Fichtenschädlings. So gelangt er an dessen Weichteile, von denen er sich ernährt.

Das Buntkäfer-Weibchen legt zwischen April und Juni seine Eier nahe von Borkenkäfergängen ab. Die rosafarbenen, sehr flinken Larven fressen Larven, Eier und Puppen der Borkenkäfer. Im Herbst verpuppen sie sich. Die jungen Buntkäfer schlüpfen dann im Frühjahr.

„Die Raubinsekten lassen sich eventuell mittels synthetisch hergestellter Botenstoffe dahin lenken, wo der Borkenkäfer Fichtenbestände vernichtet“, erläutert Balakrishan seinen Ansatz.

Verfahren soll in kommenden Jahren Martktreife erlangen

Drei Jahre lang hat er an der Abteilung für Forstzoologie und Waldschutz der Uni Göttingen in einem Forschungsprojekt nach geeigneten Botenstoffen gesucht. Professor Niko Balkenhol betreute ihn.

„Nun können Feldversuche beginnen, um das Verfahren in den kommenden Jahren zur Marktreife zu entwickeln“, sagt der Wissenschaftler. Es würde dann bereits vorhandene Bekämpfungsstrategien ergänzen. Bisher suchen Förster im Frühjahr nach Bäumen, die vom Borkenkäfer befallen sind.

Sie fällen sie, bevor die nächste Käfergeneration schlüpft. Bei einem anderen Verfahren, locken sie die Schadinsekten mit sogenannten Pheromonen in Fallen. Balakrishnan wechselt im Frühjahr an der Universität Göttingen in die Abteilung Agrarentomologie von Professor Michael Rostás. (Michael Caspar)

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