Vorlesungsreihe

Schaltjahre des Pop: Als Revolverhelden die Kinos beherrschen

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Harter Hund und schöne Frau: Szene aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ mit Charles Bronson als Mundharmonika-Spieler und Claudia Cardinale als Jill.

Göttingen. Thomas Boyken von der Universität Tübingen befasste sich im Rahmen der Vorlesungsreihe „1967/68 als Schaltjahre des Pop“ mit dem Männlichkeitsbild im Westernfilm „Spiel mir das Lied vom Tod“.

Er zeigte, warum der Film ein Meilenstein seines Genres darstellt. Fast jeder kennt die Anfangssequenz von „Spiel mir das Lied vom Tod“. Und selbst, wer den Italo-Western von Regisseur Sergio Leone nie ganz gesehen hat, kennt die Melodie des Liedes vom Tod, die zum Markenzeichen des Westerns schlechthin geworden ist.

120 Zuschauer kamen am Montag zu Thomas Boykens Vortrag und ließen sich ausgiebig mit Ausschnitten aus dem Meilenstein des Western-Genres verwöhnen.

Boyken zeigte, dass „Spiel mir das Lied vom Tod“ einen Trennstrich zwischen alte und neue Western zog: In diesen 165 Minuten ging es nicht mehr um die sagenhafte „Eroberung“ des Westens und die Cowboys waren keine edelmütigen Helden mehr, sondern sie waren ungepflegte Gesellen mit dem Hang zur Selbstjustiz. Doch mit einer allgemeinen Analyse der Handlung gab sich Boyken nicht zufrieden, sondern er übertrug seinen Forschungsschwerpunkt, Darstellungen von Männlichkeitsidealen, auf „Spiel mir das Lied vom Tod“. So zeigte er seinem Publikum nicht nur, dass der Film ebenso wie andere vor ihm ein Männlichkeitsideal zementierte, das schon US-Präsident Theodore Roosevelt, selber großer Cowboy-Fan, im amerikanischen Mythos vom Wilden Westen zu erkennen geglaubt hatte.

Boyken fand in ausgewählten Szenen auch Belege dafür, dass hier das alte Männlichkeitsideal ironisch kommentiert wurde. Das Publikum konnte auf diese Weise erkennen, dass „Spiel mir das Lied vom Tod“ nicht nur zurecht oft als möglicherweise letzter großer Westernfilm bezeichnet wird, sondern auch den Übergang zu all den Western, die nach ihm kamen, erst ermöglichte – von Terence Hill und Bud Spencer bis Clint Eastwood. Für das neu erlangte Wissen bedankten sich die Anwesenden mit langem Applaus bei Thomas Boyken.

Nach dem Jahreswechsel wird die Vortragsreihe mit Vorträgen über den Wandel der amerikanischen Popmusik in den Jahren 1967/68 und Roman Polanskis „Rosemary’s Baby“ fortgesetzt.

Weitere Infos gibt es im Internet.

Von Tammo Kohlwes

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