Flyer hat womöglich provoziert

Schaukasten einer linken Studenten-WG zerstört

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In dem zerstörten Schaukasten hing unter anderem ein Flyer (hier das Titelbild) der Gruppierung „Basisdemokratische Linke Göttingen“, der sich kritisch mit Burschenschaften und anderen Verbindungen auseinandersetzt.

Mehrere Bewohner eines Verbindungshauses sollen am Dienstag einen Schaukasten zerstört haben. Die Täter sollen aus einem Burschenschaftshaus kommen. 

Im Juli 2015 erregte ein Vorfall in der Göttinger Innenstadt großes Aufsehen: Ein Bewohner eines Burschenschaftshauses gab mit einer Soft-Air-Waffe mehrere Dutzend Schüsse auf ein gegenüberliegendes Studentenwohnheim ab, in dem Angehörige der linken Szene in einer Wohngemeinschaft leben. Mehrere Plastikgeschosse flogen durch das geöffnete Fenster in einen Raum, in dem gerade mehrere Musiker probten.

Fast auf den Tag genau vier Jahre später soll es nun einen neuen Angriff auf das Haus gegeben haben. Mehrere Bewohner des Verbindungshauses hätten am Dienstagabend einen Schaukasten zerstört, heißt es in einer Pressemitteilung der so genannten Wohnrauminitiative Göttingen. 

Die Angreifer hätten den Infokasten durch Tritte und Schläge aus der Verankerung gerissen und seien dann in den Eingang der Burschenschaft zurückgerannt.

Eine Strafanzeige ist in Vorbereitung

Der Polizei war der Vorfall am Donnerstag noch nicht bekannt. Es liege weder eine Mitteilung noch eine Strafanzeige vor, teilte Polizeisprecherin Jasmin Kaatz auf Anfrage mit. Für die polizeiliche und justizielle Verfolgung einer Sachbeschädigung sei ein Strafantrag erforderlich. 

Das Staatschutzkommissariat werde die Pressemitteilung der Wohnrauminitiative zum Anlass nehmen, den Fall zur weiteren Bewertung und Prüfung hinsichtlich des „öffentlichen Interesses an einer Strafverfolgung“ der Staatsanwaltschaft vorzulegen. 

Nach Angaben der Wohnrauminitiative ist eine Strafanzeige in Vorbereitung. Diese solle noch am Donnerstag gestellt werden.

Die Schüsse auf das Wohnheim hatte damals ein 22-jähriger Student der Volkswirtschaftslehre abgegeben, der zeitweilig in dem Verbindungshaus gewohnt hatte und auch Mitglied der Burschenschaft Germania gewesen war. Das Amtsgericht Göttingen verurteilte ihn deshalb zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 20 Euro (insgesamt 1800 Euro).

Die Burschenschaft Germania hatte sich damals von der Tat distanziert und ihr Bedauern darüber ausgedrückt, dass das „ohnehin angespannte Verhältnis zwischen der linken Szene und den Göttinger Studentenverbindungen weiter aufgeheizt“ worden sei. 

Flyer als möglicher Anlass

Eine Sprecherin der Wohnrauminitiative erklärte nach dem neuen Vorfall, dass es in der Burschenschaftsszene „eine kollektive Abneigung gegen progressive politische Inhalte“ gebe und diese „offenbar auch gemeinsam gewaltvoll ausgelebt“ werde.

Anlass für die Tat könnte möglicherweise ein Flyer der Gruppierung „Basisdemokratische Linke“ gewesen sein, der in dem Schaukasten aushing. 

Unter der Überschrift „Friends don‘t let friends become Burschis“ wird darin Kritik an dem Weltbild und den Strukturen von Burschenschaften und anderen Verbindungen geübt.

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