"Das Wunder von Bern"-Star kommt im August nach Göttingen

Schauspieler Peter Lohmeyer im Interview: „Die Fans werden entmündigt“

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Peter Lohmeyer: Im vergangenen Jahr spielte der 54-Jährige in einer Heidi-Verfilmung mit. Im August ist der Schauspieler in Göttingen zu Gast.

Göttingen/Lyon. Schauspieler Peter Lohmeyer wurde durch den Film „Das Wunder von Bern“ berühmt und ist ein großer Fußballfan.

Er arbeitet zurzeit in Frankreich, füllt erstmals eine Sprachrolle in der Mozart-Oper „Die Entführung aus dem Serail“ aus. Gegenüber der HNA schildert er seine persönlichen Erlebnisse und Empfindungen mit der Euro 2016. Außerdem kann man ihn im August in Göttingen erleben.

Peter, du hast während der EM in Frankreich gearbeitet – war das Zufall oder Absicht? 

Peter Lohmeyer: Das ist ein schöner Zufall gewesen, dass ich zur Europameisterschaft hier in Frankreich, in Lyon, zu tun hatte.

Wie empfandest du die Euro und das Drumherum, was ist Dir aufgefallen? Du bist ja Fan des FC Schalke 04, der auf einem Fragebogen auf die Frage, was soll auf Deinem Grabstein stehen, die großartige wie legendäre Antwort gegeben hat: Steh auf, wenn Du Schalker bist. 

Lohmeyer: Es gibt blöde und nicht so blöde Fußballfans. Ich kriege die Krise, wenn ich morgens die Fans besoffen durch die Stadt ziehen sehe. Ich trinke auch gern ein Bier. Aber: Um Stimmung zu machten, musst Du Dir doch nicht vollends die Kante geben. Du willst Dich doch hinterher noch an das Spiel erinnern, für das Du tausend Kilometer gereist bist. Ich will jetzt hier auch nicht rummeckern.

Aber es gibt doch viele positiver Schlachtenbummler, wie die Iren, Nordiren oder Waliser....

Lohmeyer: Genau. Neulich hatten die Nordiren auch schon schwer einen im Tee. Einem Kumpel von mir, der Opernsänger und mal spontan eben O´ Sole mio in der Stadt anstimmte, haben die Nordiren mit einem „You are Pavarotti“ hochleben lassen. Das ist das Schöne.

Auf der anderen Seite gibt es die brutalen Schläger, die Gewalttäter... 

Lohmeyer: Die Gewalttäter aber sind Honks, die man kaum mehr gesund bekommt. Es sind oft Perspektivlose, für die man nichts tut. Ob in England oder Russland. Und völlig mies ist hier in Frankreich mal wieder, dass die mafiöse UEFA und FIFA alles bestimmt, auch die Bilder, die im Fernsehern gezeigt werden.

Man darf noch nicht mal einen Tee mit ins Stadion nehmen. Die Fans werden entmündigt: Die Verbände und Vermarkter bestimmen, wie wir im Stadion Spaß haben. Vor allem, wenn sie wie beim Halbfinalspiel Portugal gegen Wales in Lyon ihre blöde Stadionmusik durchdudeln, anstatt die Fans Stimmung machen zu lassen.

Beim Göttinger Kultursommer ist Peter Lohmeyer am Sonntag, 14. August, ab 19 Uhr zu Gast. Er präsentiert im Deutschen Theater eine szenische Lesung zum Thema Migration mit Texten von Magnus Enzensberger und dem Bestseller-Autor Jan Weiler. Für die Lesung gibt es noch Karten an der Kasse des Deutschen Theaters und anderen Vorverkaufsstellen in Göttingen sowie im Internet. (tko)

www.reservix.de

Zur Person 

Peter Lohmeyer (54) erhielt von 1982 bis 1984 Schauspielunterricht an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum. Lohmeyer ist ein großer Fußballfan. Aus seiner Zeit in Hamburg-Ottensen ist er Anhänger des Clubs Altona 93. Einem breiten Publikum wurde er mit Die Straßen von Berlin (1995 bis 1998) und Das Wunder von Bern. (bsc)

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