Schnell-Test: Gefährlichen Keimen den Schrecken nehmen

Ein multiresistenter Keim: Am MPI für biophysikalische Chemie in Göttingen wird ein Schnelltest entwickelt. Foto: nh

Göttingen. Den gefürchteten multiresistenten Keimen die Gefährlichkeit zu nehmen, daran arbeiten viele Wissenschaftler – auch in Göttingen.

Ein Verbundprojekt wird von Thomas Burg vom Göttinger Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie (MPI) koordiniert, es könnte in wenigen Jahren einen neuen Schnelltest hervorbringen. Die gefährlichen Keime sollen dann bereits nach drei bis vier Stunden nachweisbar sein. Bislang dauert das 24 bis 48 Stunden.

Dr. Thomas Burg

Mit im Boot sitzt für die Industrie Mahavir Singh von der Firma Lionex GmbH in Braunschweig. Sie wollen die multiresistenten Keime schneller und genauer nachweisen, ein empfindlicheres Verfahren entwickeln, das auch in kleineren Krankenhäusern und Arztpraxen eingesetzt werden kann.

Gefördert wird das auf drei Jahre angelegte Projekt „KeimOut“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Photonik Forschung Deutschland“. Das MMPF steuert 2,3 Millionen Euro der 3,9 Millionen Euro Gesamtkosten bei.

Viele Infizierte

Die Keime sind gefährlich: Mindestens 10 000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an Keimen, mit denen sie sich in Krankenhäusern infiziert haben. Und: Die Dunkelziffer der Fälle scheint nicht unerheblich zu hoch zu sein. Besonders gefährlich sind multiresistente Bakterien, die gleich gegen mehrere Antibiotika unempfindlich sind und sich nur schwer bekämpfen lassen. Umso wichtiger ist dabei die schnelle Erkennung. Problem: Die Nachweisverfahren sind zeitaufwändig. „Bislang muss man die Bakterien auf speziellen Nährböden 24 bis 48 Stunden wachsen lassen“, erklärt Lionex-Gründer Mahavir Singh.

Entsprechend spät können Ärzte mit der Therapie beginnen. Zwar sind mehrere automatisierte Labor-Systeme auf dem Markt, mit denen sich die Erreger schneller identifizieren lassen, aber keines ist nach Aussage von Thomas Burg für den Einsatz vor Ort in Arztpraxen und kleineren Krankenhäusern geeignet. „Alle sind für große diagnostische Labore konzipiert“ sagt Burg, Leiter der Forschungsgruppe Biologische Mikro- und Nanotechnologie am MPI.

„KeimOut“ soll nun einen Test hervorbringen, der Bakterien innerhalb weniger Stunden nachweist und der ohne aufwändige Technik unkompliziert einsetzbar ist.

Schnell und sicher

Neu ist, dass das Verfahren die Keime nicht nur schnell und sicher nachweisen soll, sondern auch deren Wachstum unter Anwesenheit von Antibiotika und die Vermehrung in Echtzeit genau messen können. Das soll mit Hilfe eines „optofluidisches Detektionsverfahren“ gelingen.

Die Echtzeitmessung wird durch die Kombination von optischen Verfahren mit Mikro- und Nanotechnologien möglich.

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