Schnelles Urteil: Seriendieb muss für zehn Monate ins Gefängnis

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Göttingen. Ende vergangener Woche war ein Seriendieb festgenommen worden. Die Verurteilung folgte schon am Donnerstag.

Wie soll der Staat mit Asylbewerbern umgehen, die straffällig geworden sind? Das Amtsgericht Göttingen hat am Donnerstag gezeigt, dass dem Rechtsstaat auch gegen solche Straftäter ein wirkungsvolles Instrumentarium zur Verfügung steht: Eine Woche, nachdem die Polizei einen 28-jährigen Asylbewerber aus Marokko nach einer Serie von Ladendiebstählen in der Göttinger Innenstadt festgenommen hatte, machte das Gericht ihm in einem beschleunigten Verfahren den Prozess. Am Ende der eineinhalbstündigen Verhandlung verurteilte es den Angeklagten zu zehn Monaten Freiheitsstrafe.

Das Gericht ging mit seinem Urteil noch über den Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die eine Haftstrafe von sieben Monaten gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf eine sechsmonatige Freiheitsstrafe plädiert. Eine Strafaussetzung zur Bewährung stand nicht zur Debatte. Allein aus Gründen der Generalprävention sei eine Freiheitsstrafe notwendig, sagte Amtsrichter Ehsan Kangarani. Ein längerer Vollzug sei nötig, damit der Angeklagte verstehe, dass Diebstähle und andere Straftaten in Deutschland bestraft werden. Bereits im Dezember hatte das Amtsgericht Hannover den 28-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen verurteilt. Dieses Urteil hatte ihn offensichtlich nicht beeindruckt. In dem neuen Prozess war er wegen 13 Diebstählen und zwei Sachbeschädigungen angeklagt, die er zwischen Mitte Dezember bis Mitte Januar in Göttingen verübt hatte.

Den Ermittlungen der Polizei zufolge war der 28-Jährige Ende 2014 nach Deutschland eingereist. Zuvor soll er vier Jahre in Frankreich gelebt haben. Kurz nach seiner Einreise habe er die ersten Straftaten begangen, berichtete ein Polizeibeamter. In Niedersachsen sei er 52mal auffällig geworden. Es habe diverse Polizeieinsätze gegeben, weil er gemeinsam mit marokkanischen Mitbewohnern in der ihm zugewiesenen Unterkunft in Göttingen „alles aufgemischt“ habe.

Für die Hauptverhandlung hatte der Richter verschärfte Sicherheitsvorkehrungen angeordnet, weil der Angeklagte in der Nacht zuvor in seiner Gefängniszelle randaliert hatte. Er wurde von zwei Wachtmeistern in Hand- und Fußfesseln vorgeführt. Der 28-Jährige räumte die Vorwürfe ein. Nach dem Urteil sagte er: „Ich möchte nach Hause.“ Inzwischen ist gegen ihn eine neue Anklage wegen sieben weiterer Taten anhängig. (pid)

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