Volksheimstätte ist beliebt bei Mietern: Schön und günstig wohnen

Modern, stadtnah und doch im Grünen: Neubauten der Volksheimstätte Göttingen „Im Hassel“ in Weende. Die Dachgeschosse wurden in Holzbauweise aufgesetzt. Foto: Michael Mehle

Göttingen. Die Volksheimstätte Göttingen steht prima da, hat Projekte beendet, neue in Planung und verzeichnet einen Mitgliederzuwachs. Die Mieter sind zufrieden, aber Geldanleger wittern die Chance, ihre Einlagen konstant gut verzinsen zu können. Doch sie sind als Mitglieder nicht erwünscht.

„Mancher sagt ganz offen, was er will: viel Geld anlegen und Geld damit verdienen“, sagt Thorsten May, Vorstand der Volksheimstätte Göttingen und dort zuständig für die Finanzen. May sagt aber auch, dass diese potenten Einsteiger, die von irgendwo aus der Republik kommen und gehört haben, dass eine sichere Kapitalrendite von zuletzt konstant vier Prozent zu erwarten ist, keine Chance haben.

„Wir wollen unser Kapital nicht unendlich aufstocken und irgendwann die Verzinsung senken müssen.“ Der faire Umgang mit den Mitgliedern sei eine Prämisse der Volksheimstätte, sagt Vorstand Heike Klankwarth. Deshalb sind die Anteile auf drei pro Mitglied limitiert, ein Anteil kostet 620 Euro.

Und die meisten der 5000 Mitglieder, die Mieter, der Volksheimstätte Göttingen geben das Vertrauen zurück, sie sind treu. „Unsere Bewohner wohnen sehr lange bei uns“, sagt Heike Klankwarth. Die Architektin ist auch für die Projekte zuständig.

Zuletzt, Ende Juni, wurde der Neubau der Häuser im Stadtteil Weende an der Straße „Im Hassel“ beendet. Entstanden sind dort 24 Wohnungen mit zwei bis vier Zimmern und einer Größe von 45 bis 115 Quadratmetern.

Mit den konservativen Vorstellungen, die Volksheimstätte bietet günstigen Wohnraum im einfachen Zuschnitt ohne Extravaganzen, haben die Projekte heute nicht mehr viel gemein. Aber günstig ist das Wohnen immer noch: Im Durchschnitt kostet die Volksheimstätten-Wohnung in Göttingen 4,90 Euro. Im Neubau aber ist das nicht mehr zu halten, wie Heike Klankwarth sagt. Grund und Boden sind knapp und deshalb teuer in Göttingen. „Es gibt kaum

Starkes Team: Thorsten May und Heike Klankwarth leiten die Geschicke der Volksheimstätte Göttingen im Vorstand. Foto: nh

Flächen für Neubauten.“ Und die Bauauflagen seien hoch, stetig würden Vorschriften, so bei der Dämmung, verschärft. Folge: Die Baukosten steigen. Dennoch will die Volksheimstätte auch weiter Neubauwohnungen schaffen. Das sei notwendig, weil immer mehr Wohnungen in Göttingen fehlen, wie Klankwarth sagt.

„Aber unser Fokus liegt auf der Modernisierung von Beständen.“ Und dabei sind Planer und Volkheimstätten-Verantwortliche innovativ, nicht nur in Bezug auf energieeffizientes Bauen: „Wir wollen Besonderes und gleichzeitig Bezahlbares bieten.“ So gibt es zweigeschossige Wohnungen und Appartements ganz oben - wie „Im Hassel“ oder im „Windausweg“. Dort hat die Volksheimstätte mit den anderen beiden genossenschaftlichen Wohnungsunternehmen Göttingens erstmals in großem Stil kooperiert. „Das war nicht immer einfach, aber unter dem Strich enorm wertvoll“, beschreibt Klankwarth den spannenden Prozess. Er sei ein Fingerzeig für die Zukunft - auch, um Risiken zu verteilen. Denn die Volksheimstätten-Mitglieder sollen ja weiter anständige Dividenden erhalten.

Hintergrund

Die Volksheimstätte eG wurde am 1. März 1948 gegründet. 66 Jahre leistet die Genossenschft wohnungspolitische Arbeit in Stadt und Landkreis. Die Wohnungsbaugenossenschaft kann Immobilien in allen Rechts- und Nutzungsformen errichten, erwerben, bewirtschaften und betreuen. Als einzige Baugenossenschaft in der Stadt Göttingen beschäftigt sich die Volksheimstätte eG neben dem Mietwohnungsbau auch mit dem Bau von Eigentumswohnungen.

Im Bestand sind aktuell mehr als 2500 Wohnungen und mittlerweile mehr als 1400 Eigentumswohnungen. Die Volksheimstätte betreut: auch viele Garagen, Carports und PKW-Stellplätze. Die Wohngebiete liegen im stadtnahen Bereich sowie in den Stadtteilen Geismar, Treuenhagen, Weende, Grone, Nikolausberg, Holtenser Berg und Holtensen. Im Landkreis Göttingen bieten sie Wohnungen in Bovenden, Rosdorf, Reinhausen und Obernjesa an.

Die Volksheimstätte Göttingen hat 5000 Mitglieder und beschäftigt 30 Mitarbeiter. Geschäftsführende Vorstände sind Heike Klankwarth (50) und Thorsten May (48). Der Vorsitzender des Aufsichtsrats ist Andreas Bartsch. Ein Geschäftsanteil kostet 620 Euro. Die Zahl der Anteile ist für jedes Mitglied ist auf drei begrenzt.

Von Thomas Kopietz

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