Vom Bezirksschornsteinfeger  zum Energiemanager

Bringen sieben Jahre Glück: Die neuen Bezirksschornsteinfeger sind von Landrat Bernhard Reuter (3. v. re.) bestellt worden. Hintere Reihe von links nach rechts: Rainer Borchert, Ronal Weber, Bernd Hoffmann, Dieter Büntge, Jürgen Schäfer und Torsten Knüdel und Uwe Lust Poller. Vorn zu sehen sind ebenfalls von links nach rechts Jens Herrmann, zuständiger Sachgebietsleiter Göttingen, Martin Jentsch und Henning Meyer. Foto: Paul

Göttingen. Sie sind mehr als nur Kaminkehrer und Glücksbringer: Neun Bezirksschornsteinfeger hat Landrat Bernhard Reuter am Dienstag in ihre Kehrbezirke bestellt.

Sie sind heutzutage in Göttingen und Umland auch Berater in Sachen Brandschutz und Energiemanager. „Das Berufsbild des Schornsteinfegers hat sich über die Jahre deutlich gewandelt“, sagte auch Dieter Büntge, technischer Innungswart und Bezirksschornsteinfeger im Kehrbereich Göttingen/Land 12. „Die Einsatzbereiche gehen von Bauabnahmen über Emissionsschutz- und Energieberatung hin zu Heizungschecks in Altbausanierungen.“ Aber natürlich stünden auch noch die klassischen Kaminkehrarbeiten auf dem Programm.

Bernhard Reuter eröffnete seine Laudatio mit den Worten „Es ist schön, heute unter gleich neun neuen Glücksbringern zu sein.“ Sie hätten ihre Posten als Bezirksschornsteinfeger durch „Eignung, Befähigung und fachliche Leistungen“ verdient. Früher seien die Stellen über Wartelisten besetzt worden. „Das hat verhindert, dass sehr fähige Kollegen bereits in jüngeren Jahren diese Posten bekommen haben“, so der Landrat.

Allein in den neu besetzten Kehrbezirken seien die Kaminkehrer für etwa 43 000 Gebäude zuständig. Die neuen Bezirksschornsteinfeger bekleiden ihr Amt von Januar 2015 bis Ende Dezember 2021. Dann werden die Stellen wieder ausgeschrieben.

Innungswart Büntge erklärte außerdem, dass in Deutschland durch kompetente Schornsteinfegerarbeit jährlich Brand- und sonstige Gebäudeschäden in Höhe von 2,5 bis drei Milliarden Euro verhindert werden können.

Doch davon, dass die Bezirksschornsteinfeger durch eine deutliche Verringerung ihrer Kehr-Monopolstellung mehr Konkurrenz in Kauf nehmen müssten, will Büntge nichts wissen: „Zum einen hatten wir nie eine Monopolstellung als Kaminkehrer, wir können uns beispielsweise auch als Energieberater im Handwerk sehr frei bewegen. Zum anderen zählt letztlich die Qualität der Brandschutzarbeit und nicht, welcher Schornsteinfeger dafür sorgt.“

An dieser Stelle führte Landrat Reuter das Negativbeispiel der Fliesenleger aus: „Sie konnten durch EU-Beschlüsse einfach aus den Innungen heraus treten. Unzählige Ich-AGs wurden gegründet und darunter litt oft die Qualität. Denn im Prinzip durfte einfach jeder Fliesen verlegen.“

Reuter hofft daher, dass die Europäische Union diese Art von „Modetrend“ nicht auch auf die Bezirksschornsteinfeger anwendet. Denn diese genießen nach wie vor einige Hoheitsrechte im Dienste der Sicherheit.

„Feuerstättenschau und Abnahme von Feuerungsanlagen sind bislang immer noch Aufgabe der Bezirksschornsteinfeger“, so Büntge. „Diese Arbeiten sind verbindlich, verpflichtend und in speziellen Formularen dokumentiert.“ Kehr- und Messarbeiten hingegen könne jeder Wunsch-Schornsteinfeger erledigen, müsse aber alles entsprechend auf einem Formblatt festhalten. „Damit sind alle Seiten rechtlich abgesichert.“

Von Jasmin Paul 

Hintergrund: Neue Bezirksschornsteinfeger für neun der sechzehn Kehrbezirke

Landrat Reuter hat folgende Bezirksschornsteinfeger in ihre Kehr-Gemeinden bestellt:

• Henning Meyer: Hann. Münden Kernstadt und Ortsteil Bonaforth; Staufenbergs die Ortsteile Lutterberg und Sichelnstein

• Bernd Hoffmann: Hann. Münden Kernstadt und Ortsteile Bursfelde, Gimte Glashütte, Hemeln, Mielenhausen, Volkmarshausen

• Jürgen Schäfer: Hann. Münden Kernstadt und Ortsteile Hedemünden, Laubach und Olberode

• Ronal Weber: Teile der Stadt Duderstadt und Ortsteile Breitenberg, Brochthausen, Fuhrbach, Hilkerode, Langenhagen und Mingerode, Rhumspringe aus der Samtgemeinde Gieboldehausen

• Martin Jentsch: Stadt Duderstadt Ortsteil Desingerode, aus der Samtgemeinde Radolfshausen die Orte Krebeck, Bösinghausen, Ebergötzen, Falkenhagen, Holzerode, Landolfshausen, Mackenrode, Potzwenden, Teile von Seeburg, Seulingen und Waake

• Uwe Lutz Poller: Flecken Bovenden mit Ortsteilen Eddigehausen und Reyershausen, Ortsteil Angerstein in Nörten Hardenberg

• Rainer Borchert: Flecken Adelebsen mit Ortsteilen Erbsen, Lödingsen und Wibbecke sowie Uslar mit den Ortsteilen Ahlbershausen, Allershausen, Fürstenhagen, Offensen, Schoningen und Verliehausen

• Dieter Büntge: Gemeinde Friedland - Ortsteile Ballenhausen, Groß und Klein Schneen, Lichtenhagen, Ludolfshausen, Niedernjesa, Reiffeinhausen, Stockhausen, Ortsteil Ischenrode der Gemeinde Gleichen und die Gemeinde Rosdorf mit Obernjesa, Sieboldshausen und Teilen von Rosdorf

• Torsten Knüdel: Gemeinde Gleichen mit den Ortsteilen Beienrode, Benniehausen, Bischhausen, Bremke, Gelliehausen, Groß und Klein Lengden, Kerstlingerode, Niedeck, Reinhausen, Rittmarshausen, Sattenhausen und Wöllmarshausen (jap)

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