Schreibende Roboter und schlaue Prothesen

Natürlichere Bewegungen: Jörg Othmer ist von der computergestützten Handprothese aus Göttingen begeistert. Foto: Niemann

Göttingen. Über Forschungen auf dem Gebiet der computergestützten Neurowissenschaften in Göttingen informierte sich Ministerpräsident Stephan Weil.

Ganz gleichmäßig führt der Roboter den Stift. Als er fertig ist, hebt er den Greifarm wieder nach oben. Ministerpräsident Stephan Weil ist verblüfft: „Ist ja toll!“ Der Roboter hat gerade seine Unterschrift nachgeahmt. Bis auf den i-Punkt hat er die Weil‘sche Handschrift perfekt imitiert.

Der Roboter ist eine Entwicklung von Wissenschaftlern der Universität Göttingen. Weil informierte sich am Montag über die Forschungen des dortigen Zentrums für computergestützte Neurowissenschaften (Bernstein Center for Computational Neurosciences). Die Göttinger Wissenschaftler versuchen, mit mathematischen und theoretischen Methoden die Funktion des Gehirns zu entschlüsseln und diese Erkenntnisse auch für praktische Anwendungen nutzbar zu machen.

Die Göttinger Wissenschaftler haben unter anderem eine mathematische Methode entwickelt, nach der Roboter fließende Bewegungsabläufe wie beispielsweise das Schreiben oder das Greifen nach Gegenständen erlernen können. Professor Florentin Worgötter demonstrierte dem Ministerpräsidenten außerdem einen sechsbeinigen Roboter, der in der Lage ist, Hindernisse zu überwinden.

Ein besonderes Anwendungsgebiet ist die so genannte Neuroprothetik. Die Abteilung von Professor Dario Farina arbeitet an der Entwicklung von „intelligenten“ Prothesen, die auch komplexere Bewegungen ausführen können und eine intuitivere Steuerung ermöglichen. Ein erster Prototyp ist eine neuartige Handprothese, die die Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit dem weltweit führenden Prothesenhersteller Otto Bock in Duderstadt entwickelt haben. Die Göttinger Forscher haben dabei versucht, die komplexen Bewegungsabläufe der Hand in mathematische Formeln, so genannte Algorithmen, zu übersetzen, mit denen sich dann die Prothesen entsprechend steuern lassen.

Jörg Othmer aus Bovenden, der vor 35 Jahren nach einem Arbeitsunfall seine Hand verloren hatte, zeigte sich nach den ersten Tests begeistert. Anders als seien derzeitige Prothese, die mit zwei Elektroden ausgestattet ist, verfügt die neu entwickelte Prothese über acht Elektroden. Damit kann er nicht nur das Handgelenk in verschiedene Richtungen bewegen, sondern auch mehrere Bewegungen gleichzeitig ausführen. Mit nach Hause nehmen kann er das Technikwunder allerdings nicht: Die Prothese gibt es bislang nur als Protoyp. Die Wissenschaftler müssen noch daran experimentieren, bis das Produkt marktreif ist. (pid)

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