Uniklinik hilft Parkinson-Patienten

Hilfe für Parkinson-Patienten: Ein Schrittmacher für das Gehirn

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Hirnschrittmacher: Das mit Batterie betriebene Gerät wird dem Patienten unter dem Schlüsselbein eingesetzt. Das Foto zeigt einen Hirnschrittmacher, mit dem das Gehirn an zwei Stellen gleichzeitig stimuliert werden kann.

Göttingen. Neurochirurgen der Uniklinik Göttingen helfen Patienten, die an der Parkinson-Krankheit oder anderen schweren Bewegungsstörungen leiden.

Wenn das Herz eines Menschen aus dem Takt gerät, setzen ihm Ärzte einen Herzschrittmacher ein. Das gilt mittlerweile als Routineeingriff. Was aber ist, wenn das Gehirn, die äußerst komplexe und empfindliche Schaltzentrale des Menschen, aus dem Gleichgewicht geraten ist?

Die Antwort: Ärzte, auch an der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), helfen Menschen, die an schweren Bewegungsstörungen leiden, zurückzuführen auf absterbende Gehirnzellen. Das betrifft Menschen mit drei unterschiedlichen schweren Bewegungsstörungen: Parkinson-Krankheit, essentieller Tremor (einseitiges Zittern ohne bekannte Ursache) sowie Dystonie. Bei dieser Bewegungsstörung mache der Patient wurmartige Bewegungen, erläutert Prof. Dr. Veit Rohde, Direktor der Klinik für Neurochirurgie an der UMG.

Wenn bei Patienten mit diesen drei Krankheitsbildern Medikamente nicht mehr weiterhelfen, dann beraten sich die behandelnden Ärzte, die Neurologen, mit Prof. Rohde und dessen Team über die Implantation eines Hirnschrittmachers. Das Prinzip: Mit Hilfe von Elektroden, die an einen Stimulator angeschlossen sind, werden leichte Stromstöße in die betroffene Hirnzone geschickt, um so die Bewegungsstörung zu mindern. Der batteriebetriebene Stimulator, etwa so groß wie ein Herzschrittmacher, werde unterm Schlüsselbein implantiert, erläutert Prof. Rohde.

Die Klinik für Neurochirurgie an der UMG gehört zu den sechs größten Implantationszentren in Deutschland. Die anderen sind in Kiel, Berlin, Köln, Bonn und Freiburg. Nahezu jede Woche implantieren die Neurochirurgen der UMG einen Hirnschrittmacher; in der Regel sind die Patienten 60 Jahre und älter.

Sie werden den Göttinger Medizinern hauptsächlich von der Parkinson-Klinik in Kassel zugewiesen, berichtet Prof. Rohde. 80 Prozent der Patienten, die einen Hirnschrittmacher erhalten, sind an Parkinson erkrankt.

Schätzungen zufolge leiden in Deutschland 150.000 bis 200.000 Patienten an der unheilbaren Krankheit.

Von Helmut Krischmann

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