Science Camps im X-Lab

Schüler aus ganz Deutschland experimentieren im Göttinger X-Lab

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Sie sind begeistert von ihrem Experiment: Victoria Stancik (links) und Daniel Ploschke bilden ein Team. Werden auf ihren Proben Bakterien wachsen?

Wie sieht die Arbeit eines Forschers aus? Das können in den Herbstferien Schüler aus ganz Deutschland im Göttinger X-Lab, dem Experimentallabor für junge Leute erleben.

Im „Science Camp“ zur Medikamenten-Chemie wagen sie sich an Versuche. Unter den wachsamen Augen von Dr. Birgit Drabent und Dr. Kristina Wiege isolieren die Schüler aus Umweltproben Bakteriophagen (kurz: Phagen). Das sind Gruppen von Viren, die auf Bakterien als Wirtszellen spezialisiert sind und sie zerstören. Für Menschen sind sie ungefährlich – im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen eine Hilfe.

Victoria Stancik und Daniel Ploschke bereiten ihre vier Proben vor. Dafür haben sie Blätter eingesammelt und sie dann in einem Reagenzglas mit einer Flüssigkeit gemischt. Aus einem Teil der Mischung haben sie Phagen herausgefiltert. Beide Proben kommen in unterschiedliche Petrischalen.

Warten, ob Bakterien wachsen

Dann heißt es warten: Werden Bakterien wachsen? Und wenn ja, wo? „In der Petrischale mit der ungefilterten Probe dürfen Bakterien wachsen, in der mit den Phagen nicht“, erklärt Ploschke. Der Elftklässler kommt aus Paderborn und ist wie Stancik, die aus Unna stammt, zum ersten Mal im X-Lab. Beide begeistern sich für Chemie.

In zwei weitere Petrischalen haben er und Stancik Antibiotika gegeben, nun geben sie jeweils die ungefilterte beziehungsweise die gefilterte Probe dazu. Jeweils werden noch zwei chemische Stoffe zugeführt. Was dann passiert ist entscheidend, denn das Experiment hilft herauszufinden, ob Bakterien gegen Antibiotika resistent sind. In diesem Fall wirkt das Antibiotika nicht. Dann sind die Phagen eine Alternative bei der Bekämpfung.

Einblicke in Forschungsarbeit

Auch Judith Baum aus Berlin und Filippa Dudda aus Verden sind in ihr Experiment vertieft. Ihre Probe enthält Erde von einem Supermarkparkplatz. Sie sterilisieren ein Metallinstrument in der Flamme eines Bunsenbrenners, um damit einen Tropfen von der Probe auf einer Petrischale zu verteilen.

Sie sterilisieren ein Metallinstrument in der Flamme eines Bunsenbrenners: Judith Baum (links) und Filippa Dudda.

Beide Mädchen sind zum ersten Mal im X-Lab. „Solange ich zur Schule gehe, will ich so viel wie möglich mitnehmen, um mir möglichst sicher zu sein, was ich studieren will“, begründet Dudda ihre Teilnahme am Science Camp. Auch Baum, deren Herz für die Naturwissenschaften schlägt, verspricht sich von den Einblicken in die Forschungsarbeit mehr Klarheit im Hinblick auf die spätere Berufswahl. Noch schwankt sie zwischen Biochemie und Pharmazie.

Membranen künstlich herstellen

Obwohl die Phagentherapie ein vielversprechendes Mittel im Kampf gegen antibiotikaresistente Bakterien ist, wird sie laut Wiege in Deutschland noch nicht angewandt. Außerdem lernen die jungen Forscher noch, den unter anderem schmerzstillenden Wirkstoff Acetylsalicylsäure, landläufig als Aspirin bekannt, herzustellen.

Ein Stockwerk tiefer dreht sich alles um Biomembranen. Dort lernen die Schüler unter Anleitung des angehenden Promotionsstudenten Hilko Aljets, Membranen künstlich herzustellen und erfahren, wie sie Neurotransmitter (Botenstoffe) von einer Nervenzelle in die nächste weiterleiten. Einen Einblick in den aktuellen Forschungsstand gibt ihnen Dr. Ingo Mey, Projektleiter im Sonderforschungsbereich an der Uni Göttingen, in seinem Vortrag.

Forschung zum Anfassen für junge Leute

Mehrmals im Jahr veranstaltet das Göttinger Schülerlabor X-Lab auf dem Nordcampus unterschiedliche Camps zu Themen aus den Fachbereichen Informatik, Biologie, Chemie, Physik und Geowissenschaften. Daran teilnehmen können Schüler ab 16 Jahren aus ganz Deutschland. 

Mithilfe von Experimenten bearbeiten sie mehrere Tage jeweils von 9 bis 17 Uhr naturwissenschaftlichen Fragestellungen und kommen in Kontakt mit Naturwissenschaftlern. Sie vermitteln den Schülern auch das theoretische Hintergrundwissen. Anmelden für die Teilnahme über die Homepage.

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