Schüler heizten dem Ministerpräsidenten ein

Sie forderten den Landeschef: Die Max-Planck-Gymnasium-Schüler (von links): Friederike Feindt, Lennart Hurny, Rabea Schmecht, Abdullah Akgül und Cord Lampe diskutierten mit Stephan Weil. Foto: Henniges

Göttingen. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) schaute im Max-Planck-Gymnasium vorbei und musste in einer Diskussion mit Schülern Farbe bekennen - beim Thema Politikverdrossenheit.

Die Politikverdrossenheit vieler junger Menschen nimmt stetig zu. Forschungen zeigen, dass die Bereitschaft für ein politisches Engagement bereits seit Jahrzehnten abnimmt.

Und eben darum ging es in der Diskussion mit Schülern und dem Landeschef auf dem Podium. Sie debattierten rund um die provokante These „Eine wichtige Aufgabe von Politikern besteht darin, junge Menschen für die Politik zu begeistern. Das politische System und seine Akteure haben in dieser Hinsicht versagt.“

Stephan Weil betonte schon zu Beginn, dass der Anspruch einer Gesellschaft sein müsse, die Politik auch selbst in die Hand zu nehmen. Sich zu engagieren, sei dabei eine persönliche Entscheidung.

Dem stimmte die Schülerin Rabea Schmecht zu: „Wir müssen aus unserer eigenen Bequemlichkeit ausbrechen.“

Dass die Zahlen allerdings eine andere Sprache sprechen, wusste Friederike Feindt: „84 Prozent der Jugendlichen glauben an die Demokratie. Nur vier Prozent würden einer Partei beitreten.“

Für die Schüler am Max-Planck-Gymnasium liegt das unter anderem daran, dass die Parteien kaum Angebote für junge Menschen bieten und im Zuge dessen auch die entsprechenden Vertreter der eigenen Altersklasse fehlen.

Der Ministerpräsident sah sich auch mit massiver Kritik an politischen Vorgehensweisen konfrontiert: Große Themen gerieten zu sehr in den Hintergrund, Politiker handelten zu kurzfristig. So auch bei der Einführung der Rente mit 63: „Da wurde einfach der Generationsvertrag gekündigt. Das geschieht alles auf Kosten jüngerer Generationen.“, erklärte eine Schülerin aufgebracht.

Am Ende der teils hitzigen Diskussionsrunde waren sich die Beteiligten nicht ganz einig. Während ein Teil der Schüler einen Bewusstseinswandel innerhalb der jugendlichen Generation forderte, erkannte der andere Teil die Verantwortlichkeit bei der Poltik selbst.

Ministerpräsident Stephan Weil stellte abschließend fest: „Wir sind zu sehr gewöhnt an unsere Demokratie, als das wir sie wertschätzen. Es hat sich das Gefühl eingebürgert, sie entstehe von allein.“

(von Julia Henniges)

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