Workshop in der Funsporthalle Göttingen

Schüler lernen mit dem Rollstuhl zu skaten

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Hat die Rampe in der Skatehalle überwunden: Silas Leander Müller (vorne). Caspar Steines kämpft noch.

Mit dem Rollstuhl Hindernisse überwinden: Das konnten Göttinger Schüler in einem ungewöhnlichen Film-und Rollstuhlskating-Workshop. 

Mia Degener und Caitlin Edel sitzen im Rollstuhl. Für die Sechsklässlerinnen des Hainberg-Gymnasiums ist das eine völlig neue Situation. Zu verdanken haben sie diese ungewöhnliche Erfahrung einem Film- und Rollstuhlskating-Workshop, organisiert vom Verein Blickwechsel und den Rollstuhlskatern David Lebuser und Lisa Schmidt. Er ist Teil des inklusiven Kurzfilmwettbewerbs „ganz schön anders – no limits“.

Vor der Funsporthalle Göttingen: (von links) Mia Degener und Caitlin Edel versuchen, mit dem Rollstuhl eine Bordsteinkante zu überwinden.

Daran nehmen sowohl Schüler der Förderschule am Tannenberg Göttingen als auch des Hainberg-Gymnasiums (HG) teil. Hierfür drehen die Jugendlichen mit und ohne Behinderung in der Göttinger Funsporthalle Dokumentationen über ihre Erfahrungen beim Rollstuhlskating. Technische Unterstützung bekommen sie von den Profis des Vereins Blickwechsel.

Auch David Lebuser, ehemaliger Weltmeister im Rollstuhlskating und amtierender Deutscher Meister gibt den Schülern immer wieder Tipps: „Ihr könnte euch mit dem Rollstuhl im Kreis bewegen, wenn ihr ein Rad rückwärts dreht“, sagt er und macht es gleich vor. Ziel des Workshops ist es laut Markus Götte von Blickwechsel, Kinder mit und ohne Beeinträchtigung zusammenzubringen und ihnen unbefangen zu zeigen, was es bedeutet im Rollstuhl zu sitzen.

Kraft in den Armen notwendig

Obwohl Mia viel Spaß hat, sagt sie: „Ich könnte mir nicht vorstellen, jeden Tag in dem Ding zu sitzen.“ Der Grund: Die Elfjährige musste feststellen, dass es schwierig ist, den klobigen Rollstuhl zu lenken. „Man braucht viel Kraft in den Armen“, sagt Mia. Nebenbei lernen die Schüler, mit welchen Herausforderungen Rollstuhlfahrer im Alltag zu kämpfen haben: Bordsteinkanten, die es zu überwinden gilt und Gullydeckel, in denen die Räder stecken bleiben können.

An diese neuen Hindernisse würden Mia und Caitlin sonst keinen Gedanken verschwenden. Jetzt müssen die Mädchen Geschwindigkeit auf die Räder bringen und den Rollstuhl leicht anheben, um sie zu überwinden. „Wir haben es endlich geschafft“, sagt Mia nach einigen Versuchen. Eine Idee für ihren Kurzfilm haben die beiden Mädchen auch schon: „Wir wollen andere Menschen auf Rolli-Fahrer neidisch machen, und ihnen zeigen, wie cool es ist, wenn man mit dem Rollstuhl skaten kann“, sagt Mia.

Mutig im Rollstuhl: Schüler Mickey Atongo. 

Mutiger als die Mädchen ist Mickey Atongo. Gekonnt verlagert er sein Gewicht und lässt den Rollstuhl nach hinten kippen. Auch in der Funsporthalle wagen sich einige Schüler auf die Rampe – mit den teilweise sperrigen Rollstühlen eine kräftezehrende Angelegenheit. Doch es lohnt sich: „Das macht mehr Spaß als mit dem Skateboard“, sagt Marlon-Elias Ballé. Auch Silas Leander Müller und Caspar Steines haben die Rampe überwunden.

Aus dem Workshop entstehen Kurzfilme

Glücklich mit seinem Platz hinter der Kamera ist Niclas Deeke: „Drei, zwei, eins – los“, ruft er seinem Team zu. Ausgerüstet mit Stativ ist der 12-Jährige ganz in seinem Element und hat seine Jungs fest im Griff. „Es ist wichtig, immer mit der Kamera mitzugehen“, sagt er. Ist die Szene im Kasten, lobt Niclas sein Team.

Hanna Claaßen, Lenka von Edig und Lynn Friesen haben sich für ihre Dokumentation einiges vorgenommen. Um ihren Film aufzuwerten, wollen die Sechsklässlerinnen am HG Detailaufnahmen vom Rollstuhl zeigen: „Zum Beispiel nur eine Hand am Rad“, sagt Hanna. Wenn die Filme gedreht sind, schneiden die Schüler sie in einem zweiten Workshop mit den Blickwechsel-Experten.

133 Schüler-Teams hatten sich beworben

In Niedersachsen hatten sich 133 Schüler-Teams aus Förder- und Regelschulen mit Filmideen für den inklusiven Kurzfilmwettbewerb „ganz schön anders – no limits“ beworben. Dazu aufgerufen hatte der Göttinger Verein für Medien- und Kulturpädagogik Blickwechsel.

 50 Teams durften am Ende teilnehmen, darunter die Förderschule am Tannenberg und das Hainberg-Gymnasiums. Im März 2020 zeichnet eine Jury, die besten bei den Workshops entstandenen Kurzfilme aus. Hauptgewinn ist eine Reise nach Berlin und der Besuch des Filmparks Babelsberg.

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