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Aus Holz wird Plastik: Schüler stellen im Göttinger Xlab Biokunststoff her

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Von: Michael Caspar

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Zwei Schüler experimentieren in einem Labor.
Bio-Bastler: Jugendliche stellen bei der Xlab-Aktion aus Holzabfällen Zellulose her, einen Grundstoff der Biokunststoff-Produktion – hier sind Jakob Rivinius und Philipp Grummann (von links) zu sehen. © Michael Caspar

Kunststoff aus Holz herstellen - gibt es das? Die Antwort lieferten Jugendliche beim Science-Camp des Göttinger Experimentallabors für junge Leute (Xlab).

Göttingen – Geht das überhaupt, Biokunststoff? Während der Osterferien gingen Jugendliche dieser Frage im Science Camp des Göttinger Experimentallabors für junge Leute (Xlab) nach.

„Bisher werden Plastikverpackungen fast ausschließlich aus Erdöl gefertigt“, erklärte Science-Camp-Dozentin Dr. Barbara Ritter den sechs Elft- und Zwölftklässlern. Als Ausgangsprodukt lassen sich auch nachwachsende Rohstoffe einsetzen. Das probierten die Jugendlichen in Experimenten aus.

Die Ökobilanz von Biokunststoffen ist bei einer ganzheitlichen Betrachtung aber nicht zwangsläufig besser als die von Erdöl-Plastik, erkannten die Schüler während der viertägigen Arbeit im Labor. Zum Teil muss bei der Herstellung von Biokunsstoff mehr Energie aufgewendet werden. Auch sind sie nicht grundsätzlich organisch abbaubar.

Zu berücksichtigen ist zudem die Lebensdauer. „Das umstrittene PVC lässt sich zum Beispiel kaum recyceln, dafür ist es aber sehr langlebig“, erläuterte der teilnehmende Elftklässler Philipp Grummann aus dem nordhessischen Bad Arolsen.

Gewonnen werden Biokunstoffe zum Beispiel aus Zellulose, einem Bestandteil von Holz. Sie ist dazu unter anderem vom Lignin zu befreien, das dem Holz seine Stabilität verleiht. Im einem weiteren Schritt werden dann durch chemische Prozesse die Eigenschaften der Zellulose gezielt verändert. Die Schüler stellten Zelluloseazetat her – Fasern, die in Filtern etwa zur Reinigung der Raumluft von Coronaviren, aber auch in der Textilindustrie Verwendung finden.

Die Teilnehmenr des Science Camps befassten sich zudem mit Polymilchsäuren (Polylactide). Dieser Biokunststoff lässt sich aus Traubenzucker und Melasse, einem Nebenprodukt der Zuckerherstellung, gewinnen. Polymilchsäuren kommen in 3D-Druckern zum Einsatz. Kunststoffe, die besonders schlagfest oder dehnfähig sein müssen, lassen sich derzeit noch nicht aus nachwachsenden Rohstoffen fertigen, betonte Dozentin Ritter.

Auf dem Lehrplan stand ferner Mikroplastik. Das sind nur wenige Mikrometer kleine Plastikteilchen. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar misst im Durchmesser 60 bis 100 Mikrometer. Mikroplastik entsteht, wenn Kunststoffe Wind und Wetter ausgesetzt sind, dann entweichen zugesetzte Weichmacher. Das Material wird spröde und brüchig.

Die Jugendlichen wiesen Mikroplastik in Proben von Flusswasser nach. Tiere nehmen es auf. Das Problem: Mikroplastik bindet Schadstoffe, die es im Körper abgibt.

„Ich kann mir gut vorstellen, Chemie zu studieren“, meinte Schüler Grummann aus Bad Arolsen. Ihn hatten Lehrer auf die Veranstaltung aufmerksam gemacht. Beim Surfen im Netz entdeckte Jakob Rivinius aus dem osthessischen Lauterbach das Camp.

Der Schüler steht kurz vor dem Abitur und überlegt, ob er bei seinem Chemiestudium den Schwerpunkt auf Materialwissenschaften und Verfahrenstechnik legen soll. Wieder hat das Xlab möglicherweise ein Forschungstalent entdeckt und auf den Weg gebracht. (Michael Caspar)

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