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Schüler und Rentner richten den Jüdischen Friedhof in Duderstadt gemeinsam her

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Von: Michael Caspar

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Helfer, die den Jüdischen Friedhof in Duderstadt wieder vorzeigbar gemacht haben, stehen auf einem Foto vor Grabsteinen.
Ist nach einem gemeinsamen Arbeitseinsatz von Schülern und Rentnern nun wieder vorzeigbar: der Jüdische Friedhof in Duderstadt. © Michael Caspar

Duderstadts jüdischen Friedhof haben Jugendliche, die die katholische St. Ursula-Schule besuchen, gemeinsam mit einer Rentnergruppe hergerichtet.

Duderstadt - „Seit dem letzten großen Arbeitseinsatz vor knapp 20 Jahren war Gras über den gepflasterten Friedhofsweg gewachsen“, berichtet Hans Georg Schwedhelm, der die sechs Schüler betreute.

Unter Anleitung von Rentner Ulrich Wüstefeld entfernten die jungen und alten Helfer das Gras und verlegten die Steine neu. Eine Tafel nennt nun die dort bestatteten Toten sowie die während des Dritten Reichs ermordeten Duderstädter Juden.

Jüdischer Friedhof: Ginkgo-Baum als Symbol für Frieden und Umweltschutz

Schüler und Rentner pflanzten einen Ginkgo-Baum als Symbol ihres Bekenntnisses zu Frieden und Umweltschutz. Auch der Eingangsbereich erhielt eine neue Tafel, die über den Friedhof informiert.

Einer Box lassen sich dort Handzettel entnehmen. Auf ihnen berichten die Jugendlichen über die Geschichte jüdischer Menschen in Duderstadt und ihre letzte Ruhestätte. Beim Projekt angefallene Kosten – insgesamt 1500 Euro – wurden über das Bundesprogramm Demokratie leben! gedeckt.

Jüdischer Friedhof: Informationen über jüdische Menschen in Duderstadt

„Dass es früher Juden in Duderstadt gegeben hat, habe ich erst im vergangenen Sommer erfahren“, erinnert sich Marcelo Wüstefeld. Damals nahm er mit seinen Mitschülern an einer Stadtführung teil. Die Lehrerinnen Dorothea Gatzemeier (Geschichte/Religion) und Beate Rohland (Religion) hatten sie organisiert. Referent war Hans Georg Schwedhelm.

Gräberstätte: Weide wurde 1870 eingezäunt

Bereits gegen Ende des Mittelalters, von Anfang des 14. bis Anfang des 16. Jahrhunderts, hatte es eine kleine jüdische Gemeinschaft in der Stadt gegeben, erfuhren die Schüler. 300 Jahre später, 1812, siedelten sich erneut Juden an. Als Begräbnisstätte wies ihnen die Stadt in den 1830-er Jahren eine Viehweide zu. Die Tiere würden über die Gräber laufen, beschwerte sich Gemeindevorsteher Moritz Katz 1870 beim Magistrat. Daraufhin wurde der Bereich 1871 eingezäunt.

Nazis ließen 30 Grabsteine entfernen

„Wir haben uns auch mit der Verfolgung der Juden in der Hitler-Zeit beschäftigt“, berichtet Schülerin Joudi Dawood. 1942 wurden die letzten fünf Gemeindemitglieder in Vernichtungslager deportiert. Die NSDAP-Kreisleitung ließ die gut 30 Grabsteine des Friedhofs 1942/43 entfernen. Sie sind seither verschwunden.

Jüdische Frauen: Zwangsarbeit in Rüstungsbetrieb

„Auf dem Friedhof wurden 1944/45 vier ungarische Jüdinnen und ein im Lager geborenes Baby beerdigt“, erfuhr Schüler Samuel Asta. Die Frauen hatten in einem Rüstungsbetrieb in der Stadt Zwangsarbeit leisten müssen. 1953 wurde der ehemalige Friedhof Gedenkort für die Opfer des Nationalsozialismus, wie die Schüler lernten, zu denen noch Philip Neisen, Zejno Qamili und Nenja Schoof gehören.

„Wer die Vergangenheit nicht kennt, versteht die Gegenwart nicht und kann die Zukunft nicht gestalten“, erklärt Bürgermeister Thorsten Feike (FDP). Erfreut über das Projekt zeigt sich Bodo Gideon Riethmüller. Er ist beim Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Niedersachsen für insgesamt 216 Friedhöfe verantwortlich. (Michael Caspar)

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