Kultusministerin zum Schuljahresstart

Schulstart in Niedersachsen: Mehr Lehrer, trotzdem Ausfälle und viel Kritik an Heiligenstadt

+
Der Unterricht in Niedersachen geht bald wieder los: Die Ministerin steht vor Schuljahresstart voll in der Kritik.

Hannover. Kultusministerin Frauke Heiligenstadt steht zum Schuljahresstart schon wieder voll in der Kritik. Sie reagiert, geht in die Offensive und nennt Neuigkeiten.

Ohne „üben, üben, üben“ gehe es nicht, erklärte Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) gestern in Hannover. Damit meinte sie natürlich nicht ihre von Opposition und Lehrerverbänden heftig attackierte Schulpolitik, sondern den Unterricht an den Grundschulen. Ab dem jetzt startenden Schuljahr gelten dort neue Lehrpläne für Deutsch und Mathematik. Wiederholung und Vertiefung bekommen darin einen größeren Stellenwert.

Digitalunterricht

30 ausgewählte Grundschulen vornehmlich im Westen Niedersachsens steigen zudem in den Digital- und Informatikunterricht ein. Dort sollen unter anderem Minicomputer zum Einsatz kommen.

Nicht viel Neues hatte Heiligenstadt zum dürftigen Wert bei der Unterrichtsversorgung zu berichten. Wie schon 2016/17 betrage die Prognose auch für das beginnende Schuljahr 98 Prozent. „Wir streben weiter 100 Prozent an, das wird allerdings ein Kraftakt.“ Mit diversen Mitteln werde man versuchen, Stundenausfällen zu begegnen. „Ja, und dazu gehören auch Abordnungen.“ Diese seien eine „ganz normale personalwirtschaftliche Maßnahme“, verteidigte sie die zeitweisen Versetzungen.

Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD).

Dabei vermeldet das Ministerium mit 837 500 Schülern einen Rückgang um 1119 gegenüber dem alten Schuljahr. Gleichzeitig erreicht die Zahl der im Haushalt festgelegten Lehrerstellen mit 72 000 ein Rekordhoch. „Nie gab es in unserem Bundesland mehr Stellen“, verkündete die Ministerin. Dass die erhöhte Lehrerzahl bei gleichzeitigem Schülerrückgang dennoch nicht die Unterrichtsversorgung verbessere, erklärte sie mit wachsenden Zusatzbedarfen für 74 neue Ganztagsschulen, Sprachförderung oder Betreuungen bei der Inklusion. Der Pflichtunterricht sei gesichert.

Von einem „dreisten Schönreden“ sprach der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte, von einem „Wolkenkuckucksheim“ der Philologenverband, von einem „Offenbarungseid der Ministerin“ die Niedersächsische Direktorenvereinigung.

Heftige Kritik

„Die Unterrichtsversorgung sinkt auf einen dramatischen Tiefpunkt. Wirksame Gegenmaßnahmen sind nicht in Sicht“, kritisierte CDU-Schulexperte Kai Seefried.

Ins gleiche Horn stieß auch der Verband der Elternräte der Gymnasien. Mütter und Väter sollten mit „krampfhaften, unglaubwürdigen Erklärungen“ beruhigt werden, schimpfte der Vorsitzende Hartwig Jeschke. „Jeden Tag fällt Unterricht aus, an jeder Schule in Niedersachsen. Das ist die Realität.“

Lehrer: Bewerber gesucht

Um unter anderem den gestiegenen Anforderungen durch Inklusion und Zuwanderung gerecht zu werden, hatte Niedersachsen 1814 neue Lehrerstellen ausgeschrieben. Davon waren bis gestern lediglich 1550 besetzt, davon 172 durch Quereinsteiger. Besonders bei den Grund-, Haupt- und Realschulen klafft eine Lücke. Hier werden bei insgesamt 632 Stellen noch rund 170 Bewerber gesucht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.