Diebstähle in Kliniken

Schutzmasken sind ein knappes und begehrtes Gut - auch in Göttingen

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Es gibt kaum Nachschub: Schutzausrüstung ist nur schwer zu bekommen.

Göttingen – Die Forderung ist glasklar, auch, wenn sie aktuell schwer erfüllbar ist: Alle Ärzte und Pfleger im Corona-Einsatz müssen nach Ansicht der Ärztekammer Niedersachsen vom Staat mit Schutzkleidung ausgestattet werden.

Niemand könne von Ärzten ohne Schutz verlangen, dass sie an Covid-19 erkrankte Patienten behandelten, sagte die Präsidentin der Kammer, Martina Wenker.

Es könne nicht angehen, dass Praxen schließen müssten, weil Ärzte und Pfleger aus Mangel an Schutzausrüstung selbst krankheitsbedingt ausfielen, kritisierte Wenker. Der Vorrat an Schutzmaterialien aber reicht vielerorts kaum aus, vor allem, wenn die Coronagefahr lange anhalten sollte.

Universitätsmedizin

An der Universitätsmedizin Göttingen (UMG), der größten Klinik der Region, habe man bei der Bevorratung von Schutzkleidung schon vor Beginn der Coronakrise vorgesorgt. Diese sei in ausreichendem Maße vorhanden, heißt es auf Anfrage offiziell. Allerdings haben nach Recherchen unserer Zeitung die Ausstattung des Personals mit Schutzmasken in den vergangenen Tagen im Haus auch für Probleme gesorgt.

Zudem gibt es – und damit steht die UMG nicht alleine da – Schwierigkeiten beim Nachschub, auch wenn Hauptlieferant China wieder produziert. Man sei auf dem Markt unterwegs, aber der sei leer gekauft und die „Preise für Schutzmasken sind enorm gestiegen“, sagt UMG-Sprecher Stefan Weller. Wie lange die Bevorratung in der Uni-Klinik ausreicht, hänge von der Entwicklung ab. „Eine Prognose kann nicht gegeben werden.“ Es komme auf die Intensität und die Länge der Krise und die Zahl der Patienten an, die versorgt werden müssen. „Die Bevorratung kann dann schnell abschmelzen.“

Die UMG steuert intern gegen: Die Herausgabe von Schutzmaterial und Desinfektionsmittel wird kontigentiert – für die klinischen Bereiche und Labore, die diese Materialien tatsächlich benötigen. Auch würden Anforderungen auf Plausibilität und Menge geprüft.

Grund sind Anforderungen über Bedarf hinaus, vor allem auch Diebstähle von Schutzmaterial und Desinfektionsmitteln. „In der Tat sind erhebliche Mengen an Desinfektionsmitteln aus den hausöffentlichen Bereichen, Toiletten und auf Stationen verschwunden“, so Weller. Wer die Dosierflaschen entwendet hat, wisse man nicht. „Wir gehen davon aus, dass auch UMG-Mitarbeitende darunter sind.“ Die Mengen könne man nicht definieren.

Desinfektionsmittel in den Toilettenräumen und hausöffentlichen Bereichen würden nicht nachgefüllt. Eine gründliche Händehygiene mit warmen Wasser und Seife reiche dort völlig aus. Zudem habe man die Mitarbeiter über die Situation und den bewussten Umgang mit den Materialien informiert. „Es muss klar sein, dass sie letztendlich sich selbst an ihrem Arbeitsplatz in einem Krankenhaus oder den Kollegen vor Ort ganz persönlich schaden, wenn das schützende Hygienematerial nicht mehr verfügbar ist.“

Weender Krankenhaus

Ähnlich sieht es im Weender Krankenhaus aus. Sprecher Stefan Rampfel berichtet, dass auch dot ein gesteigerter Verbrauch von Desinfektionsmitteln festzustellen ist. „Vereinzelt kam es in den öffentlich zugänglichen Besuchertoiletten zu Diebstählen von Desinfektionsmittel in kleinen Mengen, in einem Fall gar mit dem zugehörigen Spender.“

Im „Weender“ seien deshalb auch die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden, so wird auch Videoüberwachung eingesetzt. „Ein Mangel herrscht an Desinfektionsmittel und Schutzkleidung herrscht derzeit nicht.“

Atemmasken und Desinfektionsmittel werden auch dort zentral gelagert und „bedarfsgerecht verteilt“. 

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