Weniger Wohnplätze, aber glückliche Eltern

Schwierige Zeiten für das „Elternhaus“: Spenden in der Coronakrise fehlen

Abstand im Haus, wo Nähe gelebt wird: Das Göttinger Elternhaus spürt die Corona-Krise. Von links: Sandra Faust (Psychosoziales Team Elternhaus), Alexandra Yakin, Patrick Kramer und Dagmar Hildebrandt-Linne (Verwaltung/Leitung Elternhaus).
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Abstand im Haus, wo Nähe gelebt wird: Das Göttinger Elternhaus spürt die Corona-Krise. Von links: Sandra Faust (Psychosoziales Team Elternhaus), Alexandra Yakin, Patrick Kramer und Dagmar Hildebrandt-Linne (Verwaltung/Leitung Elternhaus).

Dem „Elternhaus“ an der Uni-Klinik Göttingen fehlt in diesem Jahr viel Geld: Das Haus, das Eltern und Familien von schwerkranken Kindern während deren Aufenthalt in der Uni-Klinik, eine Bleibe, Unterstützung und später sogar Nachsorge bietet, finanziert sich zu großen Teilen aus Spenden.

Göttingen – Die Spenden bleiben aber in der Corona-Krise oft weg – es gibt kaum Veranstaltungen und Familienfeiern mit Sammlungen. Die so wichtige Arbeit für schwerstkranke Kinder und deren Eltern aber bleibt unverändert.

Aktuell ist in diesem Haus, das ohnehin eine eigene Welt so nah und doch mit positivem Abstand zur Klinik-Welt ist, vieles anders: Abstandhalten, wo sonst Umarmungen, Nähe und gemeinschaftliche Aktionen zur Philosophie gehören. Strenge Hygienevorschriften, Maskenpflicht, damit keine – für Schwerkranke – hochgradig gefährliche Infektionen entstehen können – „Wir erfinden uns gerade neu“, sagt die Therapeutin Sandra Faust vom Psychosozialen Team. „Wir bieten Online-Beratungen an, gehen in große Räume, um einmal ohne Maske offen sprechen zu können. „Aber Berührungen, Umarmungen gehen nicht, das ist schwer.“

Eltern, die das Haus zurzeit nutzen können, obwohl wegen der Hygiene- und Abstandsregeln nur ein Drittel der Plätze belegt werden dürfen, sehen diese Nachteile, belastend empfinden sie sie aber nicht. Patrick Kramer ist schlichtweg glücklich, dass er seiner Frau und seinem Sohn nah sein kann. Denn eigentlich müsste er von Hess. Lichtenau täglich pendeln. So kann er mit seinem Sohn im Elternhaus wohnen, während seine Frau mit dem zweiten Sohn – die Zwillinge – sind zehn Monate alt in der Uni-Kinderklinik liegt. Der Kleine war mit einem offenen Rücken geboren worden. In Kassel hieß es, er könne erst im Alter von fünf bis acht Jahren operiert werden. An der UMG aber gab Prof. Hans-Christoph Ludwig grünes Licht für eine OP. „Alles ist super gelaufen, wir sind glücklich“, sagt der Lichtenauer Patrick Kramer.

Für die Einrichtung Elternhaus samt Mitarbeiter hat er nur Lob übrig: „Es ist ein wunderbarer Rückzugsort, auch zum Runterkommen – und, wenn man will, auch zum Austauschen mit den Mitarbeitern und anderen Eltern.“ Dieser Austausch muss in Corona-Zeiten leider eingeschränkt laufen. Abstand – lautet das Gebot.

„Das ist schade und ganz anders, als wir das Elternhaus und uns als Mitarbeiter verstehen“, sagt Dagmar Hildebrandt-Linne. Aber auch sie ist froh, dass trotz der Einschränkungen das „Elternhaus“ weiter geöffnet ist. Allerdings ist es für sie „sehr schwer“ vielen Eltern, die für eine Bleibe anfragen, ablehnen zu müssen. „Wir haben nur ein Drittel der Plätze.“ Die Absagen häufen sich, weil die Klinik nach anfänglichem Lockdown wieder hochgefahren ist – viele verschobene Operationen, auch für Kinder, wieder stattfinden.

Alexandra Yakin hat einen Platz bekommen. Die Frau konnte ihren zweijährigen Sohn nicht in die Klinik begleiten, sie hat eine Fußverletzung. Stattdessen liegt und schläft der Papa mit auf dem Zimmer der Station. Alexandra ist froh, so nah sein zu können. „Es ist fantastisch, dass man schnell einmal rübergehen kann.“ Glücklich ist die Familie auch, da die UMG über Prof. Ludwig den Kleinen behandelt, operiert hat. „Am Uni-Klinikum Aachen hat man abgelehnt, hier geht es.“ Den Kontakt zu Papa und Sohn hat Alexandra übrigens auch via Videotelefon gehalten. „Das hilft.“ Videotelefonie hat auch Patrick Kramer betrieben – oft auch mit den Ärzten. Auch das half, die Bleibe im „Elternhaus“ natürlich auch.

Von Thomas Kopietz

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