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„Oben ohne“ im Schwimmbad: So geht es in Göttingen weiter

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Von: Melanie Zimmermann

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In Göttinger Schwimmbädern gilt aktuell die „Oben-ohne“-Regel für alle. Die Sport und Freizeit GmbH zieht nun eine Bilanz der Testphase.

Göttingen – „Oben ohne“ ins Schwimmbad: Die bundesweit einmalige Testphase, die mit dem 1. Mai in Göttinger Bädern begonnen hat, neigt sich dem Ende entgegen. Und soviel ist bereits sicher: Auch über den August hinaus wird es in der Uni-Stadt „Oben ohne“ weiter gehen. „Wir sehen diesen Test als gelungen an und werden das Angebot so nahtlos weiterführen“, erklärt Andreas Gruber.

Badespaß für alle: In Göttingen werden im Freibad weiterhin alle gleich behandelt

Der Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH (GoeSF) zieht eine positive Bilanz der Testphase. Die Möglichkeit für Besucherinnen ohne ein Oberteil baden zu gehen und sich in den Einrichtungen aufzuhalten, sei genutzt worden. Eine genaue Anzahl gibt es aber nicht. „Wir haben dazu keine Erhebung gemacht“, erklärt Gruber. Dem eigenen Eindruck nach sei die Zahl im Testzeitraum überschaubar gewesen, so Gruber.

Die Resonanz auf das Angebot der GoeSF zum „Oben ohne“-Baden sei sehr unterschiedlich gewesen, wie auch schon die Diskussionen dazu im Vorfeld. Nach der Umsetzung und Freigabe der geänderten Badeverordnung habe es Diskussionen dazu gegeben. Diese seien aber nur sehr vereinzelt in den Schwimmbädern geführt worden. In einem Spiegel-Interview aus dem Juni sagte Gruber dazu: „Wir bekommen Zuschriften. Das geht von ‘Jetzt können wir endlich schön schwimmen gehen’ bis hin zu ‘Wir kommen nie wieder zu euch, das geht gar nicht’“.

„Oben ohne“ in Göttingen: Gleiches Recht für alle Geschlechter führt zu Diskussionen in sozialen Netzwerken

Auch in den sozialen Netzwerken war das „Oben-ohne“-Baden kontrovers diskutiert worden. Eine Befürchtung nicht weniger Elternteile: Wer am Wochenende mit seinem Kind oder Kindern ins Schwimmbad geht, sieht dort nur noch halbnackte Frauen. Recherchen der Göttinger HNA-Redaktion haben ergeben, dass diese Sorge völlig unbegründet gewesen ist.

Blick ins Badeparadies Eiswiese: Hier dürfen Besucherinnen seit dem 1. Mai an den Wochenenden ohne Oberteil baden und die Einrichtung nutzen.
Blick ins Badeparadies Eiswiese: Hier dürfen Besucherinnen seit dem 1. Mai an den Wochenenden ohne Oberteil baden und die Einrichtung nutzen. © GoeSF/nh

Aber nicht nur in Göttingen wurde das Thema viel und zum Teil sehr hitzig diskutiert. Bundesweit sorgte die Entscheidung der GoeSF für Schlagzeilen. So wundert es kaum, dass Andreas Gruber auch Anfragen aus anderen Städten zur Umsetzung der Erweiterung der Badeordnung bekam. Im Austausch steht die GoeSF jedoch mit keinem der Interessenten mehr. Rückmeldungen, wie es mit Umsetzungen in anderen Orten läuft, gab es keine.

„Oben-ohne“-Baden in Göttingen: Hausordnung wird angepasst

Sicher ist: In Göttingen wird das Angebot der GoeSF fortgesetzt. Mit dem Ende der Testphase geht es nahtlos weiter, „Oben-ohne“-Baden bleibt für alle in Göttingen möglich. „Wir werden die Gremien über die Fortsetzung informieren. Wir werden nun die Hausordnung unserer Bäder entsprechend festlegen. Das wurde bereits in den Gremien diskutiert und auch beschlossen“, erklärt Gruber.

Andreas Gruber ist Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH.
Andreas Gruber ist Geschäftsführer der Göttinger Sport und Freizeit GmbH. © GoeSF/nh

Eine Ausweitung des „Oben-ohne“-Badens auf Tage unter der Woche wird es hingegen nach aktuellem Stand nicht geben. „Wir sehen mit der gefundenen Lösung den besten Kompromiss für alle Beteiligten und würden dieses Angebot daher weder ausweiten noch abschaffen wollen“, so Gruber gegenüber unserer Zeitung.

Weiterhin „Oben-ohne“ in Göttingen: Feministisches Bündnis brachte Diskussion ins Rollen

Ins Rollen gebracht hatte die Diskussion zum „Oben-ohne“-Angebot das feministische Göttinger Bündnis „Gleiche Brust für alle“ um Mina Berger. Berger heißt eigentlich anders, möchte aber anonym bleiben. Auslöser war, dass Berger sich im August vergangenen Jahres in einem Göttinger Hallenschwimmbad das Bikini-Oberteil auszog. „Das hat sich gut angefühlt zu merken: Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich nicht dieses Oberteil an meinem Körper kleben habe.“

Berger bezeichnet sich selbst als non-binär, identifiziert sich also weder als Frau noch als Mann. Das Schwimmbad sah Berger jedoch als Frau und erteilte einen Schwimmbadverweis sowie ein Hausverbot wegen „Oben-ohne“-Badens. Das Verbot wurde mit dem neuen Angebot aufgehoben. (Melanie Zimmermann)

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