Ein Kobold und zwei Hausherren

Sebastian Seidels „Quiz-Show“ feiert im Göttinger NichtnurTheater Premiere

Kämpft in „Quizshow“ mit einem ungebetenen Gast: Hausherr (Uwe Gern, rechts) mit dem nervigen Fremden (David Rocchio).
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Kämpft in „Quizshow“ mit einem ungebetenen Gast: Hausherr (Uwe Gern, rechts) mit dem nervigen Fremden (Fabio Rocchio).

„Quiz-Show“ heißt Sebastian Seidels Stück, das das Göttinger NichtnurTheater in den Räumen des Vereins Irre-Parabel an der Langen-Geismar-Straße 69 zeigt.

Göttingen – Wie ein Kobold irrlichtert der ungebetene Gast durch die Wohnung, steht auf der Kommode, macht sich auf dem Sofa breit. Die Quiz-Show mit dem dümmlichen Kandidaten will der Gast (Energiebündel mit stechendem Blick: Fabio Rocchio) sehen, nervt den unfreiwilligen Gastgeber (unruhig-getrieben: Uwe Gern) bis zu Weißglut.

Der poltert und droht, versucht es mit Gewalt. Doch der Gast, der aus der Tür fliegt, steht im nächsten Moment wieder mitten im Raum. Er schafft es, den Gastgeber eins ums andere Mal in Gespräche zu verwickeln, fixiert sein Gegenüber, scheint ihn und die erst vor kurzem verunglückte Ehefrau genau zu kennen.

Ein intensives Kammerspiel auf engstem Raum bieten die beiden Schauspieler. NichtnurTheater-Gründer Rocchio, ein gebürtiger Italiener, dessen Muttersprachen Deutsch und Italienisch sind, hat Schauspiel studiert und bis 2015 professionell gespielt. Dann orientierte er sich beruflich neu, betreut nun als Dozent Hartz-IV-Empfänger und studiert parallel Soziale Arbeit. Sein im April 2020 gegründetes Theater ist Hobby.

Vier bis fünf Stücke im Jahr plant er für die Nach-Corona-Zeit. Die Quizshow sollte eigentlich im Oktober 2020 zu sehen geben. Die vorgesehene Schauspielerin ist mittlerweile verzogen. Rocchios Bekannter, der vor 30 Jahren einmal im Göttinger Theater im OP auf der Bühne stand, sprang ein. Uwe Gern bekam Schauspielunterricht, zweieinhalb Monate übten beide intensiv.

An der Langen-Geismar-Straße bespielen sie ein 30 Quadratmeter-Zimmer, in das 16 Stühle fürs Publikum passen. Den Raum hat der Verein Irre-Parabel, ein Netzwerk für Therapie, Beratung und Coaching, zur Verfügung gestellt. Ein Holzbalken steht mitten im Raum, daneben führt ein gemauerter Schornstein nach oben. Das minimalistische Bühnenbild besteht aus einem Sofa, einer Kommode und ein paar Regalbrettern an der Wand.

Psychologische Hilfe könnte der unfreiwillige Gastgeber durchaus gebrauchen, wird im Laufe des Stücks deutlich. Überraschende Wendungen nimmt die surreale Geschichte von Seidel – Rocchios zweites Stück des Augsburger Autors und promovierten Literaturwissenschaftlers. Der anfangs so gestresste Gastgeber beginnt die Gesellschaft des Fremden zu genießen, sucht das abendliche Gespräch nach der Arbeit, den Austausch über „die junge, ungemein attraktive Kundin“, aber dann auch den Trost nach dem missglückten Date. (Michael Caspar)

Karten

Das Stück „Quiz-Show“ ist am 21., 26., 27. und 28. November sowie am 3., 4. und 5. Dezember jeweils um 19.30 Uhr zu sehen. Es gilt die 2G-Regel. Kartenvorbestellung unter Tel. 0551/29341543 oder per Mail NICHTnurTheater@web.de

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